An Education

Kurzkritik

Jenny Miller (Carey Mulligan) hat ein großes Ziel. Die 16-jährige, hochintelligente Schülerin will nach Oxford, erreichen, was ihrer Familie bisher vergönnt war. Angetrieben von ihrem dominanten Vater (Alfred Molina) schreibt Jenny in ihrer Schule Bestnoten und gilt als aussichtsreichste Kandidatin für einen Platz an der Eliteuniversität. Als sie eines Tages jedoch den charmanten Freigeist David (Peter Sarsgaard) kennenlernt, ändert sich ihr Leben schlagartig. Aus der eifrigen Ja-Sagerin wird ein aufmüpfiger Teenager, der das Leben genießen und nicht mit Lernerei verschwenden will. Doch in ihrer Rebellion sieht sie nicht, wohin ihr Weg schließlich  führen wird. An Education ist ein feinfühliges coming of age-Drama aus der Feder des britischen Starautoren Nick Hornby. Gespickt mit liebevoll gezeichneten Figuren präsentiert die dänische Regisseurin Lone Scherfig einen Film, der vor allem durch sein stark aufspielendes Schauspielensemble zu begeistern weiß. Carey Mulligan als Zentrum des Films trägt diesen mit einer wunderschönen Leichtigkeit, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte spinnt. Ob als sich unterordnende Einserschülerin oder rebellierender Teenager, Mulligan sorgt stets dafür, dass das Handeln ihrer Jenny als logische Konsequenz ihrer Umwelt erscheint und so die Sympathie nie in Antipathie umschlägt. Sie spielt eine sehr ambivalente Figur, stets auf der Gradwanderung zwischen erwachsenem Weitblick und kindlicher Naivität. Und diese zwei Seiten ihrer Figur kann sie in An Education voll ausspielen. Mit der Liebe für französische Musik und Filme der nouvelle vague stößt sie vor allem bei ihrem strengen Vater auf strikte Gegenwehr. Ihre Zeit soll sie nicht mit Kunst vergeuden, schon gar nicht mit französischer. Er drängt seine Tochter zu Höchstleistungen in der Schule, da er in einem Studium in Oxford den einzigen Weg für sie erkennt, aus der proletarischen Mittelschicht auszubrechen. Jenny ordnet sich dem unter, nicht nur, weil sie nicht anders kann, sondern auch weil sie erkennt, dass ihr Vater letztendlich Recht hat. Sie hat einen Weg für sich gefunden, die Strenge ihres Elternhauses, den Leistungsdruck und ihre Vorliebe für alles Französische unter einen Hut zu bekommen. Als sie aber den geheimnisvollen David kennenlernt, entzieht sie sich immer mehr dem Bann ihrer Eltern. Hier zeigt sich endgültig, dass in Jenny trotz ihrer erwachsenen Schale immer noch ein Kind schlummert, das geführt werden will, das sich den Fängen eines Stärkeren nicht entgegenwehren kann. Und so führt die David ein in eine Welt voller Partys, voller Konzerte und durchgezechten Nächten in Clubs. Der Charmeur verzaubert sie, entführt sie in eine neue Welt, die für Jenny immer ein Traum war. Sie realisiert für sich, dass das ganze Lernen in der Schule nur vergeudete Zeit ist, dass das Leben da draußen spielt in den Theatern Londons, in den Bars und in den Gassen. Peter Sarsgaards Leistung in dem Film ist, seiner Figur durch die Verschlossenheit, die er ihr gibt, durch das Geheimnisvolle und Doppeldeutige, einen starken Gegenpol zu Carey Mulligan zu schaffen. Es ist die knisternde Spannung zwischen den beiden gegensätzlichen Figuren, aus der die Geschichte eine enorme Kraft zieht, der schier endlose Wechsel zwischen Harmonie und Disharmonie. Doch auch neben den beiden Hauptdarstellern spinnt das Drehbuch ein Netz aus unterschiedlichen Figuren, die alle ihre Funktion in ihrer Wirkung auf Jenny erfüllen. Ihr strenger Vater, der ihre Zügel in der ersten Hälfte des Films in der Hand hält, stark gespielt von Alfred Molina, Davids Freund Danny, der als eine Art Zwischenstück zwischen Jenny und David geschrieben ist, mit einer großen Note Arroganz gespielt von Dominic Cooper und Dannys Freundin Helen, gespielt von Rosamund Pike, die zwar intellektuell nicht mit ihrem Umfeld mithalten kann, aber Jenny einen gewissen Halt gibt – es ist die Vielseitigkeit der Charaktere, die einen herausragenden Anteil an der Geschichte hat. Das Ende inszeniert Scherfig letztlich konsequent, obschon sich der eine oder andere Zuschauer da vielleicht mehr Mut bei Hornby und der Regisseurin gewünscht hätte. An Education ist eine wunderschöne Romanze und ein mit liebevoll gezeichneten Figuren bestücktes coming of age-Drama, das von Regisseurin Scherfig mit tollen Bildern in Szene gesetzt wurde. An Education ist aber auch eines – Schauspielkino par excellence mit einer Hauptdarstellerin, die sich mit dieser Rolle einen festen Platz in Hollywood erarbeitet haben dürfte. (8/10)

