Frontier(s)

[DVD]-Review (Uncut)

Nach dem gnadenlosen schlechten Inside schickt sich nun Regisseur Xavier Gens an, mit seinem torture porn-Schocker Frontier(s) die diesjährige französische Horror-Ehre zu retten. Eins sei vorweg genommen: Frontier(s) erfindet zwar das Rad nicht neu und ist auch kein zweites Haute Tension, aber der perfekt durchgestylte Horror-Film hält das, was Inside versprach. Harte Splatter-Szenen, Schockmomente, die wie eine Faust direkt in die Magengrube des Zuschauers hauen und psychopathische Elemente.

Es gibt mal wieder Unruhen in den Banlieus von Paris. Vornehmlich junge Einwandererkinder lassen ihren Unmut über das Ergebnis der Präsidentschaftsvorwahlen in blutigen Straßenschlachten mit der Polizei aus. 5 Freunde nutzen die Gelegenheit und landen einen großen Coup. Mit ergaunerten 125.000 Euros flüchten sie vor der Polizei in das französische Grenzgebiet. Eine einsame Pension soll dabei ihr Treffpunkt sein. Dort lebt in totaler Abgeschiedenheit eine kannibalistische und inzestuöse Familie, deren Oberhaupt, ein alter deutscher Nationalsozialist, eine neue Super-Rasse züchten will. So kommt es dem degenerierten Pack ganz recht, dass Yasmine (Karina Testa), eine der Flüchtenden, schwanger ist. Sie soll eine weitere Blutlinie in die Rasse bringen. Aber auch mit den anderen Vorstadt-Gangstern hat die Familie ihren Spaß…

Frontier(s) war für Regisseur Xavier Gens die Eintrittskarte nach Hollywood. Die Studios waren so begeistert von seinem modernen Stil, dass er die Verantwortung für die Videospiel-Verfilmung Hitman übernehmen durfte. Dabei besticht sein Horror-Film vordergründig nicht durch Innovationen. Die Story liest sich wie ein Remake zu The Texas Chainsaw Massacre, dazu gibt es geschickte Anleihen aus Filmen der letzten Jahre. So erinnert eine Flucht-Szene durch ein Rohrsystem ganz klar an The Descent. Aus Eli Roths Hostel wurde eindeutig der familieneigene dicke Schlachter Hans von Flak übernommen. Trotzdem schafft es Gens durch seinen konsequenten Stil, dass Frontier(s) an keiner Stelle wie eine billige Kopie der genannten Werke wirkt. Gerade audiovisuell besticht der Film auf einem ganz hohen Niveau. Dreckige, aber auf Hochglanz polierte Bilder sorgen für eine dauernde quälende Atmosphäre. Durch schnelle Schnitte erzeugt Gens ein hohes Tempo, welches im gesamten Verlauf des Films gehalten wird. Der recht musikalisch ausgefallene Score unterstützt die harten Bilder auf eine ganz besondere Art und Weise und erzeugt ein viel höheres psychopathisches Potential, als es zum Beispiel die Synthesizer-Collagen in Inside vermochten.

Ein besonderes Augenmerk liegt natürlich auf den Splatter-Szenen. Da wo zum Beispiel Eli Roth in Hostel weggeblendet hat, hält Xavier Gens unverblümt mit der Kamera drauf. Frontier(s) ist wirklich nichts für Menschen mit schlechten Nerven. Hier werden Achillessehnen mit einer Zange durchschnitten, Köpfe zerschossen und Leute in Räucherkammern verbrannt. Gens serviert eine Schlachteplatte, die jeden gorehound befriedigt. Aber die Gewalt geht auch über das direkt Dargestellte hinaus. So werden die degenerierten Kinder der Inzester in tiefe Keller-Systeme eingesperrt, wo auch die gepökelten Opfer am Haken hängend auf einen baldigen Verzehr warten. Eine weitere schockierende Szene ist, als die gesamte Familie beim Essen sitzt und das Familienoberhaupt fein säuberlich Fleisch von einem menschlichen Bein auf den Tellern verteilt.

Den größten Schwachpunkt des Films bildet das Drehbuch. Dies steckt leider voller Logik-Fehlern und lässt den Zuschauer in so manchen Szenen ungewollt schmunzeln. So soll die schwangere Yasmine frisches Blut in die arische Linie bringen. Das wäre ja auch alles schön und gut, wenn Yasmine keine Südländerin wäre. Auch bekommt der Zuschauer leider zu viele Horror-Klischees serviert. Natürlich nehmen die Flüchtenden immer den schlechtesten Weg, zum Beispiel statt in den nahe liegenden Wald in den hauseigenen Keller-Schacht. Auch schaffen es die Bösen natürlich immer, den anderen jeglichen Fluchtweg abzuschneiden. Die Krönung sind dann die Nazis mit ihren schlechten Deutsch-Sätzen und Aussagen wie “Arbeit macht frei”.

Mein Fazit:

Frontier(s) ist ein Horror-Film, den sich nur härter gesottene Genre-Fans antun sollten. Der Gewalt-Faktor erreicht stets ein immens hohen Pegel und übersteigt selbst den von Filmen wie Hostel. Regisseur Xavier Gens setzt sein Drehbuch durch einen konsequenten Stil mit dreckigen Bildern und schnellen Schnitten um und kann dabei auch auf starke Darsteller bauen. Lediglich manche Logik-Fehler fallen negativ ins Gewicht. (7/10)

★★★★★★★☆☆☆