Crazy Heart

Kurzkritik

Im Oscarrennen hatte bis Dezember so wirklich niemand den Film Crazy Heart auf der Rechnung. Still und heimlich nahm Scott Coopers Regiedebüt über einen abgehalfterten Country-Star den Weg von Venedig, wo er seine Premiere feierte, über zahlreiche Kritikerjahresbestlisten zu den Academy Awards, wo er am Sonntag mit gleich zwei Oscars ausgezeichnet wurde und damit noch vor Filmen wie Inglourious Basterds und Up In The Air lag. Viele vergleichen Crazy Heart mit dem letztjährigen Erfolg The Wrestler, da beide einen gefallen Star in den Mittelpunkt rücken. Und tatsächlich, die Parallelen zwischen den Filmen sind nicht von der Hand zu weisen. Nicht nur inhaltlich verfolgen sie grob denselben Leitfaden, auch ihre Hauptdarsteller konnten mit ihrer Performance jeweils endlich die Aufmerksamkeit auf sich lenken, die sie verdient haben. So spielte sich im letzten Jahr Mickey Rourke mit seiner Rolle als Randy “The Ram” Robinson zurück nach Hollywood und wurde mit einem Golden Globe und einer Oscarnominierung bedacht. Besser lief es noch für Jeff Bridges, dessen Leistung als Bad Blake beide Preise wert war. Jeff Bridges ist endlich angekommen im Olymp der Schauspieler – und das völlig berechtigt. Er trägt den Film, der einzig und allein auf seine Figur zugeschnitten ist, mit Leichtigkeit. Bad Blake, der früher Hits am Band produzierte, ist mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst. Alkoholkrank, spielt Blake zwar noch regelmäßig in versifften Kneipen in den Südstaaten, doch seine Kosten kann er damit schon lange nicht mehr decken. Er ist alt, krank und pleite. Konsequent zeichnet Regisseur Cooper das Bild des abgehalfterten Stars, der zwischen Whiskey, Kippen und Groupie-Sex mit alten Frauen den Sinn seines Daseins zu suchen scheint. Dabei verfolgt er trotzdem konsequent seine strikte Linie – als Vorband aufzutreten kommt ihm nicht in den Sinn. Wenn er scheitert, dann wenigstens ohne sich selbst zu verkaufen und seine eigenen Moralvorstellungen zu untergraben. Bridges spielt seinen Blake mit einer unglaublich wuchtigen Präsenz, einer präzisen Darstellung voller Melancholie und Natürlichkeit. Cooper wie auch Bridges gehen die Figur aber auch gleichzeitig mit einem Augenzwinkern an, die wichtig ist, um den Film nicht zu einer zweistündigen Moralpredigt verkommen zu lassen, sondern zu einem atmosphärischen und dichten Porträt eines gefallenen Country-Musikers. Auch die Nebenrollen sind überraschend stark besetzt. So überzeugt Maggie Gyllenhaal als junge Journalistin, die eine zeitweise innige Beziehung mit Blake eingeht. Gyllenhaal, nicht gerade bekannt für außergewöhnliche schauspielerische Leistungen, schafft es endlich einmal, aus ihrem sonst versteinerten Körper auszubrechen und sich nicht nur auf ihre Rehaugen zu verlassen. Zwar schafft sie es nie, auf Augenhöhe mit Bridges zu spielen, doch das ist ob der Fokussierung auf Blake gar nicht weiter schlimm. Robert Duvall und Colin Farrell als Blakes musikalischer Ziehsohn runden das positive Gesamtbild ab. Dass Crazy Heart letztlich trotzdem nicht an die Brillanz von The Wrestler heranreichen kann, liegt an seinem Drehbuch. Man merkt diesem deutlich an, dass es von einem Debütanten geschrieben wurde. Zwar enthält es zahlreiche tolle Einfälle und interessante Figuren, doch zwischendurch schleichen sich immer mal wieder Längen ein. Es ist, als ob die Geschichte im Mittelteil Szenen enthält, die die Geschichte nicht nach vorne bringen, sondern für kurzzeitigen Stillstand sorgen. Gut, dass die von Bridges und Farrell selbst gesungenen Songs aus einem der stärksten Soundtracks des Jahres da über die eine oder andere Länge hinwegtrösten. Crazy Heart ist ein tolles Porträt eines gefallenen Country-Sängers mit einem brillianten Hauptdarsteller und einem außergewöhnlich guten Soundtrack. Eine echte Überraschung eben. (7/10)

★★★★★★★☆☆☆

Network

Kurzkritik

“I’M AS MAD AS HELL, AND I’M NOT GOING TO TAKE THIS ANYMORE!”

