Posted by Christopher K. on December 19th 2008 to
Kurzkritiken

Da ich in den letzten Wochen aus Zeitnot keine Reviews zu neuen Kinofilmen verfassen konnte, präsentierte ich hier einen Schnelldurchlauf, da ich schon ein paar Worte zu den jeweiligen Produktionen verlieren möchte. In Zukunft geht es dann wie gewohnt weiter mit ausführlicheren Kritiken zu den Kinostarts.
1968 Tunnel Rats
Die Vorfreude war groß auf den in mehreren großen internationalen Kritiken gelobten Vietnamfilm von Uwe Boll. Doch Tunnel Rats entpuppt sich auf Grund des de facto nicht vorhandenen Drehbuchs als heiße Luft. Boll wollte seinen Kriegsfilm so realistisch wie möglich gestalten und gab deshalb den durchweg jungen und unerfahrenen Darstellern freie Hand bei der Improvisation der Dialoge. Ein Fehler, denn das Resultat daraus schwankt stets an der Grenze zur Lächerlichkeit und will so gar keine Atmosphäre erzeugen. Unterbrochen werden die langatmigen Szenen durch Actioneinlagen mit einem enormen Gore-Faktor, die zumindest zeigen, in welche Richtung der Film hätte gehen können, wenn Boll in ein gutes Skript investiert hätte. Denn die Idee, einen Vietnamkriegsfilm in den geheimen Tunnelanlagen der Vietcong anzusiedeln, ist eigentlich richtig gut. Vielleicht klappt es ja mit einem Directors Cut, dann ist definitiv noch Potential nach oben in der Wertung. (4.5/10)
Anonyma
Regisseur Max Färberböck (Aimée & Jaguar) nimmt sich in Anonyma eines ganz wichtigen und bisher in der deutschen Öffentlichkeit totgeschwiegenen Themas an: die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch die einrückende Sowjetarmee im Jahre 1945. Basierend auf die Tagebücher einer anonymen Berlinerin skizziert er das Bild zweier Welten, die durch die schlimmste Katastrophe des 20. Jahrhunderts unfreiwillig aufeinanderprallen. Auf der einen Seite die deutschen Frauen, die nach dem Krieg auf sich alleine gestellt sind mit ihren ganzen Sorgen, Nöten und Ängsten. Auf der anderen Seite die Sowjets, fernab von ihrer Heimat, hineingetrieben in einen Krieg, der Recht und Unrecht vergessen macht. Dabei baut der Film ganz klar auf seine zwei Hauptdarsteller Nina Hoss und Yevgeni Sidikhin, die als Abbild beider Parteien aufeinanderprallen und sich mit der Zeit näher kommen. Sei es auf der einen Seite aus Liebe und auf der anderen aus der krampfhaften Suche nach Schutz. Intensiv wird der Film, der übrigens überraschend längere Kriegsszenen beinhaltet, schließlich dann in den Szenen der Vergewaltigungen. Und er lässt nicht los, bis weit nach der Vorstellung. Im nächsten Jahr gibt es auf dem ZDF eine Langfassung des Dramas zu sehen. Dann wird eine große Review folgen. (7/10)
Krabat
Ohne die Romanvorlage von Ottfried Preußler gelesen zu haben, war ich positiv überrascht von Marco Kreuzpaintners Adaption von Krabat. Mit einer für einen deutschen Film und einem Budget von knapp 11 Millionen Euro beachtlichen Postproduktionsleistung gelingt es Roland Emmerichs Protegé, eine geheimnisvolle Atmosphäre auf die Kinoleinwand zu zaubern. Die Geschichte des Krabat, der sich einer geheimnisvollen Organisation anschließt und nach und nach deren Geheimnisse ergründet, ist spannend und effektorisch umgesetzt. Lediglich der Cast weiß alles andere als zu gefallen. David Kross ist der Hauptrolle nicht ganz gewachsen, ihm gelingt es nicht, den Facettenreichtum seiner Figur auszuarbeiten. Blass bleibt auch Robert Stadlober, der mit seiner Rolle als Bösewicht nicht gegen sein Image anzukämpfen weiß. Im Gegensatz dazu überzeugen Daniel Brühl als Altgeselle Tonda und vor allem Christian Redl als Meister, der mit einem diabolischen Spiel die Zuschauer bis zum Schluss fesselt. (6.5/10)
