Kurzkritiken: Kinoschnelldurchlauf

kinospezial

Da ich in den letzten Wochen aus Zeitnot keine Reviews zu neuen Kinofilmen verfassen konnte, präsentierte ich hier einen Schnelldurchlauf, da ich schon ein paar Worte zu den jeweiligen Produktionen verlieren möchte. In Zukunft geht es dann wie gewohnt weiter mit ausführlicheren Kritiken zu den Kinostarts.

1968 Tunnel Rats

Die Vorfreude war groß auf den in mehreren großen internationalen Kritiken gelobten Vietnamfilm von Uwe Boll. Doch Tunnel Rats entpuppt sich auf Grund des de facto nicht vorhandenen Drehbuchs als heiße Luft. Boll wollte seinen Kriegsfilm so realistisch wie möglich gestalten und gab deshalb den durchweg  jungen und unerfahrenen Darstellern freie Hand bei der Improvisation der Dialoge. Ein Fehler, denn das Resultat  daraus schwankt stets an der Grenze zur Lächerlichkeit und will so gar keine Atmosphäre erzeugen. Unterbrochen werden die langatmigen Szenen durch Actioneinlagen mit einem enormen Gore-Faktor, die zumindest zeigen, in welche Richtung der Film hätte gehen können, wenn Boll in ein gutes Skript investiert hätte. Denn die Idee, einen Vietnamkriegsfilm in den geheimen Tunnelanlagen der Vietcong anzusiedeln, ist eigentlich richtig gut. Vielleicht klappt es ja mit einem Directors Cut, dann ist definitiv noch Potential nach oben in der Wertung. (4.5/10)

Anonyma

Regisseur Max Färberböck (Aimée & Jaguar) nimmt sich in Anonyma eines ganz wichtigen und bisher in der deutschen Öffentlichkeit totgeschwiegenen Themas an: die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch die einrückende Sowjetarmee im Jahre 1945. Basierend auf die Tagebücher einer anonymen Berlinerin skizziert er das Bild zweier Welten, die durch die schlimmste Katastrophe des 20. Jahrhunderts unfreiwillig aufeinanderprallen. Auf der einen Seite die deutschen Frauen, die nach dem Krieg auf sich alleine gestellt sind mit ihren ganzen Sorgen, Nöten und Ängsten. Auf der anderen Seite die Sowjets, fernab von ihrer Heimat, hineingetrieben in einen Krieg, der Recht und Unrecht vergessen macht. Dabei baut der Film ganz klar auf seine zwei Hauptdarsteller Nina Hoss und Yevgeni Sidikhin, die als Abbild beider Parteien aufeinanderprallen und sich mit der Zeit näher kommen. Sei es auf der einen Seite aus Liebe und auf der anderen aus der krampfhaften Suche nach Schutz. Intensiv wird der Film, der übrigens überraschend längere Kriegsszenen beinhaltet, schließlich dann in den Szenen der Vergewaltigungen. Und er lässt nicht los, bis weit nach der Vorstellung. Im nächsten Jahr gibt es auf dem ZDF eine Langfassung des Dramas zu sehen. Dann wird eine große Review folgen. (7/10)

Krabat

Ohne die Romanvorlage von Ottfried Preußler gelesen zu haben, war ich positiv überrascht von Marco Kreuzpaintners Adaption von Krabat. Mit einer für einen deutschen Film und einem Budget von knapp 11 Millionen Euro beachtlichen Postproduktionsleistung gelingt es Roland Emmerichs Protegé, eine geheimnisvolle Atmosphäre auf die Kinoleinwand zu zaubern. Die Geschichte des Krabat, der sich einer geheimnisvollen Organisation anschließt und nach und nach deren Geheimnisse ergründet, ist spannend und effektorisch umgesetzt. Lediglich der Cast weiß alles andere als zu gefallen. David Kross ist der Hauptrolle nicht ganz gewachsen, ihm gelingt es nicht, den Facettenreichtum seiner Figur auszuarbeiten. Blass bleibt auch Robert Stadlober, der mit seiner Rolle als Bösewicht nicht gegen sein Image anzukämpfen weiß. Im Gegensatz dazu überzeugen Daniel Brühl als Altgeselle Tonda und vor allem Christian Redl als Meister, der mit einem diabolischen Spiel die Zuschauer bis zum Schluss fesselt. (6.5/10)

