Factory Girl
Kurzkritik

In schnörkellosen Bildern erzählt Regisseur George Hickenlooper das Leben einer der Stilikonen der 60er Jahre, Edie Sedgwick, die als Muse des Pop-Art-Visionärs Andy Warhol bekannt wurde. Nach einer turbulenten Jugend mit regelmäßigen Einweisungen in psychiatrische Kliniken flüchtet die junge Unternehmerstochter 1964 nach New York, wo sie eine recht erfolgreiche Model-Karriere startet. Über Bekannte lernt sie ein Jahr später den extrovertierten Künstler Andy Warhol kennen. Der verfällt sofort ihrem Charme und macht sie zu seiner Muse, zu seinem Aushängeschild für die Factory, einen der angesagtesten Künstlertreffs seiner Zeit. Edi steigt auf zu einer Stilikone, zu einer der ersten it girls aller Zeiten. Das exzessive und freizügige Leben der New Yorker Künstlerszene lässt die psychisch Labile aber bald in einen tiefen Sumpf aus harten Drogen fallen. Die Liebe zu Bob Dylan führt schließlich zum Bruch mit Warhol. 1971 stirbt Edie Sedgewick in Santa Barbara an einer Überdosis Tabletten.
Vor allem schauspielerisch kann Factory Girl überzeugen und so unabstreitbare Schwächen im Drehbuch ein wenig ausmerzen. Sienna Miller ist nicht nur optisch wie geschaffen für die Rolle der Edie Sedgewick. Als fester Bestandteil der yellow press kennt sie sich aus in einem Milieu aus Drogen, Sex & Erfolgshunger und kann sich so bestens in ihren Charakter hineinversetzen. Auch in den intensiven Drogenszenen überrascht Frau Miller, hat man sie doch bisher als ernst zu nehmende Schauspielerin nicht wirklich wahr genommen. Der eigentliche Star des Films ist aber Guy Pearce. Mit welche Arroganz und Brillanz er Andy Warhol verkörpert, ist schlichtweg genial. Er stellt das komplette Darstellerensemble in den Schatten, wenn er mit Mimik und Gestik das Original wieder zum Leben erweckt. Ärgerlich ist jedoch die Besetzung von Hayden Christensen als Bob Dylan (im Film wird aus Rechtsgründen übrigens sein Name nicht genannt). Wie in so ziemlich allen Filmen davor fällt Milchbubi Christensen nur durch einen leeren, sich nie verändernden Gesichtsausdruck auf. Mit Schauspiel hat das nichts zu tun. Audiovisuell ist Factory Girl für einen Independent-Streifen grundsolide, es ist aber schade, dass Regisseur Hickenlooper nicht den Mut hatte, sich ein wenig mehr an dem Pop-Art-Style zu orientieren. Nichtsdestotrotz ist Factory Girl ein interessantes und intensives Drama, das Einblicke in eine sonst verschlossene Welt gewährt und den Zuschauer bis zum Ende zu fesseln vermag. (6,5/10)