The Strangers
Man nehme Michael Hanekes Funny Games, mische es mit krampfhaft überforderten Darstellern, dem Slogan “Inspired By True Events” und maskierten Meuchlern und fertig ist der Genre-Einheitsbrei, den man sich getrost sparen kann. Es ist eigentlich unfassbar, mit welcher Arroganz Regisseur Bryan Bertino meint, dieses Produkt dem Zuschauer präsentieren zu können. Im Mittelpunkt des Films steht ein junges Pärchen (Scott Speedman und Liv Tyler), welches nach einer durchzechten Nacht in ein abgelegenes Haus absteigt. Wie es der Zufall so will, schleichen die Übeltäter heimlich in das Haus und das Psycho-Horror-Spektakel kann beginnen – wenn nicht das unfassbar dämliche Drehbuch, der unfassbar schlechte Regisseur und die unfassbar schlecht aufgelegten Darstellern wären. Vor allem von Liv Tyler hätte man mehr erwarten können als penetrantes und hysterisches Rumgeschreie. Der einzige Horror ist hier jede weitere Minute, die bis zum Ende vergeht. (2/10)
Death Race
Paul W.S. Anderson hat wieder zugeschlagen. Diesmal legt er den Kultstreifen Death Race 2000 von 1975 mit Jason Statham neu auf. Und das Ergebnis präsentiert sich genau wie erwartet: den Zuschauer erwartet ein Testosteron geschwängerter Männerfilm mit Autos, Wummen und Boxenludern, äh, Navigationsfrauen. Nach einem Kollaps der Weltwirtschaft befinden sich die USA im Chaos. Abwechslung versprechen die Todesrennen in einem Gefängnis, die gegen eine satte Gebühr live im Internet übertragen werden. Deren Publikumsliebling Frankenstein liegt nach einem Unfall jedoch im Sterben und wird durch eine Intrige heimlich durch den ehemaligen Rennfahrer Jensen Ames (Statham) ersetzt. Der muss noch ein Todesrennen gewinnen, um seine Freiheit wiederzuerlangen. Die größte Überraschung an Death Race sind die gekonnt in Szene gesetzten Rennen, die knapp die Hälfte des gesamten Filmes ausmachen. Hier wird nicht nur mit Vollgas durch die Gegend gebrettert, sondern auch mit Napalm geworfen, mit Maschinengewehren geschossen und mit anderen Tricks gearbeitet. Das knallharte Kontrastprogramm zu Speed Racer also. Mit einem Cameo von David Carradine und dem geilsten Arsch der Filmgeschichte (Natalie Martinez). (6.5/10)
Vicky Cristina Barcelona
Einen meiner most wanted für 2008 packe ich in den Schnelldurchlauf. Warum? Weil Woody Allens neuster Film wider Erwarten doch nichts weiter ist als eine Altherrenphantasie, ein Jeder-mit-Jedem-Stück mit mediterranem Flair ist. Anstatt flotte Dialoge zu präsentieren, kreiert Allen eine Reihe uninteressanter, peinlicher, aufgesetzter, stereotyper und Klischee beladener Charaktere, die untereinander mehr oder weniger offen Beziehungen eingehen. Schade ist vor allen Dingen, dass auch die hochkarätigen Schauspieler um Scarlett Johansson, Penelopé Cruz und Javier Bardem rein gar nichts aus ihren substanzlosen Figuren herausholen können. Lediglich Rebecca Hall schlägt sich ganz wacker und empfiehlt sich für weitere Rollen. Das Genick bricht dem Film eigentlich schon der Einsatz eines Off-Erzählers, der ohne Witz und Ironie nicht nur Banalitäten von sich gibt, sondern auch das Gefühlsleben der jeweiligen Figuren in einem Satz zusammenfasst, so dass Allen sich fataler Weise ganz auf die Oberflächlichkeiten konzentriert, fernab jeglicher tieferer Charakterzeichnung, die den Zuschauern die Figuren vielleicht ansatzweise hätte näher bringen können. Und auch wenn Vicky Cristina Barcelona schön fotografiert und mit einem stimmigen Soundtrack unterlegt ist – der Film frönt nur Allens Sexismus. Schade. (3.5/10)