The Strangers

Man nehme Michael Hanekes Funny Games, mische es mit krampfhaft überforderten Darstellern, dem Slogan “Inspired By True Events” und maskierten Meuchlern und fertig ist der Genre-Einheitsbrei, den man sich getrost sparen kann. Es ist eigentlich unfassbar, mit welcher Arroganz Regisseur Bryan Bertino meint, dieses Produkt dem Zuschauer präsentieren zu können. Im Mittelpunkt des Films steht ein junges Pärchen (Scott Speedman und Liv Tyler), welches nach einer durchzechten Nacht in ein abgelegenes Haus absteigt. Wie es der Zufall so will, schleichen die Übeltäter heimlich in das Haus und das Psycho-Horror-Spektakel kann beginnen – wenn nicht das unfassbar dämliche Drehbuch, der unfassbar schlechte Regisseur und die unfassbar schlecht aufgelegten Darstellern wären. Vor allem von Liv Tyler hätte man mehr erwarten können als penetrantes und hysterisches Rumgeschreie. Der einzige Horror ist hier jede weitere Minute, die bis zum Ende vergeht. (2/10)

Death Race

Paul W.S. Anderson hat wieder zugeschlagen. Diesmal legt er den Kultstreifen Death Race 2000 von 1975 mit Jason Statham neu auf. Und das Ergebnis präsentiert sich genau wie erwartet: den Zuschauer erwartet ein Testosteron geschwängerter Männerfilm mit Autos, Wummen und Boxenludern, äh, Navigationsfrauen. Nach einem Kollaps der Weltwirtschaft befinden sich die USA im Chaos. Abwechslung versprechen die Todesrennen in einem Gefängnis, die gegen eine satte Gebühr live im Internet übertragen werden. Deren Publikumsliebling Frankenstein liegt nach einem Unfall jedoch im Sterben und wird durch eine Intrige heimlich durch den ehemaligen Rennfahrer Jensen Ames (Statham) ersetzt. Der muss noch ein Todesrennen gewinnen, um seine Freiheit wiederzuerlangen. Die größte Überraschung an Death Race sind die gekonnt in Szene gesetzten Rennen, die knapp die Hälfte des gesamten Filmes ausmachen. Hier wird nicht nur mit Vollgas durch die Gegend gebrettert, sondern auch mit Napalm geworfen, mit Maschinengewehren geschossen und mit anderen Tricks gearbeitet. Das knallharte Kontrastprogramm zu Speed Racer also. Mit einem Cameo von David Carradine und dem geilsten Arsch der Filmgeschichte (Natalie Martinez). (6.5/10)

Vicky Cristina Barcelona

Einen meiner most wanted für 2008 packe ich in den Schnelldurchlauf. Warum? Weil Woody Allens neuster Film wider Erwarten doch nichts weiter ist als eine Altherrenphantasie, ein Jeder-mit-Jedem-Stück mit mediterranem Flair ist. Anstatt flotte Dialoge zu präsentieren, kreiert Allen eine Reihe uninteressanter, peinlicher, aufgesetzter, stereotyper und Klischee beladener Charaktere, die untereinander mehr oder weniger offen Beziehungen eingehen. Schade ist vor allen Dingen, dass auch die hochkarätigen Schauspieler um Scarlett Johansson, Penelopé Cruz und Javier Bardem rein gar nichts aus ihren substanzlosen Figuren herausholen können. Lediglich Rebecca Hall schlägt sich ganz wacker und empfiehlt sich für weitere Rollen. Das Genick bricht dem Film eigentlich schon der Einsatz eines Off-Erzählers, der ohne Witz und Ironie nicht nur Banalitäten von sich gibt, sondern auch das Gefühlsleben der jeweiligen Figuren in einem Satz zusammenfasst, so dass Allen sich fataler Weise ganz auf die Oberflächlichkeiten konzentriert, fernab jeglicher tieferer Charakterzeichnung, die den Zuschauern die Figuren vielleicht ansatzweise hätte näher bringen können. Und auch wenn Vicky Cristina Barcelona schön fotografiert und mit einem stimmigen Soundtrack unterlegt ist – der Film frönt nur Allens Sexismus. Schade. (3.5/10)

