Public Enemies

Filmkritik

In den 90er Jahren etablierte sich Michael Mann mit den zwei großartigen Filmen Heat und The Insider endgültig als Regisseur in Hollywood. Sein Name stand für spannungsgeladene Thriller mit einer großen Portion handfester Action. Mann wurde als Wunderkind gefeiert – ein Status, den sich der Regisseur verdiente, jedoch seit der Jahrtausendwende Film für Film stetig verspielt. Denn Manns Kino ist gewöhnlich geworden, trägt zwar noch die Handschrift des Regisseurs, doch setzt leider immer weniger auf Inhalte, sondern hauptsächlich auf eine perfekt durchgestylte Visualisierung. Umso erfreulicher war die Nachricht, dass Mann sich mit seinem nächsten Projekt der Geschichte des berüchtigten Bankräubers und US-amerikanischen Staatsfeindes Nummer 1, John Dillinger widmet. Eine Geschichte, die durch die Konfrontation zweier starker Männer, die sich gegenseitig bekämpfen doch gleichzeitig brauchen, wie gemacht ist für den Regisseur, den genau dieses Motiv groß gemacht hat. Ob Lieutnant Vincent Hanna (Al Pacino) gegen den Gangster Neil McCauley (Robert De Niro), ob Lowell Bergman (Al Pacino) gegen Jeffrey Wigand (Russell Crowe), stets war dessen Kino geprägt von den Gegensätzen zweier Männer, die trotz aller Unterschiede letztendlich gleich waren. John Dillinger (Johnny Depp) gegen den Kriminalbeamten Melvin Purvis (Christian Bale). Dass Potential wäre vorhanden gewesen, aus dieser Grundkonstellation mit den nötigen Mitteln einen Film zu schaffen, der an Manns große Erfolge anknüpfen kann. Doch Mann setzt traurigerweise seinen Abstieg fort und präsentiert mit Public Enemies den (vorläufigen) Tiefpunkt seiner Karriere, der so bedeutend ist für das Kinojahr 2009. Es zählt nicht der Inhalt, der Tiefgang, die Entwicklung der Figuren. Dass, was einzig und allein zählt, sind audiovisuelle Schauwerte, Schießereien und Materialschlachten. Doch dies bekommt einer Gangsterstory, die angesiedelt ist in den 30er Jahren, alles andere als gut. Dies bricht ihr das Genick im Ansatz, zerstört jegliche Atmosphäre und jegliche Spannung. Doch Mann setzt dem sogar noch einen drauf, denn das Drehbuch strotzt von der ersten Seite an vor dümmlichen Dialogen, spannungsleeren Handlungssträngen und verkorksten Nebenplots.

Nicht einmal im Ansatz versuchen er und seine Drehbuchautoren Ronan Bennett (Face) und Ann Biderman (Fräulein Smillas Gespür Für Schnee), Manns filmischen Drang nach einer epischen Erzählung zu befriedigen. Zu oberflächlich bleibt die Geschichte, die deutlich angelehnt ist an die von Heat, doch niemals dessen Intensität zu erreichen vermag. Ein Spannungsbogen existiert de facto überhaupt gar nicht, denn Public Enemies ist ein steter Wechsel zwischen typischen Mann’schen shoot outs und filmischem Füllmaterial, welches zwischen Bedeutungslosigkeit und Kitsch, Langeweile und fehlender Tiefe pendelt. Public Enemies hat eine Laufzeit von knapp 140 Minuten, welche sich auf Grund der Tatsachen aber mindestens doppelt so lang anfühlt. Nicht einmal in den Dialogen funkt ein wenig Brillanz auf. Dialoge, die entweder aufgesetzt wirken und schlicht und einfach peinlich sind. Mann hat anscheinend nichts zu erzählen, obwohl die Geschichte um John Dillinger sicherlich eine der berühmtesten Kriminalfälle der USA ist. Dass letztlich der zumindest auf dem Papier großartige Cast dem nichts mehr hinzuzufügen hat, ist besonders schade, zeugt aber auch von Manns inszenatorischen Fähigkeiten, die sich irgendwo zwischen HD-Cam und Ausstattungsfetisch in Luft aufgelöst zu haben scheinen. Johnny Depp, Garant für Rollen mit Ecken und Kanten, scheint nie warm zu werden als John Dillinger. Zwar schafft er es auf Grund seiner Erfahrung und vor allem seines Talents, der Figur ein klein wenig den Stempel aufzudrücken, doch das Drehbuch – vor allem die eindimensionale Figurenskizzierung – gibt nicht mehr her. Wo Depp aber wenigstens noch den Versuch unternimmt, seine Rolle zu interpretieren, ist Christian Bale mit all seiner Kraft an der Spitze seines Unvermögens angelangt. Nach dem Terminator-Fiasko, in dem Bale wohl einen der peinlichsten Auftritte dieser Dekade abgeliefert hat, setzt er mit seinem Auftritt in Public Enemies noch einen drauf. Egal welche Gefühlsregung, egal in welcher Szene, Bale beherrscht nur einen Gesichtsausdruck, der selbst Sylvester Stallones Mimik wie die eines Nicholson oder eines De Niro aussehen lassen. Auch Marion Cotillard verkommt zum Spielball Mann`scher Ästhetik und schafft es in keiner Sekunde, auch nur einen Ansatz von Interpretation der Rolle abzuliefern.

