Up In The Air

Kurzkritik

Die Wirtschaftskrise hat endgültig Hollywood erreicht. Nicht nur monetär, sondern auch inhaltlich. Denn Ryan Bingham (George Clooney) arbeitet für eine Firma in Omaha, die im Auftrag von Managern deren Angestellte feuert – quer durch Amerika. Gerade in diesen Zeiten ein lukrativer Job. Bingham ist ein Vorzeigebeispiel eines typisch modernen Beschäftigten, mobil, selbstbewusst, eiskalt. Er liebt seinen Job, den er sich mit Zynismus erträglicher zu gestalten versucht. Bingham ist kein Familienmensch, ist Single, mit seinem Beruf verheiratet. Dementsprechend setzt er sich andere Ziele im Leben als Frau und Kinder: er will als erst siebter Mensch überhaupt die magische Zehn-Millionen-Meilen-Grenze überschreiten. Umso mehr gerät sein Leben ins Wanken, als die junge Studienabgängerin Natalie (Anna Kendrick) zusammen mit seinem Chef (Jason Bateman) das Firmenkonzept revolutionieren will: keine persönlichen Entlassungen mehr, sondern Entlassungen per Videochat übers Internet. Bingham kann seinen Chef überzeugen, die unerfahrene Anna erst einmal auf ein paar Touren mitzunehmen. Denn mit der firmlichen Strukturänderung würde Bingham so ziemlich alles verlieren, was sein Leben ausmacht.

Es ist schwierig, Up In The Air einem bestimmten Genre zuzuordnen. Jason Reitmans Film ist manchmal ein feinfühliges Drama, manchmal eine scharfzüngige Komödie, mal charmant, doch in der nächsten Szene schon wieder voller Zynismus. Er ist von der ersten Sekunde an voller Abwechslungsreichtum und voller Ideen und möchte von vornherein in keine Schublade gesteckt werden. Reitman und sein Co-Autor Sheldon Turner legen mit der Adaption von Walter Kirns Roman “Der Vielflieger” eines der besten Drehbücher der letzten Jahre vor, mit einer Präzision und Bissigkeit, wie es nur wenige Filme in den letzten Jahren hatten. Sie schaffen mit Leichtigkeit den Spagat zwischen den Genres, aber auch den Spagat zwischen Unterhaltung und Anspruch. Die klugen Dialoge sind wie geschaffen für George Clooney, der mit einer schwebenden Leichtigkeit Ryan Bingham mimt und zurecht einer der großen Anwärter auf den Hauptdarstelleroscar ist. Nur Clooney schafft es wohl, seine Figur trotz deren Berufes derart charmant herüberzubringen und dem Zuschauern nicht zu missfallen. Dies, die Sympathie des Zuschauers gegenüber Bingham, ist eine tragende Stütze des Films, um dessen subtile Zerrissenheit und heimliche Suche nach einem normaleren Leben zu demonstrieren. Neben Clooney glänzen in dem bis in die kleinste Nebenrolle stark besetzten Film vor allem Anna Kendrick und Vera Farmiga, in deren Figur Alex Bingham im Verlauf der Geschichte eine Seelenverwandte zu finden scheint. Es wäre zu wünschen, dass Up In The Air bei den Oscars mit dem ein oder anderen Preis ausgezeichnet werden würde, was bei der Übermacht von The Hurt Locker und Avatar aber schwierig werden sollte. Reitman hat zumindest eines gezeigt – er ist als Autor und als Regisseur endlich an der Spitze Hollywoods angekommen. Mit einem der besten Filme des Jahres. (9.5/10)

★★★★★★★★★½

Hancock

[Kino]-Review
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Er ist der Superstar unserer Zeit. Er ist erfolgreich, witzig, charmant und irgendwie jedem sympathisch. Er kann sogar schauspielern. Seine Filme haben alleine in den USA mehr als 2,5 Milliarden Dollar eingespielt. Seine letzten 5 Filme haben weltweit die 300 Millionen Dollar-Grenze geknackt. Dieser Mann ist nur in Superlativen zu beschreiben. Grund genug, dass Will Smith in Hancock endlich einen Superhelden mimen darf – ganz nach eigenen Vorstellungen.

John Hanckock (Will Smith) ist ein Superheld. Er hat nur ein Problem: alle Menschen hassen ihn. Warum? Er ist obdachlos, Alkoholiker, runtergekommen, dazu wenig freundlich zu seinen Mitmenschen und verantwortlich für Sachschäden in Millionenhöhe. Glück für ihn, dass er den PR-Manager Ray Embrey (Jason Bateman) vor dessen sicheren Tod bewahrt und dieser sich in Form einer kostenlosen Beratung revanchieren will. Hancock lässt sich auf Embrey ein, zum Ärger von dessen Frau Mary (Charlize Theron). Der Plan für eine Aufbesserung von Hancocks Image ist einfach: er soll eine geforderte Haftstrafe antreten. Während er im Knast sitzt, wird die Kriminalitätsrate steigen und die Bürger werden um Hancocks Entlassung flehen. Genau so kommt es dann auch – und die neue Situation bringt so einige Überraschungen mit sich…

Ein gehasster und abgefuckter Superheld? Die Grundidee des Films ist wirklich interessant und originell. Dazu kommt ein Riesenaufgebot an Stars, das kaum zu überbieten ist. Auf dem Regiestuhl sitzt Peter Berg, der im letzten Jahr mit Operation:Kingdom gezeigt hat, dass er Filme drehen kann. Als Produzenten fungieren unter anderem Michael Mann, seines Zeichens Regisseur von so großartigen Filmen wie Heat oder Collateral sowie Jonathan Mostow (Terminator 3). Neben Will Smith konnten mit Charlize Theron und Jason Bateman 2 weitere Stars  für den Cast verpflichtet werden. Viel kann da nicht schiefgehen, oder?

