Der Baader Meinhof Komplex

[Kino]-Review

Ja, ich bin ein freier Mensch. Trotzdem habe ich mir den Baader Meinhof Komplex angeschaut. Entgegen der Meinung fast aller Blogger-Kollegen halte ich nämlich Bernd Eichingers Arbeiten, vor allem die, die die deutsche Geschichte reflektieren, für großartig und wichtig. Schon bei Der Untergang (2004) gab es deutschlandweite Diskussionen, wie weit Eichinger mit seinen Produktionen gehen darf. Darf er einen gebrochenen Hitler zeigen? Darf man sehen, wie Magda Goebbels ihre Kinder tötet? Wird die Zeit nicht beschönigt, da vom Holocaust nichts erwähnt wird? Diese Kritikpunkte zeigen aber nur, dass Deutschland 60 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg seine Geschichte immer noch nicht verarbeitet hat. Wir Deutschen haben ein Problem mit unserer Geschichte, auch wenn die Taten von damals mit unserer Generation überhaupt nichts mehr zu tun haben. Dieses “Täterdenken” blockiert eine objektive Aufarbeitung der Historie. Auch bei Eichingers neustem Film, dem Baader Meinhof Komplex, der die Jahre 1967 bis 1977 der linksradikalen Terrororganisation RAF beleuchtet, wurde wieder Kritik laut. Er zeige zu wenig von den Opfern, stilisiere die Täter dadurch gar als Helden, mache sich über den Staat lustig und liefere unterm Strich ein Werk ab, das zeigt, dass er und Regisseur Uli Edel in Studentenjahren mit der RAF sympathisiert haben. Leider gibt es  dabei Leute, die so blauäugig sind und den Behauptungen glauben. Dumm gelaufen, sage ich nur, denn der Baader Meinhof Komplex stilisiert in keinster Weise die Täter, sondern beschreibt die Entstehung und den Höhepunkt der Roten Armee Fraktion fast dokumentarisch, zeigt die Gräueltaten und räumt auf mit der immer noch existierenden Meinung, Meinhof, Baader & Co. hätten nur das beste für ihr Volk gewollt.

20 Jahre nach Ende des Dritten Reiches findet einer der größten gesellschaftlichen Umbrüche aller Zeiten statt. Junge Menschen, vorrangig Studenten, protestieren gegen das verbonzte Establishment, lehnen sich auf gegen den Kapitalismus, gegen den Krieg in Vietnam, gegen das Verdrängen der Geschichte. Aus den gewaltfreien Protesten wird jedoch bald bitterböser Ernst. Am 2. Juni 1967 wird während einer Demonstration gegen den Staatsbesuch des persischen Schahs in Berlin der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Diese Tat mobilisiert eine gewaltbereite Gruppe um den Tagedieb Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und dessen Freundin Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek). Schnell beschließen sie einen Brandbombenanschlag auf 2 Frankfurter Kaufhäuser, um dem “Polizeistaat” etwas entgegenzusetzen. Kurz darauf werden sie jedoch geschnappt und im Oktober 1968 zu jeweils 3 Jahren Haft verurteilt. Baader und Ensslin gelingt aber die Flucht nach Italien. im Februar 1970 kehren sie nach Berlin zurück und treffen die deutschlandweite bekannte linke Autorin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck), die Baader nach dessen erneuter Festnahme im Mai zur Flucht verhilft. Diese Befreiungsaktion gilt als Geburtstunde der RAF, der Roten Armee Fraktion. Nach einer Ausbildung in einem palästinensischen Terrorcamp beginnt die Blütezeit der Organisation mit insgesamt 34 Todesopfern und fast 300 Verletzten.

Das Buch Der Baader Meinhof Komplex von Stefan Aust gilt als das Standardwerk über die RAF. Geschrieben 1985, ist es noch heute das zentrale Nachschlagewerk über die Entstehung und Entwicklung der Terrororganisation. Aust stützt dabei seine Motivation für das Buch auf eine persönliche Involvierung in die Organisation. Als persönlicher Freund von Klaus Rainer Röhl lernte er schon früh dessen spätere Ehefrau Ulrike Meinhof kennen und arbeitete mit ihr als Redakteur der Zeitschrift konkret zusammen. Als sich Meinhof der extremen Gruppe um Baader und Ensslin anschloss und in den Untergrund ging, rettete Aust  mit Hilfe des RAF-Aussteigers Peter Homann (Jan Josef-Liefers) im September 1970 deren Töchter aus Sizilien und brachte sie zu ihrem Vater. Meinhof hatte vorher entschieden, ihre Töchter in Jordanien zu Terroristen ausbilden zu lassen. Seine Tat blieb natürlich nicht ohne Folgen. So soll er nach eigenen Aussagen nur mit Glück seinem Exekutionskommando entkommen sein.

