Kurzkritiken: Kinoschnelldurchlauf #3

X-Men Origins: Wolverine
Es ist quasi nur konsequent, dass die Sequel-Schmiede Hollywood auf kurz oder lang dem unangefochtenen Star der drei X-Men-Verfilmungen ein eigenes Spinn-Off spendierte. Hugh Jackman alias Wolverine schaffte mit dieser Rolle den Durchbruch als Schauspieler und avancierte zu einem der größten männlichen Stars des Filmgeschäfts. Viele Fragen zu seiner Figur blieben aber bisher offen, zum Beispiel wie aus Logan überhaupt Wolverine wurde und auf welchen Pfaden er in der Vergangenheit wanderte. Genau hier setzt X-Men Origins: Wolverine an. Als Prequel erzählt der Film Logans Werdegang vom Kind, welches nach seiner ersten Verwandlung den Mörder seines Vaters umbringt und sich mit seinem Bruder Victor (Liev Schreiber) durch die Weltgeschichte schlägt. Ob in den beiden Weltkriegen oder im Vietnam – Logan und sein Bruder kämpfen sich quasi unverwundbar durch die Front und geraten so in die Hände des zwielichtigen Oberst William Stryker (Danny Huston), der einen Spezialtrupp, bestehend aus Mutanten, zusammenstellt. Als der Trupp bei einem nächtlichen Einsatz in einem abgelegenen Dorf auch Zivilisten töten soll, um an Informationen zu gelangen, zieht sich Logan für immer in die kanadischen Berge zurück. Dort führt er ein ruhiges Leben in den Armen seiner großen Liebe Kayla Silverfox (Lynn Collins), welches durch den durchgeknallten Victor aber ein jähes Ende findet. Dieser will nur eines – Logan sterben sehen. Als er Kayla tötet, begibt sich Logan getrieben von Rache wieder in die Obhut von Stryker. Dieser unterzieht Logan einer außergewöhnlichen Prozedur, das ganze Skelett mit dem Metall Adamantium zu überziehen. Die Geburt von Wolverine.
X-Men Origins: Wolverine fügt sich nahtlos ein in die Riege der Sommerblockbuster des Jahres 2009. Man setzt auf viel Action, zugeschnitten auf eine breite Zielgruppe, und verzichtet weitestgehend auf besonders großen Tiefgang oder besonders schwierige Dialoge. Der Film ist ein straighter Actioner, nicht mehr und nicht weniger. Sicherlich ein Grund, warum er bei vielen Fans und Kritikern, vor allem aber bei Fans der Comics, durchgefallen ist. Der Stoff bietet nämlich mehr als Action, bietet einen höchst ambivalenten Charakter in einer ambivalenten Bruderbeziehung. Doch diese Punkte arbeitet der Film nur oberflächlich ab. Was zählt, zeigt schon der zugegeben starke Vorspann. X-Men Origins: Wolverine macht keine Kompromisse und geht keine Risiken ein. Gut inszeniert treibt die Geschichte den Protagonisten von einer Action-Szene in die nächste, setzt auf einen typischen Spannungsbogen, ohne besonderen Schnick-Schnack. Dass dies auf voller Filmlänge funktioniert, liegt nicht zuletzt an Hugh Jackman. Dieser geht voll auf in seiner Rolle und man sieht ihm förmlich den Spaß an, als Wolverine durch die Szenen zu hatzen. Neben Jackman ist es aber auch Danny Huston, der einmal mehr beweist, dass er ein Brett in der zweiten Reihe einer Großproduktion ist. Ein bisschen mehr Tiefgang hätte X-Men Origins: Wolverine sicherlich gut getan, so bleibt aber ein Film, der über seine komplette Länge unterhält, ohne besonders lange in Erinnerung zu bleiben. (6/10)
Illuminati
Mit einem weltweiten Einspielergebnis von sagenhaften 758 Millionen Dollar erwies sich The Da Vinci Code vor drei Jahren als wahrer Besuchermagnet. Schon der Erfolg der zugrunde liegenden Bücher von Dan Brown zeigte, dass die Menschen fasziniert sind von den zwischen Wahrheit und Fiktion liegenden Geschichten um geheime Machenschaften des Vatikan, Brüderschaften und Weltverschwörungsszenarien. Klar, dass da ein Sequel vorprogrammiert war. Wieder einmal schickt Regisseur Ron Howard seinen Hauptdarsteller Tom Hanks nach Europa, um diesmal den Vatikan vor der größten Katastrophe seiner Geschichte zu bewahren. Nach dem Tod des Papstes drohen Unbekannte mit einem Anschlag, der den ganzen Kirchenstaat den Erdboden gleichmachen würde. Vier entführte Kardinäle sollen der Forderungen Nachdruck verleihen. Eine Spur führt die römische Polizei