Golden Globes 2009: Die Nominierten

Die diesjährige Award-Saison wurde heute mit der Bekanntgabe der Nominierungen für die “Golden Globes” eingeleutet. Mit jeweils fünf Nennungen gehen David Fichers The Curious Case Of Benjamin Button, Frost/Nixon und Doubt ins Rennen. Vier Nominierungen erhielten das Drama Revolutionary Road, Der Vorleser, Slumdog Millionaire und Vicky Cristina Barcelona. Christopher Nolans diesjähriger Kassenschlager The Dark Knight wurde außer bei der Nebendarstellerkategorie (Heath Ledger) überraschend völlig übergangen. Eine weitere Überraschung sind die Nominierungen von Robert Downey Jr. und Tom Cruise für ihre Rollen in Ben Stillers Tropic Thunder. Klar, Downey Jr. war in der Rolle des afroamerikanischen Superstars Kirk Lazarus kongenial – aber Cruise? Gab es mit Josh Brolin (Milk) oder Ralph Fiennes (Der Vorleser) keine besseren Alternativen? Aus deutscher Sicht ist die Nominierung für Der Baader Meinhof Komplex als bester nichtenglischsprachiger Film besonders erfreulich. Eine komplette Liste mit den Nominierten gibt es bei Ropeofsilicon.

P.S.: In letzter Zeit war aus Zeitgründen (2 Klausuren) tote Hose auf diesem Blog. Ab nächster Woche gibt es wie gewohnt wieder frische Reviews (unter anderem von Tunnel Rats, The Strangers, Vicky Cristina Barcelona, Factory Girl, Bangkok Dangerous, Anonyma & Krabat) und News.

Vicky Christina Barcelona: Neuer Trailer

…und zwar in HD (480p/720p/1080p)! Nachdem Cannes schon in Jubelstürme ausbrach, als Woody Allen seinen neuen Film mit Scarlett Johansson, Javier Bardem, Penelopé Cruz & Rebecca Hall präsentierte, war klar, dass Vicky Christina Barcelona ein richtig starker Film ist. Der Trailer bestätigt das. Da kommt eine Perle auf uns zu.

Vicky Christina Barcelona: Cannes Jubelt

Anders als der neue Indiana Jones, der sehr verhalten bei seiner Erstaufführung in Cannes aufgenommen wurde, entpuppte sich Woody Allens neuster Streich Vicky Christina Barcelona als wahrer Publikumsliebling. 15 Minuten gaben die Zuschauer standing ovations für den Film mit Javier Bardem, Penelopé Cruz & Scarlett Johansson. Die anschließende Pressekonferenz war bis auf den letzten Platz gefüllt – Anzeichen für einen wirklich starken Film. Auch die ersten Kritiken, wunderbar zusammengefasst von Movie-Infos, fallen durchweg positiv aus:

“Vicky Christina Barcelona” ist sexy; ein unterhaltsamer Zeitvertreib, der ebenso genussreich ist wie ein verbummelter Nachmittag in der spanischen Stadt Barcelona. Mit Javier Barden als bohemienhafter Künstler, der sich wahlweise mit Scarlett Johansson, Penelope Cruz und Rebecca Hall einlässt, bietet der Film starke romantische wie großartige Elemente für Männer wie für Frauen – und eine Besetzung, die Woody Allen zu dem größten kommerziellen Erfolg seit “Match Point” führen wird.
Variety