Auch Produzent Bernd Eichinger fühlt sich eng mit der Zeit der RAF verbunden. Als Filmstudent demonstrierte er selber gegen Vietnam und Co., war wie so viele andere anfangs begeistert von der Gruppe, die sich gegen das System auflehnt. Schon 1978 kam ihm deshalb die Idee, einen Film über Ulrike Meinhof zu drehen. Auf Grund der Brisanz des Themas und seiner filmischen Unerfahrenheit verwarf er diese jedoch. Nachdem er 2004 mit seinem Erfolgsfilm Der Untergang aber bewies, dass er ein geschichtliches Thema richtig anpacken kann, begann er die Arbeit an seinem RAF-Film. Unterstützt wurde er dabei von seinem Studienfreund Uli Edel, mit dem er schon Christiane F. – Die Kinder Vom Bahnhof Zoo drehte. Auf Grundlage des Baader Meinhof Komplexes von Stefan Aust schuf Eichinger ein fast dokumentarisches Drehbuch, welches die Zeit von 1967 bis 1977 chronologisch abhandelt. In seinen Fokus rückte er dabei die Täter, deren eigentliche Motivation er beleuchten und deren Legendenstatus er endgültig vernichten wollte. Gerade dieses Vorgehen, die Täter in den Vordergrund zu stellen, ist aber der größte Kritikpunkt in den Medien. Eichinger zeige zu wenig von den Opfern, lässt sie zu reinen “Schießbudenfiguren” verkommen. Nüchtern betrachtet hat Eichinger aber in einem Film, der Baader Meinhof Komplex heißt und die Entstehung und Hochphase der RAF in 150 Minuten rafft, alles richtig gemacht. Die Frage ist doch, wie viel Opfer er zeigen muss. Auch wenn es hart klingt, aber niemand will in einem solchen Film, dass zum Beispiel die Figur Hans Martin Schleyer intensiv familiär und charakterlich beschrieben wird. Das würde zum einen nicht in den Kontext passen, zum anderen wäre das völlig uninteressant. Wenn der Film Baader Meinhof Komplex heißt, geht es um die Täter, und zwar nur um die. Punkt, Schluss, aus. Ähnliche absurde Kritiken gab es ja schon seinerseits bei Der Untergang, da dieser nichts vom Holocaust zeigt. Da stellt sich natürlich die Frage, was der mit den letzten Tagen im Führerbunker zu tun hat…

Die Wichtigkeit des Projekts erkennt man auch an seiner Budgetierung. Wo der aufwendig inszenierte Der Untergang noch 13 Millionen Euro kostete, legte Eichinger für den Baader Meinhof Komplex nochmal 7 Millionen Euro drauf. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Eichinger und Edel wollten diesmal vor allem eins: eine hohe Authentizität. Aus diesem Grund drehten sie an Originalschauplätzen, reisten mit dem kompletten Team nach Stammheim, Berlin, in den Nahen Osten und in die Bavaria Studios. Dieses Vorgehen erzeugt im Film eine enorme Atmosphäre, vor allem aus den Prozessszenen in Stammheim entsteht eine intensive Kraft. Um die Authentizität weiter zu steigern, fügte Edel zwischen die Spielszenen Originalaufnahmen, zum Beispiel aus der Tagesschau. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass dadurch die Szenen erklärt werden, wo es gerade einen Überfall gab, wer gerade umgebracht wurde et cetera pp. Akribisch vorbereitet haben sich Eichinger und Edel auch für die realitätsnahe Umsetzung des Stoffes. Bei den Mordszenen halten sie sich detailgetreu an die Polizeiberichte, es fallen genau so viele Schüsse aus der genauen Position wie damals. Auch Nummernschilder, Plakate oder sogar die Schrift auf den Schildern bei Schleyers Entführung stimmen eins zu eins mit alten Berichten und Fotos überein.

Den zentralen Eckpfeiler bei Der Baader Meinhof Komplex bildet aber die bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzte Darstellerriege. Eichinger bekam jeden, der in Deutschland Rang und Namen hat und bastelte daraus einen interessanten Ensemblefilm. In Mittelpunkt stehen dabei die drei Hauptgründer der RAF, Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin, gespielt von Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu und Johanna Wokalek. Alleine die interessante Mischung der Hauptdarsteller erzeugt einen enormen Reiz. Martina Gedeck, die zuletzt einen Auftritt in Robert De Niros Der Gute Hirte hatte, erarbeitete sich akribisch ein Profil von Meinhof, um das Innere ihrer Figur zu erfassen. Mit ihrer enormen Leinwandpräsenz zieht sie auch gleich die Zuschauer in ihren Bann. Vor allem ihr Wandel von der kritischen Journalistin zur Terroristin ist so groß, dargestellt, dass die Frage nach Glaubwürdigkeit gar nicht im Raum steht. Dagegen steht Moritz Bleibtreu als Andreas Baader für die naiven, aber resoluten Vorstellungen der RAF. Bleibtreu gibt Baader als coole Sau, als Aufreißer, der keine Ahnung von Politik hat, diese aber maßgeblich verändern will. Immer an dessen Seite ist Gudrun Ensslin, gespielt von Johanna Wokalek. Die Wahlösterreicherin, die demnächst neben John Goodman die Hauptrolle in Eichingers Die Päpstin inne hat, gibt Ensslin einen sehr revolutionären Touch. Sie spielt eine starke und kluge Frau, der eigentliche Pol der RAF, die ihr Handeln anders als Baader auf einer höheren Ebene sieht. Alle 3 Hauptdarsteller glänzen auf ihre Art und Weise und erzeugen damit von Anfang an ein passendes feeling. Über die Nebenrollen braucht man eigentlich nicht viel sagen, Namen wie Bruno Ganz, Heino Ferch, Jan Josef-Liefers, Hannah Herzsprung oder Alexandra Maria Lara sprechen für sich. Anmerken will ich aber noch die Leistung von Nadja Uhl als Brigitte Mohnhaupt, die mit ihrer Itnensität aus der ganzen Darstellerriege herraussticht.