Public Enemies reiht sich somit ein in die Riege der großen Enttäuschungen des Kinojahres, in denen Stars und Budgets unnötig für noch unnötigere Projekte verheizt wurden. Dass aber Michael Mann nach mehreren noch befriedigenden Filmen so tief abrutscht, hätte sicherlich niemand gedacht. Dem minimalistischen Drehbuch kann aber auch seine Regie nichts mehr entgegensetzen, zu unausgegoren wirkt das ganze, zu sehr auf optische Schauwerte aus. Selbst die shoot outs, immerhin ein Markenzeichen des Regisseurs, sind in Public Enemies nicht mehr als nett anzusehen. Zu gewöhnlich ist die Action, um den geneigten Fan vom Hocker zu hauen. Zu prätentiös die Inszenierung, die vollgestopft und durch die wackelige HD-Cam emitionsarm und frei von jeglicher Atmosphäre wirkt. Zu krude die Handlungsstränge, zu peinlich die zum Teil armseligen schauspielerischen Leistungen. Nein, dass war nichts. Man darf gespannt sein, ob und wie Mann sich von diesem Film erholen wird. (2/10)

★★☆☆☆☆☆☆☆☆

BLOGSPIEGEL:

From Beyond: nach der Hälfte die Flucht ergriffen

Blockbuster Entertainment: 4.5/10

Kino, TV & Co.: 4/10

Movie Addiction: 6/10

Marcus Kleine Filmseite: 7.5/10

moep0r.com: 7/10

MoviezKult: 2/10

Durchschnittwertung: 5.2/10 (mit großer Tendenz nach unten)

Public Enemies: Erster Trailer

publicenemiestrailer

Im Action-/ und Thrillerfach macht ihm keiner etwas vor. Ob Heat, The Insider oder Collateral - Michael Manns Filme bestechen durch eine lupenreine Inszenierung, coole shoot outs und eine gehörige Portion Atmosphäre. Nach dem mittleren Debakel mit Miami Vice versucht sich der Regisseur nun an einer wahren Geschichte, nämlich der des ersten Staatsfeindes Nummer 1 der USA, dem gefürchteten Anführer einer Gruppe von Bankräubern, John Dillinger. Dillinger erlangte in den 30er Jahren Berühmtheit als moderner Robin Hood. Ihm gegenüber stand der junge FBI-Agent Melvin Purvis, der von Präsident Hoover mit der Liquidierung Dillingers und weiterer hochkarätiger Anführer seiner Bande beauftragt wurde. Eine Geschichte, prädestiniert für das Kino, und prädestiniert für Michael Mann. Alleine schon die Besetzung von Johnny Depp (Dillinger), Christian Bale (Purvis) und Marion Cotillard (Dillingers Frau) lässt Fans das Wasser im Mund zusammenlaufen. Kann da überhaupt etwas schiefgehen? Der Trailer (480p/720p/1080p) jedenfalls zeigt, dass es in die richtige Richtung geht: Hochglanz-Optik mit toller Ausstattung, viel Action und ein brillanter Cast. Ich denke, diesen Film dürfen sich Fans gepflegter Actionunterhaltung schon mal ganz dick im Kalender vormerken. Kinostart in den Staaten ist der 1. Juli, bei uns läuft Public Enemies am 6. August an.

Todeszug Nach Yuma

Kurzkritik

I’ve been standin on one leg for three damn years waitin for God to do me a favor… and He ain’t listenin.

