Elegy
[Kino]-Review

Elegy war einer der am meisten erwarteten Filme der diesjährigen Berlinale. Dies lag nicht etwa am Cast oder an der Crew, sondern an der Tatsache, dass sich Hauptdarstellerin Penelopé Cruz in dem Drama sehr offen und freizügig gibt. Die Verfilmung des Romans von Philip Roth (Der Menschliche Makel) hat aber eindeutig mehr zu bieten als die optischen Reize der attraktiven Spanierin. Vielmehr handelt es sich hier um ein leises Kammerspiel auf das Altern und Reifen, auf die Liebe und auf die Suche nach Bestätigung.
David Kepesh (Ben Kingsley) ist ein in die Jahre gekommener Literaturprofessor aus New York City. Seine Freizeit vertreibt sich der Geschiedene mit Kritiken fürs Radio und Liebschaften. Für ihn ist es wie ein Spiel, vornehmlich ehemalige Studentinnen nach ihrem Abschluss ins Bett zu kriegen. Dafür organisiert er extra Partys bei sich zu Hause, an deren Ende stets Schönheiten seinem Charme erliegen. Diesmal ist aber alles anders. Die sinnvolle Exil-Kubanerin Consuela (Penelopé Cruz) fasziniert David von der ersten Sekunde an. Er will sie ins Bett bekommen, merkt aber, dass er noch mehr für sie empfindet. Er ist besessen von ihrer Schönheit und Eleganz. Es ist ein Gefühl, dass er in der Form schon seit Jahrzehnten nicht mehr empfunden hat und vor dem er immer versuchte, zu fliehen. Ein Gefühlskonflikt bahnt sich bei dem Professor an, dessen Ende offen ist…
Einer der interessantesten Aspekte von Elegy ist die Tatsache, dass auf dem Regiestuhl eine Frau Platz genommen hat. Philip Roth, Autor der Romanvorlage Das Sterbende Tier, steht nämlich für Werke erotischer Altmänner-Fantasien mit stark angehauchtem pornografischen Touch. Nicht wenige Feministinnen bekommen deshalb bei seinem Namen graue Haare. Trotzdem wagte sich Isabel Coixet den Stoff und fügte viele neue Aspekte ein. Aus der “männlichen” Geschichte wurde eine knallharte Analyse über eine außergewöhnliche Liebe, über Vergänglichkeit und Sehnsüchte. Sie erzählt in den Film mit einer weiblichen Eleganz und Konsequenz, die die dramatischen Elemente ganz klar in den Vordergrund rücken.
Getragen wird der Film dabei ganz klar von seinen zwei Hauptdarstellern. Ben Kingsley, der sein schauspielerisches Talent glücklicherweise gerne für derartige Independent-Projekte zur Verfügung stellt, spielt den alternden Professor gekonnt und routiniert. Er gibt der Figur David die besondere Note, die nur ein Schauspieler seines Formats erzeugen kann. David ist ein Mann, getrieben von Lust und Freude am Leben. Nach seiner Scheidung lebt er zurückgezogen in seinem Apartment, ohne Familie und enge Bekannte. Er schottet sich gefühlsmäßig komplett von seiner Außenwelt ab. Frauen sind für ihn Lustobjekte, nicht mehr und nicht weniger. Seine einzigen Bezugspersonen sind Carolyn (Patricia Clarkson), eine regelmäßige Affäre und der Autor George (Dennis Hopper), sein bester Freund. Doch als er seine Studentin Consuela trifft, ändert sich sein Leben komplett. Auf Grund seines Lebensstils kann er aber am Anfang der Beziehung seine Gefühle nicht richtig sortieren. Erst nach und nach merkt er, dass er verliebt ist. Dies zeigt er der Exil-Kubanerin aber nicht. Er kann seine Gefühle nicht äußern und hat Bindungsängste. So kommt es auch, dass Consuela das Verhältnis zu David beendet. Nach Jahren meldet sie sich aber wieder bei ihm und überrascht ihn mit einem dunklen Geheimnis, das David derart verändert, dass es beide doch zusammenschweißt. Mit Penelopé Cruz fand man für die Rolle der Consuela die perfekte Besetzung und ein passendes Gegenstück zu Ben Kingsley. Cruz spielt ihren Charakter sinnlich, anfangs verschlossen und sorgt so für ein reges Interesse beim Zuschauer. Sie hat die schauspielerische Klasse, den Film voranzutreiben und nicht nur mit den Gefühlen von David, sondern auch mit denen des Zuschauers zu spielen. Vor allem auch beim Ende, welches ich nicht vorweg nehmen will, berührt sie auf eine ganz eigene, melancholisch verspielte Art.
Neben den Darstellern ist es die spanische Regisseurin Isabel Coixet, die ihr Handwerk sichtlich beherrscht und so dem Film einen Stempel aufdrückt. In der Tradition von Susanne Bier lässt sie Bilder sprechen, weiß um deren Wert als Ausdruck innerster Gefühle. Dabei legt sie in ihrer Art zu dirigieren ein mäßiges Tempo an den Tag, welches dem Film gut tut. Sie will die Bilder, die Dialoge, die Musik wirken lassen. Spätestens in einer Szene, die mir ganz genau in Erinnerung geblieben ist, zeigt sich ihr Talent. So will sie nach dem Sex zwischen David und Consuela deren Weiblichkeit und Sinnlichkeit veranschaulichen. Dafür braucht sie keine intimen Details, sondern filmt die nackte Cruz, die mit dem Bauch auf einem roten Laken liegt, in einer Einstellung so zart, so erotisch von Kopf bis Fuß, dass nicht nur bei den männlichen Zuschauern der Atem stockt. Das ist purer Sex, Weiblichkeit in reinster Form, Perfektion auf Zelluloid. Aber auch so setzt die Regisseurin das oftmals sehr heikle Thema so gekonnt um, dass selbst bei deftigen Dialogen wie “Ich bin süchtig nach Deinem Schwanz” oder “Bei mir kriegst du reines Ficken. Nichts als reines Ficken” oder der provokanten Darstellung der nackten Brüste von Frau Cruz das Niveau auf einem ganz hohen Level bleibt. Die eindringliche, zurückhaltende aber perfekt ergänzende Musik tut das ihr Übriges.
Mein Fazit:
Elegy ist eine starke Independent-Produktion, die trotz einer oberflächlich wirkenden Geschichte tief in die Gefühle der Protagonisten eintaucht. Die Regisseurin Isabel Coixet kann dabei auf einen ganz starken Cast bauen, der ihre Visionen perfekt umsetzt. In eindringlichen Bildern malt Coixet eine Geschichte, die dem Zuschauer noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Nicht nur wegen der offen dargstellten Reize von Penelopé Cruz. (8/10)











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