London To Brighton
Kurzkritik

Einer heiklen Problematik widmet sich der britische Autor und Regisseur Paul Andrew Williams bei seinem Langspielfilmdebüt London To Brighton. In den Mittelpunkt der Geschichte stellt er die elfjährige Ausreißerin Joanne (Georgia Groome), die über die Prostituierte Kelly (Lorraine Stanley) zu einem Job bei dem Unterweltboss Duncan Allen (Alexander Morton) kommt, der stets auf der Suche nach Minderjährigen für perverse Sexspiele ist. Die Lage eskaliert, als Duncan sich mit einem Messer bewaffnet an der gefesselten Joanne zu schaffen machen will. Kelly schreitet in letzter Sekunde ein und ersticht den Freier. Gemeinsam flüchten Joanne und Kelly aus London nach Brighton, wo sie Schutz vor dem Zuhälter Derek (Johnny Harris) suchen. Der wiederum setzt auf Drängen von Duncans Sohn Stuart (Sam Spurell) alles daran, die zwei Entflohenen schnellstmöglich zu finden…
Paul Andrew Williams hätte sich bei diesem Thema leicht die Finger verbrennen können. Ihm gelingt es aber, mit Hilfe durchdachter und nachvollziehbar agierender Charaktere, einem starken und spannungsgeladenen narrativen Aufbau, einer atmosphärischen Kinematografie und nicht zuletzt überragend agierender Schauspieler, die zentralen Motive wie Prostitution, Kindsmissbrauch und Drogenkonsum geschickt in eine hochdramatische Geschichte zu verpacken und mit interessanten Komponenten wie einer ungewöhnlichen Mutter-Tochter-Beziehung zu vereinen. Den filmischen Höhepunkt erreicht der Film in den Szenen in Duncans Haus. Williams zerrt an den Nerven der Zuschauer, in dem er ihre Erwartungshaltung bis ins unermessliche steigert. Untermalt von Beethovens „Mondscheinsonate“, zeigt er Joannes Fastvergewaltigung nur durch einen Türspalt, durch den in keinster Weise das schreiende Mädchen, sondern nur der mit einem Messer fuchtelnde Freier zu sehen ist. In diesem Moment, der an emotionaler Ausdruckskraft kaum zu überbieten ist, weiß der Zuschauer nicht, was mit dem Mädchen überhaupt passiert ist. Hier fühlt man sich an die Surrealität der „Somewhere Over The Rainbow“-Szene aus Face/Off – Im Körper Des Feindes erinnert. Der Endtwist schließlich ist so unerwartet wie stimmig und das Schlussbild derart konsequent und erschütternd, dass der Zuschauer die letzten 85 Minuten erstmal langsam rekapitulieren muss und sich auf den nächsten Film dieses Regietalentes freut. (7/10)










Die DVD von London To Brighton ist ab dem 11. Dezember erhältlich.
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