Nach seinem grandiosen Johnny Cash-Biopic Walk The Line schickte sich Regisseur James Mangold im letzten Jahr an, dem totgesagten Western-Genre mit einem Remake von Zähle Bis Drei Und Bete (1957) wieder Leben einzuhauchen. Fernab traditioneller Normen des Westerns erzählt er in ruhigen Bildern eine Fabel über die Ehre eines Mannes und verzichtet dabei erfreulicherweise auf eine standarisierte Skizzierung des epischen Helden, der den Kampf gegen einen übermächtigen Bösen aufnimmt. Vielmehr verschwimmen in Todeszug Nach Yuma die Grenzen zwischen gut und böse, die Charaktere sind vielschichtig und tiefgründig. Basierend auf eine Kurzgeschichte von Elmore Leonard (Jackie Brown, Schnappt Shorty) erzählt der Film die Geschichte des armen Farmers Dan Evans (Christian Bale), der zufällig Zeuge eines Überfalls auf einen Geldtransport durch den berühmt berüchtigten outlaw Ben Wade (Russell Crowe) wird. Zusammen mit dem  verwundeten Kopfgeldjäger Byron McElroy (Peter Fonda) zieht er in die nächste Stadt, in der sie Wade ausfindig machen. Für ein Handgeld von 200 Dollar, welches Evans von allen Lasten befreien würde, erklärt er sich bereit, Teil einer Gefangeneneskorte zu werden, die den Gangster in eine fern gelegene Stadt geleitet, von wo er mit einem Zug in ein das Gefängnis Yuma gebracht werden soll.

Mangold kann bei seinem Western vor allem auf seine Hauptdarsteller bauen. Mit Christian Bale und Russell Crowe besetzte er zwei schauspielerische Hochkaräter, die den Film fernab reduzierter Actionanteile auf einer tiefgründigen, nahezu kammerspielartigen Ebene tragen. Bale mimt den von Geldnöten und einer Fußamputation geplagten Farmer Dan Evans, einen vordergründig starken Mann mit festen Prinzipen, dessen Fassade im Verlauf des Films immer mehr bröckelt und der sich entscheiden muss, ob er seinen Maximen noch folgen kann. Crowe hingegen spielt den ambivalenten Charakter Ben Wade, einen der berühmtesten Gangster des wilden Westens, der zwar zig Menschenleben ausgelöscht hat, im tiefsten Innern aber ein Mensch mit Moral und Anstand ist. Die Spannung, die die Interaktion der beiden Charaktere verursacht, ist der zentrale Bestandteil des Films. Mangold und sein Kameramann Papamichael (Das Streben Nach Glück) tauchen dieses Szenarium in ruhige und schöne Bilder, die das Genre in die Moderne hieven, gleichzeitig aber auch Erinnerungen an die großen Klassiker hervorrufen. Zahlreiche Hommagen, unter anderem an Die Glorreichen Sieben und Ennio Morricone, erfreuen zusätzlich das Filmherz. James Mangold hatte also alle Zutaten zusammen, um einen ganz großen Western zu erschaffen, wäre da nicht das Drehbuch gewesen. Dieses lässt den Film in den letzten 30 Minuten fast ins Lächerliche abdriften, wenn Evans und Wade sich gegen alle anderen verbrüdern und den Weg zum Zug gemeinsam freiballern. Dies ist so unglaubwürdig, dass Todeszug Nach Yuma eine höhere Wertung leider versagt bleibt. So oder so bleibt ein überdurchschnittlicher Western, den es sich zu sehen auf jeden Fall lohnt. (7/10)

★★★★★★★☆☆☆

Batman 3: Depp & Hoffman Als Bösewichte?

Nach dem grandiosen Erfolg von Batman – The Dark Knight an den weltweiten Kino-Kassen (bisher 950$ Millionen Dollar) und den sich an Lobeshymnen überschlagenen Kritiken war es nur eine Frage der Zeit, bis Gerüchte über einen dritten Teil von Christopher Nolans Saga aufkommen würden, auch, da Hauptdarsteller Christian Bale von vornherein für 3 Filme unterschrieb. Die größte Frage nach Heath Ledgers Tod ist aber, welcher Bösewicht in das Batman-Universum eintauchen wird. Hartnäckige Gerüchte sahen bisher das Gespann Johnny Depp (Riddler) und Philip Seymour Hoffman (Pinguin) vorne. Michael Caine, seines Zeichens Darsteller von Bruce Waynes Butler Alfred, untermauerte in einem MTV-Interview nun diese These:

“I was with [a Warner Bros.] executive and I said, ‘Are we going to make another one?’ They said yeah. I said, ‘How the hell are we going to top Heath? And he says ‘I’ll tell you how you top Heath — Johnny Depp as The Riddler and Philip Seymour Hoffman as The Penguin.’ I said, ‘Shit, they’ve done it again!’” [Laughs]

Zwei der besten Schauspieler dieser Welt vereint als Gegenspieler von Batman? Damit würden Nolan & Co. The Dark Knight zumindest schauspielerisch noch einen draufsetzen! Bisher sind es zwar nur Gerüchte, aber ich hoffe, dass sie sich bewahrheiten werden!

