The Lovely Bones – In Meinem Himmel
Schon weit vor seiner Veröffentlichung galt Peter Jacksons The Lovely Bones als einer der großen Favoriten auf die kommenden Oscars. Die Vorzeichen hätten auch nicht besser sein können: ein Regisseur, der nach vier opulenten Werken endlich wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt, eine hoch gelobte Romanvorlage und ein interessanter Cast rund um Jungstar Saoirse Ronan versprachen einiges. Versprechungen, die Jackson letztendlich aber nicht halten konnte. Zu offensichtlich zeigen sich die Probleme, welche die Komplexität des Stoffes dem Regisseur bereiteten. The Lovely Bones ist ein unrunder Film, bei dem sich in 140 Minuten Laufzeit kein roter Faden in der Geschichte zu erkennen gibt. Zu abrupt sind die steten Wechsel zwischen Drama und Thriller, zu ungestüm die Versuche, Elemente aus Mystery und Komik zu integrieren. Man könnte fast meinen, Jackson inszeniert mit dem Holzhammer, seelenlos, um den Facettenreichtum der Vorlage gerecht zu werden. Der Regisseur verpasste es, den Fokus auf einen Handlungsstrang zu legen, um entweder ein feinfühliges Drama oder einen spannenden Thriller zu inszenieren. So ist The Lovely Bones ein kruder Mischmasch aus beidem, aber nichts Halbes und nichts Ganzes. Jackson lässt dem Zuschauer keine Chance, die ohne Frage ästhetisch inszenierten Szenen auf sich wirken zu lassen, lässt ihm kein Freiraum für eigene Gedanken. Eine Sequenz jagt die nächste, auf eine Aktion folgt eine sofortige Reaktion, ohne Pause, untypisch für dieses Genre. Der Regisseur will die Geschichte schnell nach vorne treiben, will viel erzählen und erzählt doch so wenig. Die Trauerarbeit der Eltern (Mark Wahlberg & Rachel Weisz) zum Beispiel deutet er nur an, ohne jedoch jemals auf sie einzugehen. Er verpasst es, den Figuren Gefühle, gar eine Seele zu geben. Die so erzeugte Antipathie raubt den Thriller-/ und Krimielementen, der Suche des Vaters nach Susies Mörder schließlich den Nährboden. Inhaltlich fehlt dem Film eine klare Linie, die Peter Jackson inszenatorisch hingegen radikal entlang schreitet. Das Set-Design des Films ist grandios, der Regisseur setzt das Amerika der 70er formidabel in Szene. Dabei heben sich seine Bilder von denen seiner Kollegen ab, denn die gefilterten digitalen Bilder erzeugen einen neorealistischen Charme, der anfangs fesselt und im Verlaufe der Geschichte trotz des lückenhaften Inhalts immer wieder den Zugang zum Film erleichtern. Sowieso, der Wechsel zwischen Realität und den Bildern aus dem Himmel ist rund, die Bilder verschmelzen zu einer Einheit, wie es die Geschichte an keiner Stelle erreicht. Neben den Bildern sind es vor allem die zwei Schauspieler, deren Rollen weitaus weniger limitiert und denen Jackson Gestaltungsfreiraum lässt, deren Präsenz noch nachhaltig in Erinnerung bleibt. Stanley Tucci spielt den Serienkiller George Harvey mit einer komplexen Subtilität, zeichnet das Bild eines Psychokillers, in dem das Böse unter der scheinbar gut bürgerlichen Oberfläche brodelt. Die komplette Spannung des Films entwickelt sich aus seiner Figur, er ist ihr eigentlicher Star. Auch Saoirse Ronan, die schon bei Abbitte eine großartige schauspielerische Leistung ablieferte, darf vor allem in den coming of age-Elementen ihr breit gefächertes Potential andeuten. Mark Wahlberg, Rachel Weisz und Susan Sarandon hingegen haben so eingeschränkte Rollen, dass sie ihnen nichts weiter bleibt als vom Drehbuch abzulesen. Jackson lässt ihnen keinen Freiraum für Interpretationen, was im Anbetracht des Potentials der Rollen und Schauspieler ein riesiges Ärgernis ist. Sowieso, Potential hatte der Film. Wenn Jackson seine visuelle Vision auch auf die inhaltliche Ebene übertragen hätte, sich konzentriert hätte auf wenige Hauptstränge der Geschichte, hätten wir mit Sicherheit einen großartigen Film sehen dürfen. So bleibt der fade Beigeschmack, dass Peter Jackson The Lovely Bones fast gewaltsam auf die Awardseason getrimmt hat. Ohne Blick aufs Wesentliche. (4/10)











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