Sieben

Kurzkritik

I’ve been trying to figure something in my head, and maybe you can help me out, yeah? When a person is insane, as you clearly are, do you know that you’re insane? Maybe you’re just sitting around, reading “Guns and Ammo”, masturbating in your own feces, do you just stop and go, “Wow! It is amazing how fucking crazy I really am!”? Yeah. Do you guys do that?

Nach etlichen Werbefilmen und Musikvideos drehte David Fincher 1993 den dritten Teil der Alien-Saga, der Kritiker und Fans gleichermaßen enttäuschte und nach zwei grandiosen Teilen das Ende der Reihe einläutete. Fincher jedoch ließ sich nicht beirren und lieferte zwei Jahre später mit seinem Thriller Sieben ein Lehrstück der Filmkunst der 90er-Jahre ab, das inhaltlich und inszenatorisch neue Wege eröffnete und eine unverkennbare und einzigartige Handschrift des Regisseurs aufzeigte, die er mit seinen folgenden Filmen The Game, Fight Club & Zodiac manifestierte und die ihn neben Kollegen wie Quentin Tarantino oder Tim Burton in den Olymp der modernen Filmemacher katapultierte. Auf Grundlage des brillanten Skripts von Andrew Kevin Walker (Sleepy Hollow), welches nicht nur eine spannende Geschichte erzählt, sondern auch intelligente und ausgefeilte Dialoge zu bieten hat, drehte Fincher einen Film, der handwerklich eine perfekte Symbiose mit der Geschichte eingeht. Seine düsteren, trockenen und teils schockierenden Bilder passen erstklassig zu dem pessimistischen Grundtenor, machen in ihrer Wirkung auf den Zuschauer die Essenz des Films erst greifbar und deutlich.

Neben Finchers Regiearbeit sind es aber auch die Schauspieler, die maßgeblich zum Erfolg des Films beitragen. Morgan Freeman liefert als Detective Summerset, einer der zwei Hauptermittler, eine grandiose Leistung ab. Summerset steht kurz vor seinem Ruhestand, als die geheimnisvollen Morde im Zeichen der sieben Todsünden geschehen. Er hat schon viel mitgemacht in seiner langen Laufbahn, ist daran gewachsen, aber vom Leben gezeichnet. An seiner Seite steht sein potentieller Nachfolger, der junge Cop Detective Mills (Brad Pitt). Mills steht der Welt wesentlich optimistischer gegenüber, obgleich er sich nach seinem Umzug noch an den Großstadt-Trott gewöhnen muss. Pitt und Freeman verkörpern zwei vordergründig von Grundauf verschiedene Charaktere, die sich aber perfekt ergänzen und im Verlauf des Films zusammenwachsen. Ihre zum Teil unkonventionellen Methoden führen sie schnell zu dem mysteriösen John Doe, der die Fäden des perfiden Spiels in der Hand hat. Der geisteskranke Killer will der verkommenen und kaputten Gesellschaft mit seinen Taten den Spiegel vorhalten, plant sie akribisch genau, damit sie die Menschen wie ein harter Schlag “mit einem Hammer” ins Mark treffen. Das großartige und überraschend kompromisslose Ende ist dabei der fast logische Höhepunkt der stetig exponierenden Handlung. Der einzige Kritikpunkt ist die Figur der Tracy Mills (Gwyneth Paltrow). Diese ist, im Gegensatz zu allen anderen Charakteren im Film, viel zu dünn gezeichnet und vergleichsweise ungereift gespielt. Das ist sehr schade, denn Potential wäre eigentlich vorhanden gewesen, auch im Hinblick auf die Wichtigkeit der Figur. (9.5/10)

★★★★★★★★★½