The Dark Knight

[Kino]-Review

The Dark Knight

Was war das für ein Marketing! Spätestens als Heath Ledger, der neue Darsteller des Joker, im Januar an einer Überdosis Tabletten starb, war der Hype perfekt. In nie dagewesener Perfektion pushte das Studio durch virales Marketing, welches das von Cloverfield alt aussehen ließ, den Titel The Dark Knight in die Welt. Teaser, Trailer, Poster, Szenenbilder, Clips, TV-Spots, Interviews, Specials – nichts wurde dem Zufall überlassen, alles war bis aufs kleinste Detail durchgeplant. Das Zentrum des geplanten Marketings war zwar tot, aber dies wirkte sich auf keinen Fall negativ auf die Kampagne aus. Vielmehr wurden Heath Ledger und sein Joker so heldenhaft beworben, dass schon lange vor dem Kino-Start aus dem einstigen Sonny-Boy eine Legende wurde. Einen guten Film macht aber mehr aus als ein toter Darsteller und perfektes Marketing. Ob Christopher Nolan aus seinen Fehlern, die er bei Batman Begins noch reihenweise säte, gelernt hat, kann  man nun endlich im Kino begutachten.

Schon am Ende von Batman Begins war klar, dass es Batman (Christian Bale) bei einer etwaigen Fortsetzung mit seinem bekanntesten Widersacher, dem Joker zu tun hat. Die Geschichte von The Dark Knight setzt auch direkt an seinen Fortgänger an. Der Joker tritt auf den Plan und verbreitet Chaos in Gotham City. Dazu raubt er mit einer Truppe als Clowns verkleideter Kleinkrimineller in einer perfekt inszenierten Show eine Bank aus. Als er nach und nach seine Komplizen ausschaltet und am Ende alleine mit dem Geld davonkommt, ist sein Kalkül klar. Das Geld gehört den Bossen der Unterwelt von Gotham City. Der Joker ist keinesfalls daran interessiert, seine Beute für sich zu beanspruchen. Vielmehr hat er die Gangster nun in seiner Hand. Er zwingt sie förmlich in die Knie, um mit ihm zusammenzuarbeiten.

The Dark Knight beschreibt dabei keinesfalls nur den Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Batman und dem Joker, sondern glänzt wie sein Vorgänger durch eine tiefgehende, komplexe Geschichte. Gotham City wird regiert von den Bossen der Unterwelt. Alles war herrscht ist Korruption, Gewalt und Hass. Die mafiösen Strukturen der Gangster reichen dabei bis in die höchsten Gefilde der Politik und der Polizei, so dass kein Bürger mehr sicher sein kann. Unmut macht sich breit, nicht nur über die Missstände, sondern auch über Batman, der nicht viel anders ist als die, die er bekämpft. Als in Harvey Dent (Aaron Eckhart) ein junger Staatsanwalt von sich Reden macht, der das System gänzlich von allen Ratten säubern will, sieht auch Bruce Wayne eine Chance, sein Alter Ego Batman endlich hinter sich zu lassen. Doch Dent braucht Batman. Zusammen mit Lieutnant Gordon (Gary Oldman) arbeiten sie an einem Plan, der die endgültige Säuberung allen Abschaums in Gotham City vorsieht. Dass sie dabei gefährlich leben und stets der Gefahr unterlaufen, in eigenen Reihen verraten zu werden, ist ihnen klar. Trotzdem sehen sie in ihrem Handeln die einzige Chance für eine Rettung der Stadt.

Schon am Drehbuch erkennt man, dass Christopher Nolan die Schwächen von Batman Begins erkannt hat und sie hier auszumerzen versucht. Denn wo den Zuschauer bei Nolans erstem Batman noch eine komplexe Geschichte erwartete, die sich auf Grund wenig origineller Antagonisten und fortwährender Eintönigkeit zog wie ein Kaugummi, darf er sich hier auf zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung freuen. Das liegt sicherlich nicht nur am Joker, sondern an mehreren Faktoren. Zum einen sind da die messerscharfen Dialoge, die von abstruser Genialität bishin zu perfekt getimten Wortwitz reichen. Dies geschieht alles auf einem derart hohen Niveau, dass man von Comic-Verfilmung eigentlich gar nicht mehr sprechen kann und sollte. Außerdem konstruiert Nolan mit seinem Bruder Jonathan, der schon beim Erstling mitschreiben durfte, einen derart verflechteten Plot, dass in jeder Sekunde des Films eine enorme Spannung erzeugt wird, die so dicht ist, dass man sie mit einer Schere zerschneiden könnte. Man weiß nie, was als nächstes passiert, wohin das Handeln der Figuren letztendlich führt. Genau dies macht The Dark Knight so vielschichtig und hebt es von der standardisierten Ware aus Hollywood ab.

