Invictus
Es ist immer wieder erstaunlich, wie es Clint Eastwood mit mittlerweile fast 80 Jahren schafft, nahezu jährlich einen Film zu veröffentlichen. Dieser Mann ist arbeitswütig und voller Ideen, und seine Filme scheinen mit wachsendem Alter immer besser zu werden. Mystic River, Million Dollar Baby, Letters From Iwo Jima oder Gran Torino – ein Auszug aus der Filmografie Eastwoods der letzten zehn Jahre lässt jeden Cineasten mit der Zunge schnalzen. Umso freudiger waren die Erwartungen, als Eastwood, einer der größten Regisseure unserer Zeit, ein Biopic zu Nelson Mandela, einem der größten Persönlichkeiten unserer Zeit, ankündigte. Ein Film der Superlativen sollte es werden, und mit seinem guten Freund Morgan Freeman fand Clint Eastwood die Idealbesetzung für den früheren südafrikanischen Präsidenten. Doch qualitativ will sich Invictus nicht nahtlos einfügen in die Liste großartiger Filme Eastwoods. Denn anstatt der Komplexität der Figur Nelson Mandela in einem Land voller Rassenwahn an den Leib zu rücken, konzentriert sich das Drehbuch auf einen kurzen Zeitraum von Mandelas Wahl zum Präsidenten 1994 bis zur Rugby-WM im eigenen Land 1995. So ist Invictus eher Sportdrama als Politdrama und zeigt somit einen limitierten Blick auf Mandela. Sicherlich, Eastwood deutet in vielen Szenen die Diskrepanz zwischen der weißen und schwarzen Bevölkerung in Südafrika an. Doch die bedrohliche Stimmung, die in dem Land nach Mandelas Machtübernahme herrschte, die Vergeltungsanschläge der ehemals unterdrückten Schwarzen, die horrende Staatsverschuldung oder die Landstreitigkeiten zwischen weißen Großgrundbesitzern und kleinen schwarzen Bauern thematisiert der Film gar nicht. Das Pulverfass Südafrika, das stetig zu explodieren drohte, fängt Eastwood nicht ein. Vielmehr konzentriert er sich auf den geschickten diplomatischen Schachzug des Präsidenten, die Bevölkerung mit einer erfolgreichen Rugby-WM zu vereinen. Dieser konzentrierte Blick erlaubt zwar eine tiefgründigere Charakterisierung der Nebenfiguren, verschenkt aber von vornherein ein ungeheures Potential. Betrachtet man Invictus dann als reines Sportdrama und blendet den Rest aus, erwartet den Zuschauer ein vor allem in den Rugby-Szenen toll inszenierter Film, der trotz des allseits bekannten Endes nie an Spannung verliert. Eastwoods Bilder begeistern wie eh und je, schlicht aber effektiv, pathetisch aber nie übertrieben. Es ist aber vor allem Morgan Freeman, dessen beeindruckende Performance den ganzen Film zusammenhält. Nicht nur optisch ähnelt Freeman dem Friedensnobelpreisträger von 1993, auch seine Mimik und Gestik zeugen von seiner großen schauspielerischen Brillanz. Freeman verschmilzt mit seiner Rolle und geht in ihr auf – sogar mit passablem südafrikanischem Akzent. Matt Damon als südafrikanischer Teamkapitän Francois Pienaar zeigt hingegen, dass seine schauspielerischen Fähigkeiten stärker limitiert sind als die seines Kollegen Freeman. Seine beschränkte Mimik ist zwar perfekt für Actionfilme, doch als Zentrum einer Mannschaft, deren Leistung über das Schicksal der Bevölkerung entscheiden kann, ist seine Präsenz zu klein. Invictus ist in seiner Summe ein feiner Sportfilm, der die politischen Hintergründe nicht tiefgründig genug abhandelt und so seinem Anspruch, ein Biopic Nelson Mandelas zu sein, nicht gerecht wird. Anschauen sollte man sich Invictus trotzdem – allein wegen der großartigen Performance von Morgan Freeman. (5/10)











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