So fängt der Film auch an und schlägt ein wie eine Bombe.  Action, Witz und coole Sprüche – der Zuschauer bekommt genau das, was der Trailer versprach. Man merkt, dass Smith die Rolle auf den Leib geschustert wurde. Wer kann diesen Typen so lässig, so cool darstellen wie er? Genau, niemand. Deshalb ist er Will Smith, der godfather of hollywood. Der Höhepunkt des Films wird dann erreicht, als Hancock im Gefängnis aufräumt – und so manchen Kopf in andere Ärsche verschwinden lässt. Danach verliert die Story und damit auch der ganze Film an Fahrt und versinkt schließlich in einem hoch peinlichen Endtwist. Plötzlich entsteht der Eindruck, einen ganz anderen Film zu sehen. Weg ist der abgefuckte Hancock, der auf alles und jeden scheißt. Jetzt hat Hancock auf einmal Gefühle, wirkt zutiefst menschlich und verletzlich. Weg ist der vor Optimismus und Ehrgeiz sprühende Ray Embrey. Jetzt sieht man nur noch ein naives Stückchen Elend. Weg ist die toughe, hocherotische Allerweltsfrau Mary. Jetzt ist sie zwar immer noch hocherotisch, aber auf einmal so etwas wie der Antagonist? Nein, der Bruch in der Mitte des Films ist ärgerlich. Vielmehr hätte man die Figur des Hancock konsequenter weiterführen müssen und einen wirklichen – wie im Genre üblich – Gegenspieler auflaufen lassen müssen.

Was bleibt ist die Erkenntnis, zumindest einen halben guten Film gesehen zu haben. Aber gerade deshalb sitzt der Ärger über die verkorkste zweite Hälfte tief. Wo um Himmels Willen holt man auf einmal diese Schmalspur-Dramatik her? Mit der peinlichen Auflösung des Rätsels um Hancock fällt der Film als Kartenhaus zusammen, da ihm mit seinem Protagonisten der wichtigste Eckpfeiler genommen wurde. Smith wird es kaum stören, denn sein Geld hat er an dem Film verdient. Wie aber eine Charlize Theron bei diesem Skript zusagen konnte? Es kann nur das liebe Geld sein, denn ihre Figur ist maßgeblich beteiligt am Abfall der zweiten Hälfte. Da kann die sichtlich genervte und unterforderte Theron auch nichts dran ändern. Lediglich Bateman, der schon in Juno glänzte, dürfte nach diesem Film als Sieger vom Platz gehen, da er seine Stellung in Hollywood durch gute Leistungen immer mehr untermauert.

Mein Fazit:

Was hätte Hancock für ein Film werden können. Ein etwas anderer Superheldenfilm, den wir in Zeiten fast eintöniger Marvel-Vorherrschaft so dringend gebraucht hätten. Am Ende ist es aber das Drehbuch, welches den hohen Anforderungen nicht gerecht werden kann. Was am Anfang alles richtig gemacht wurde, wurde in der zweiten Hälfte des Films komplett falsch gemacht. Bleibt zu hoffen, dass bei einer etwaigen Fortsetzung, die man wohl in Erwägung zieht, aus seinen Fehlern lernt. Nur wegen der starken ersten Hälfte: (6/10)

★★★★★★☆☆☆☆

BLOGSPIEGEL

Equilibrium: 5/10

Symparanekronemoi: 6/10

MoviezKult: 6/10

Durchschnittwertung: 5,7/10

Juno

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Was ist das für ein Film, der bei einem geschätzten Budget von nur 6 Millionen Dollar bis zum heutigen Tag schon 200 Millionen Dollar eingespielt hat? Was ist das für ein Film, der gleich 4 Oscar-Nominierungen einstreichen konnte, darunter in den wichtigen Kategorien “Bester Film”, “Beste Hauptdarstellerin” (Ellen Page) und “Beste Regie” (Jason Reitman)? Was ist das für ein Film, dessen Drehbuch, geschrieben von einer Angestellten bei einer Sex-Hotline, den Oscar gewann? Was ist das für ein Film, der bei amerikanischen Teenies kleine Massenhysterien auslöste und gleichzeitig so gut wie alle Kritiker begeisterte? Die Antwort darauf ist einfach: Juno. Endlich können auch wir Deutschen (mit der typischen Verspätung, aber die Verleiher müssen ja den Oscar-Hype mitnehmen) uns ein Bild von diesem Film machen.

Die Story von Juno ist eigentlich recht banal und schnell erzählt. Nach einem One-Night-Stand mit ihrem Schulfreund Paulie Bleeker (Michael Cera) ist die 16-jährige Juno MacGuff (Ellen Page) zu ihrem Entsetzen schwanger. Ihre beste Freundin Leah (Olivia Thirlby) ist ihr in dieser Situation auch keine große Hilfe und so entschließt sie sich, ihr Kind abzutreiben. Doch im letzten Moment, als sie erfährt, dass der Fötus in ihrem Bauch schon Fingernägel ausgebildet hat, nimmt sie Abstand davon. Schnell wächst in der 16-Jährigen die Idee, dass Kind auszutragen und zur Adoption freizugeben. Die perfekten Adoptiv-Eltern sind schnell gefunden. In einer Kontaktanzeige sucht das junge und erfolgreiche Päärchen Vanessa (Jennifer Garner) & Mark (Jason Bateman) ein Kind. Dieses Problem hätte Juno also gelöst, bleibt nur das Geständnis ihrer Schwangerschaft bei ihrem Vater und ihrer Stief-Mutter…

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