zu den Illuminaten – und damit zu Professor Langdon (Hanks), den renommiertesten Symbolforscher der Welt. Viel hatte Ron Howard falsch gemacht bei The Da Vinci Code. Der Spannungsbogen hat nicht funktioniert, viel zu lang und zäh und viel zu konstruiert wirkte der Film. Doch Howard hat anscheinend aus seinen Fehlern gelernt – zumindest zum Teil. Illuminati weiß von Anfang an, eine interessante Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer, auch den, der die Bücher nicht kennt, fesselt. Temporeich geht es voran, im Vergleich weniger dialoglastig und actionreicher. Dafür sorgen auch die Figuren der zweiten Reihe, die mit Ewan McGregor, Armin Mueller-Stahl oder Ayelet Zurer vortrefflich besetzt sind. Doch eines hat Howard auch bei Illuminati nicht aufgeben können, seinen Hang zum Prätentiösen, der die eine oder andere Szene gar ins Lächerliche abrutschen lässt. Auch Nikolaj Lie Kaas weiß als Bösewicht nicht wirklich zu gefallen und bleibt während des ganzen Films blass. Trotzdem ist Illuminati ein spannender und harter Film, der mit Abstrichen überzeugt. (6/10)
Crank 2
[…] Was mir Mark Neveldine und Brian Taylor […] vorsetzten gleicht einer öffentlichen Verbrennung der Kreativität. O.K., die meisten Sequels erzählen den ersten Teil noch einmal neu, und niemals war dies vor dem Erscheinen eines zweiten Teils so offensichtlich und auch erwünscht wie im Falle von Crank 2. Natürlich versuchen die meisten Fortsetzungen ihren Vorgänger zu überbieten, aber mir fällt beim besten Willen keine Fortsetzung eines Films ein, die schon auf den ersten Metern der Filmrolle dabei dermaßen verkackt wie eben Crank: High Voltage. Alle Zutaten, die Crank so lustig, kurzweilig, political incorrect und einfach nur sympathisch Gaga machten, werden von Neveldine und Taylor in einem nur noch als impertinent zu bezeichnenden Schwall von Einfalt über die Grenzen zur Peinlichkeit ins Land des Fremdschämcontents hinüber gespült. Mehr als noch mehr Wackelkamera, noch mehr Schnitte, noch abstrusere Einstellungen sind den beiden Regisseuren nicht zum Thema Steigerung eingefallen. Zynismus verkommt zum platten Eiertreterhumor. […]
Treffender als Blogger-Kollege tumulder (komplette Kritik) kann ich es nicht ausdrücken. Alles das, was den ersten Teil so groß machte, macht das Sequel falsch. Unlustig, unspektakulär, dumm und nervig. Es ist quasi eine göttliche Fügung und große Gerechtigkeit, dass der Film an den Kinokassen so unterging. Schade eigentlich. (2/10)
Fast & Furious
Zugegeben, von den ersten drei Teilen der Fast & Furious-Reihe halte ich rein gar nichts. Umso überraschter war ich von Fast & Furious – Neues Modell. Original Teile., der neben einem dämlichen Titel auch mit einer großen Portion kurzweiliger Spannung aufwartet. Weg vom HipHop-/ und Latino-Image, hin zum überdrehten, aber ernsten Filmspaß. Der vierte Teil ist sicherlich der erwachsenste Teil der Reihe, was seiner Qualität zu gute kommt. Schon die Eröffnungssequenz, in der Dominic (Vin Diesel) und sein Team auf spektakuläre Weise einen Tanklastzug klauen, weiß zu gefallen. Hier werden natürlich jegliche Konventionen der Physik missachtet, doch das Testosteron geschwängerte CGI-Gewitter ist genau das richtige für einen gepflegten Männerabend. Überraschenderweise verkommt Fast & Furious dabei nicht zu einer reinen Actionhatz, sondern wartet mit einer überraschend soliden Geschichte auf, die natürlich keinen Oscar verdient, dem ganzen Treiben aber eine gewisse Stringenz verleiht. Natürlich lebt der Film, neben den obligatorisch stark in Szene gesetzten Verfolgungsjagden vor allem von seinen beiden Hauptdarstellern, die seit Teil 1 zum ersten mal wieder richtig vereint sind. Vor allem Vin Diesel mit seinen Muskelbergen fügt sich bestens in die Welt von Fast & Furious, deren Männlichkeit wieder cartoonhaft bis ins Unermessliche ausgereizt wird. Das ist zwar manchmal peinlich, aber ungemein unterhaltend. Zum ersten mal. (6/10)
Drag Me To Hell