Mit einem ungeheuren Schub an Vitalität und Charisma der beiden spanischen Superstars Javier Bardem und Penelope Cruz ist diese strahlende, romantische Komödie der größte Publikumsliebling des Jahres … Hall ist exzellent als nüchterne Vicky, die von keinerlei Sehnsucht gefangen ist, Johansson kommt als abenteuersuchende Cristina wunderbar zur Geltung, Bardem und Cruz entwickeln ein wahres Feuerwerk an Komik, man sieht ihnen an, wie viel Spaß sie hatten.
Screen International

Es gibt ein nicht ganz unvorhersehbares Durcheinander in den Herzen und Betten, aber Allen verwebt alle sämtliche Klischees, die die Konstellation hergibt, so leicht und sicher miteinander, dass man jeden Augenblick spürt, wie viel Spaß er dabei hatte.
Faz.net

Allein die Besetzung ist schauspielerisch wie optisch ein wahres Feuerwerk – Javier Bardem, Penélope Cruz und Scarlett Johansson sind an gebündelter erotischer Ausstrahlung kaum zu überbieten.
Kurier

Allens Film ist eine frisch und sexy erzählte Liebeskomödie vor dem Hintergrund der Kunst und Kultur von Barcelona.
n-tv

Erste Bilder zu Vicky Christina Barcelona

Woody Allens neustes Werk, “Vicky Christina Barcelona”, geriet schon früh durch die Bekanntgabe einer Liebesszene zwischen den Hauptdarstellerinnen Scarlett Johansson und Penelopé Cruz in die Schlagzeilen. Doch auch der Name Javier Bardem im Cast steigert die Vorfreude auf den Streifen. Heute erschienen die ersten 2 Szenenbilder, zwar ohne Frau Johansson, aber dafür mit sexy Penelopé Cruz :razz:

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No Country For Old Men

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“No Country For Old Men” ist es also, der beste Film des Jahres 2008. Mit 4 Oscars wurde der Thriller in diesem Jahr ausgezeichnet. Dabei konnte er sich gegen das im Vorfeld schon als neues “Citizen Kane” verschriene “There Will Be Blood” in allen wichtigen Kategorien durchsetzen. Neben der wichtigsten Kategorie als “Bester Film” gewannen die Coen-Brüder jeweils einen Oscar für ihre Regie-Arbeit und ihr adaptiertes Drehbuch. Außerdem wurde Javier Bardem für seine Vorstellung als knallharter Killer Anton Chigurh ausgezeichnet.

Joel und Ethan Coen kehren mit “No Country For Old Men” zurück in das Metier, in dem sie in den Jahren 1984 bis 2003 bei Kritikern und Fans gleichermaßen für Furore sorgten. Mit Filmen wie “Blood Simple”, “Millers Crossing” oder “Fargo” schufen sie sich weltweit den Ruf, staubtrockene Gewalt mit einer großen Portion schwarzem Humor zu mischen. Dabei entstanden zeitlose Klassiker der Filmgeschichte. Umso ärgerlicher war der nicht gerade ruhmreiche Ausflug der Brüder in das Komödienfach.

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And the winner is … No Country For Old Men

Gestern Nacht wurden in Los Angeles zum 80. Mal die Oscars verliehen. Als die größten Favoriten gingen dabei mit jeweils 8 Nominierungen die Filme “There Will Be Blood” und “No Country For Old Men” ins Rennen. Letzterer ist mit 4 Oscar-Auszeichnungen der Gewinner des Abends. Neben dem Oscar für den besten Film des Jahres gewannen Joel & Ethan Coen den Preis als beste Regisseure und für ihr Drehbuch. Javier Bardem wurde für seine Rolle als Killer als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. “There Will Be Blood” strich überraschend nur 2 Oscars ein, für den besten Hauptdarsteller (Daniel Day-Lewis) und die beste Kamera.

Bei den Frauen gewann die Französin Marion Cotillard den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle als Edith Piaf in “La Vie En Rose”. Das war nach der Auszeichnung für das beste Make-Up der zweite Oscar für die Biografie der Chanteuse. Dabei mauserte sich Cotillard duch ihre sympathische Art zum heimlichen Star des Abend. Ich jedenfalls habe mich sofort in die Französin verliebt . Die Britin Tilda Swinton wurde für ihrer Rolle in “Michael Clayton” als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

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