Auf Grund seiner Entlassung kündigt der arrivierte Nachrichtensprecher Howard Beale (Peter Finch) vor laufenden Kameras seinen baldigen Selbstmord an. Die Reaktionen darauf sind so überraschend wie beschämend. Die Einschaltquoten der angestaubten Nachrichtensendung schnellen in ungeahnte Höhen und die aufstrebende Karrierefrau und Programmdirektorin Diana Christensen (Faye Dunaway) erkennt das Potential dieses Mannes. Als “zorniger Prophet”, der mit seinen wüsten Beschimpfungen und Hass-Predigten den Nerv einer von Vietnam und der Ölkrise gebeutelten Gesellschaft trifft, soll Beale den Sender UBS wieder an die Spitze der TV-Stationen der USA katapultieren. Zusammen mit dem Leiter der Nachrichtenabteilung, Max Schumacher (William Holden), verwandelt sie die Sendung in eine Unterhaltungsshow, in der Beale zur besten Sendezeit auf dem Bildschirm erscheint. Die Zuschauer sind begeistert und die TV-Chefs, allen voran Frank Hackett (Robert Duvall), freuen sich über den daraus resultierenden Geldregen. Alles läuft gut, bis der an immer stärker werdenden psychischen Problemen leidende Beale anfängt, nicht mehr zu funktionieren…

Es ist erschreckend zu sehen, dass sich Sidney Lumets Mediensatire Network nach über 30 Jahren immer noch auf unsere heutige Gesellschaft übertragen lässt. Da sind auf der einen Seite die Fernsehsender, denen es nicht etwa um investigativen und freien Journalismus geht, sondern nur um Einschaltquoten. Aus diesem Grund schlachten sie Galathemen und Sensationen aus, verdrängen ihre eigentliche Hauptaufgabe als Meinungsbildner in einem Land. Sie sind “Nuttenhäuser”, die das nehmen, was sie bekommen. Auf der anderen Seite sind die Fernsehzuschauer diejenigen, die mit ihrem Verhalten, ihrer Sensationsgeilheit die skrupellosen Sender unterstützen und antreiben. Lumet karikiert beide Seiten sehr drastisch, lässt so UBS mit einer Terrorgruppe zusammenarbeiten, um an exklusives Bildmaterial von Überfällen und Morden zu kommen und skizziert gleichzeitig den Zuschauer als nicht hinterfragendes, williges und unterwürfiges Medium. Dabei kann er auf ein Darstellerensemble der Extraklasse bauen, das nicht umsonst 3 Oscars  bei 5 Nominierungen für diesen Film einstrich, unter anderem posthum für Peter Finch. Das Problem von Network ist, dass Lumets bissiges Abbild einer TV-Gesellschaft zu oft durch Nebenhandlungen, etwa der Liebesbeziehung zwischen Max und Diana oder internen Grabenkämpfen bei UBS, gestört wird. Dadurch wirkt die Geschichte, trotz der gemächlichen Erzählweise des Regisseurs, oftmals zu komplex und unverständlich. Nichtsdestotrotz ist Network ein kleines satirisches Meisterwerk, in dem die Intention der Macher an jeder Stelle zu erkennen ist und das sich perfekt auf unsere heutige Zeit übertragen lässt. Zeitlos, bissig & anregend. (8,5/10)

★★★★★★★★½☆

The Road: Erstes Set-Bild

Zur Zeit laufen die Dreh-Arbeiten zu einem meiner Most Wanted-Filme, The Road. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy (No Country For Old Men), den ich gerade verschlinge und zu dem es bald ein kleines Bücher-Review von mir geben wird. Ich kann nur sagen, dass das Buch zum spannendsten Stoff gehört, den ich je gelesen habe. Thema sind ein Vater und dessen Sohn, die durch das zerstörte und verbrannte Amerika reisen, ausgestattet nur mit einem Wagen mit Nahrung und einer Pistole. Es gibt genau so wenig Hoffnung wie Licht. Der Himmel ist schwarz und die Natur von Asche bedeckt.

Regie übernimmt John Hillcoat, der mit The Proposition sein Können schon unter Beweis stellte. Die Hauptrollen übernehmen Viggo Mortensen (Vater) und Kodi Smit-McPhee (Sohn). Auch die Nebenrollen sind mit Charlize Theron und Robert Duvall glänzend besetzt. Das erste Set-Bild, entdeckt bei RowThree, verspricht schon mal einiges, denn es erinnert optisch stark an die Vorlage!

theroad.jpg

Helden der Nacht

Heldendernacht1

So kurz vor der Oscar-Verleihung hat es mich noch einmal ins Kino getrieben. Zwar ist “Helden der Nacht” nicht für den Oscar nominiert, doch spielen in dem Drama mit Robert Duvall (Oscar für “Tender Mercies”, 6 Nominierungen ), Mark Wahlberg (Oscar-Nominierung für “The Departed) und Joaquin Phoenix (2 Oscar-Nominierungen) große Namen des Filmgeschäfts.

Inhalt:

New York in den 80er-Jahren. Die zwei Brüder Bobby (Joaquin Phoenix) und Joseph (Mark Wahlberg) können unterschiedlicher kaum sein. Bobby leitet einen Nachtclub, der von der Russenmafia als Umschlagsort für Drogen aller Art genutzt wird. Er führt mit seiner Freundin Amada Juarez (Eva Mendes) ein Leben abseits der Legalität, bestimmt von Kokain, Alkohol und Sex. Joseph hingegen tritt erfolgreich in die Fußstapfen seines Vaters, dem Deputy Chief Albert Grusinsky (Robert Duvall), und wird zum Captain des NYPD ernannt.

(more…)