★★★★★★★★☆☆

Die Herzogin

Kurzkritik

duchess

Mit Die Herzogin beweist Keira Knightley einmal mehr ihr Gespür für historische Stoffe und schöne Kostüme. Wie auch schon in Stolz und Vorurteil und Abbitte geht die hübsche Britin in ihrer Rolle voll und ganz auf und untermauert ihren Stand in Hollywood. Die Vielschichtigkeit ihrer Figur, der Herzogin von Devonshire, transformiert sie mit sichtlicher Freude auf das Zelluloid, ob charmant und charismatisch in politischer Gesellschaft oder zerbrechlich im eigenen Hause. Ihr Mann, der eisige Herzog von Devonshire, ein Schürzenjäger und Widerling, erwartet von ihr nichts weiter als einen männlichen Erben. Als sie ihm drei Mädchen in Folge gebärt, wendet er sich gänzlich von seiner Frau ab und flüchtet sich in eine offene Affäre mit ihrer besten Freundin. Neben Knightley ist es vor allem Ralph Fiennes als unsympathischer Bösewicht, der dem Film seinen Stempel aufdrückt. Mit einem Augenzwinkern spielt er den egoistischen Herzog, dem selbst seine Hunde mehr bedeuten als seine Frau. Aus seiner Figur zieht der Film alle Register und peppt das doch eher gediegene Spektakel mit viel Wortwitz und schwarzem Humor gehörig auf. Denn eines muss dem Zuschauer von vornherein klar sein: Die Herzogin ist kein knalliger Popcorn-Film á la Marie Antoinette, sondern besinnt sich mehr auf die prachtvollen Kostüme, authentische Kulissen und eine konservative Inszenierung. Regisseur Saul Dibb macht keine großen Experimente, sondern greift zurück auf das altbewährte Prinzip des Historenschinkens. Dadurch verliert der Film sicherlich ein wenig an Reiz, denn gerade aus der Stellung der Protagonisten als Star und Modeikone hätte man mit einer bissigeren Inszenierung viel mehr herausholen können. Doch schlecht ist er deshalb nicht. Wer auf prunkvolle Kostümfilme steht, kommt mit Die Herzogin voll auf seine Kosten. Solide inszeniert, bietet der Film neben der optischen Komponente einen passenden Soundtrack und ein Darstellerensemble, das mit sichtlichem Spaß agiert und den Zuschauer so zwei Stunden lang in eine andere Welt entführt. Und wenn Keira Knightley jetzt noch ein paar Kilos zunimmt, ist sowieso alles in Butter. (6.5/10)

★★★★★★½☆☆☆