Sam Raimi ist zurück. Zum ersten Mal seit Army Of Darkness (1992) wagt sich der Kultregisseur zurück zu seinen Wurzeln in das Horrorfach. Und wie. Drag Me To Hell ist erschreckend, böse, lustig, unterhaltsam, spannend – zumindest in den ersten 60 Minuten. Danach flacht die Geschichte leider zunehmend ab, Leerlauf schleicht sich ein. Das ist schade, denn das Niveau der ersten Stunde ist den meisten aktuellen Horrorfilmen weit erhaben. Raimi zeigt sein ganzes Können, zeigt, dass auch heutzutage noch Horrorfilme produziert werden können, die nicht durch derbe Bilder, sondern durch perfekt platzierte Schockmomente punkten. Splatterszenen bedarf es in Drag Me To Hell nicht, um eine dichte und erschreckende Atmosphäre zu erzeugen. Raimi genügt eine einfache Geschichte um die aufstrebende Bänkerin Christine (Alison Lohman), die von einer alten Zigeunerin (Lorna Raver) verflucht wird. Ist dieses Grundsetting in den ersten zehn Minuten gelegt, beginnt die psychopathische Hatz. Ein genialer Score, schockierende Soundeffekte und die schön fotografierten Bilder treiben Christine durch die Szenen, stets verfolgt von undurchsichtigen Dämonen. Raimi spielt hier sein ganzes inszenatorisches Können aus, platziert überraschende Schreckmomente, die dem Zuschauer endlich mal wieder etwas abverlangen. Gespickt mit Filmzitaten und einem schön schwarzen Humor weiß Drag Me To Hell wirklich zu gefallen – bis dem Drehbuch nach einer Stunde die Ideen ausgehen. Bis zum großen Finale plätschert der Film auf einmal vor sich hin, lahm und zäh, so gar nicht gruselig. Hier wäre das Darstellerensemble, allen voran Alison Lohman gefragt, die Schwächen zu überspielen. Doch das gelingt auch ihnen leider nicht. Zu allem Überfluss ist der finale Endtwist total vorhersehbar und überrascht in keinster Weise mehr. Schade eigentlich, denn Drag Me To Hell hätte das Zeug zu einem kleinen aber feinen modernen Horrorklassiker gehabt. Trotzdem empfehlenswert. (6.5/10)
Ice Age 3
Vor meinem ersten 3D-Erlebnis hatte ich Angst. Würden Story und Witze zu Gunsten der digitalen Effekte noch weiter runtergeschraubt? Dann würde ja im Vergleich zum grausigen zweiten Teil nichts mehr übrig bleiben. Doch weit gefehlt, der dritte Teil der erfolgreichen Ice Age-Reihe hat gegenüber seinem Vorgänger wieder kräftig zugelegt. Zwar kommt der Film bei weitem nicht an den ersten Teil heran, doch inhaltlich wirkt Ice Age 3 um einiges strukturierter und witziger. Es ist eine heimeliche Ruhe eingekehrt in der Eiszeit. Während Mammut Manfred und seine Frau Elli ihr erstes gemeinsames Kind erwarten, wird auch Sid von Muttergefühlen überrumpelt. Drei gefundene Eier, aus denen bald muntere Dinos schlüpfen, halten das Faultier mächtig auf Trab. Der Ärger beginnt erst, als Mutter T-Rex Sid samt ihrer Kinder in eine verborgene Unterwelt verschleppt – eine Welt der Dinosaurier. Nun liegt es an Sids Freunden, ihn aus den Fängen des Sauriers zu retten. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger schafft es Ice Age 3 von Beginn an, eine taugliche Geschichte zu erzählen. Die Gag-Dichte ist wieder etwas höher, auch wenn die Genialität des Witzes des ersten Teils nicht annähernd erreicht wird. Sowieso, an die Genialität der Drehbücher von Pixar reicht das von Ice Age 3 in keiner Szene heran. Zu zahm ist das ganze, zu kurzweilig. Dafür muss sich Fox in Sachen Animationen nicht mehr vor Pixar verstecken. Die Figuren, die Umwelt, alles wurde aufpoliert, die Optik glänzt durch horrende Detailtreue und Schärfe. Auch die 3D-Technik weiß zu gefallen, bringt sie doch unzählige neue Möglichkeiten der Visualisierung mit sich. Die Figuren erfahren in Ice Age 3 eine konstante Weiterentwicklung. Vor allem aber das einäugige Wiesel Buck, neuer Freund der Bande, bringt neue Frische ins Geschehen. Die Entscheidung, das sonst im Vorspann angierende Säbelzahnhörnchen Scrat in den Hauptfilm mit einzubauen, erweist sich aber als grober Fehler. Es machen sich erste Abnutzungserscheinungen breit, irgendwann ist Scrat mit dem manischen Hinterherjagen der Eichel nicht mehr lustig. (5.5/10)
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