Mein Fazit:

Aus Stefan Austs Standardwerk Der Baader Meinhof Komplex haben Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel einen der besten Filme über die RAF aller Zeiten gemacht. Chronologisch von 1967 bis 1977 erzählen sie in 150 Minuten die Entstehung und den Werdegang der Gruppe. Sie wollten mit dem Film ein Zeichen gegen die Verniedlichung von Meinhof & Co. setzen – und haben das durch akribische Darstellungen der ambivalenten Persönlichkeiten und deren zweifelhaften und skrupellosen Taten geschafft. Ich freue mich jetzt schon auf die angekündigte TV-Langfassung, die bestimmt noch mehr Geschichtsunterricht in Perfektion zu bieten hat. Danke, Bernd Eichinger! (9/10)

★★★★★★★★★☆

Baader Meinhof Komplex: Erster Teaser

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Lange habe ich auf die ersten bewegten Bilder aus Bernd Eichingers RAF-Projekt Der Baader Meinhof Komplex gewartet. Es hat sich gelohnt, denn der Teaser-Trailer verspricht einiges: die versammelte Mannschaft hochkarätiger und deutschsprachiger Schauspieler (unter anderem Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck, Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara), gewürzt mit interessanter deutscher Geschichte. Der Film kann nur etwas ganz großes werden, auch im Hinblick auf den Auslands-Oscar. Im Herbst ist es dann soweit!

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Speed Racer

[Kino]-Review

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Mit so niedrigen Erwartungen bin ich noch nie an einen Film gegangen. Eine Adaption einer amerikanischen Cartoon-Serie (die im Original auf das japanische Anime Mach GoGoGo beruht), dazu noch von den Regisseuren Wachowski, die außer dem ersten Matrix noch nichts gescheites zu Stande gebracht haben. Die ersten Bilder und Trailer verstärkten den eher negativen Eindruck, denn außer quietschbunten Farben hatten die nichts zu bieten. Somit war es keine Überraschung, das Speed Racer von den Kritikern abgewatscht wurde und an den Kino-Kassen gegen Konkurrenz wie Iron Man und Love Vegas gnadenlos unterging.

Familie Racer hat Benzin im Blut. Während sich Vater Pops (John Goodman) um die Technik im eigenen Rennstall kümmert, fährt sein ältester Sohn Rex (Scott Porter) jegliche Rekorde aller Rennklassen ein. Dessen jüngerer Bruder Speed (Nicholas Elia) träumt davon, später genau wie Rex für den familieneigenen Rennstall fahren zu können. Doch darunter leiden jetzt schon seine schulischen Leistungen. Während Mutter Racer (Susan Sarandon) dies ein Dorn im Auge ist, ist Speeds Klassenkameradin Trixie (Ariel Winter) von dem Sonderling hellauf begeistert. Eines Tages jedoch scheint die Familienidylle zu zerbrechen: Rex steigt aus und wechselt zu einem größeren Rennstall. Bei einem Cross-Rennen verliert er wenig später sein Leben. Erst nach Jahren kann sich Familie Racer von diesem Schicksalsschlag erholen, als Speed (nun: Emile Hirsch) in die Fußstapfen seines Bruders tritt. Bei seinem ersten Auftritt zeigt er seine fahrerische Klasse, als er alle Konkurrenten deklassiert. Schon bald klopfen große Rennställe an, um das Talent abwerben zu können. Darunter der schmierige Geldhai und mächtige Industrielle Royalton (Roger Allam). Der will Speed um jeden Preis. Speed jedoch lehnt das Angebot ab, was ihn in einen Strudel aus Korruption und geschmierten Rennen zieht. Um den Rennsport endlich wieder von diesen Machenschaften zu säubern, muss Royalton gestürzt werden. Dies gelingt Speed nur mit der Hilfe des Inspektors (Benno Führmann) und dem berüchtigten Racer X (Matthew Fox)…

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