Bei aller Komplexität ist es vordergründig natürlich aber der Joker, der die Menschen ins Kino treibt und den Zuschauern alles abverlangt. Was Heath Ledger hier in dieser Rolle abliefert, ist nicht minder sein schauspielerisches Vermächtnis vor seinem Abgang gewesen. Dabei ist es schade, dass er es nicht mehr miterleben darf, wie er auch dem schärfsten Kritiker zeigt. Was ist im Vorfeld nicht berichtet wurden, Nolan besetzte einen Schauspieler wie ihn als Joker? Nicht wenige haben dem Australier diesen Job nicht zugetraut. Ihm, der zwar in Brokeback Mountain eine Oscar nominierte Performance ablieferte, sonst aber eher durch seichte Unterhaltung auffiel. Fans hatten Angst, dass er der Figur nicht den nötigen Schliff für Nolans Universum geben könnte, dass er gegen Schauspieler wie Bale, Freeman, Oldman und Caine schlichtweg untergehen würde. Doch Nolan hielt an Ledger, seiner ersten Wahl fest. Ledger dankte es ihm mit einer akribischen Vorbereitung im Stile eines Robert de Niro. Er arbeitete alle Facetten seiner Figur bis ins kleinste Detail aus, recherchierte, übte. Erst als er sein diabolisches Spiel selbst als perfekt ansah, war Ledger bereit für den Dreh. Er legte seine ganze Kraft und Energie in diese Rolle, wollte es sich und seinen Kritikern beweisen. Er steigerte sich hinein in den Wahnsinn seiner Figur. Dies führte zu großen psychischen Problemen, die er nur noch mit Tabletten in Schach halten konnte. Seine Drehzeit wurde rapide verkürzt, doch sein Spiel war letztendlich grandios. Sein Joker ist ein psychopathischer Terrorist, ein Wahnsinniger im Gewand eines verrückten Punks. Sein Joker ist eine tiefgründige, verletzliche Persönlichkeit. Sein Joker ist kompromisslos und intelligent – und genau das macht ihn gefährlich. Ihn interessieren keine eigennützigen Interessen, kein Geld, keine Macht. Alles, was ihn interessiert, ist Chaos und Zerstörung. Vielen fordern schon den postmortalen Oscar für diese Leistung. Oscarreif ist sie, da kann man drehen und wenden, was man will. Letztendlich will ich mich dem Unken aber (noch) nicht anschließen, denn das Kino-Jahr ist noch lang.

Auch Christian Bale überzeugt diesmal mehr in der Rolle des Milliardärs Bruce Wayne, die nachts zu Batman “mutiert”. Wo sein Spiel bei Batman Begins oftmals noch hölzern und aufgesetzt wirkte, ist Bale nun nach glorreichen Auftritten in Filmen wie Werner Herzogs Rescue Dawn oder Todeszug Nach Yuma gereift. Bale strahlt nun diese Leinwandpräsenz aus, die den Film von Anfang an nach vorne peitscht. In The Dark Knight kann er auch seine Fähigkeiten als Action-Schauspieler stärker unter Beweis stellen als im Vorgänger-Film. Diesmal geht es gleich zur Sache, ohne langes Vorgeplenkel. Batman packt an, auch wenn ihn innere Zerwürfnisse plagen. Da ist es auch nicht gerade hilfreich, wenn seine große Liebe Rachel Dawes (Maggie Gyllenhaal) mit seinem Mitstreiter Harvey Dent liiert ist. Doch Batman stellt das Wohl seiner Stadt über seine eigenen Bedürfnisse.

Mit Aaron Eckhart fand Christopher Nolan eine weitere passende Besetzung für seinen Cast. Eckhart spielt den charismatischen Saubermann Harvey Dent, den Staatsanwalt, der alles Unrecht besiegen will. Dent gerät dabei nicht nur in den Kampf gegen die Mafia, sondern auch zwischen Batman und Joker. Dabei ist Dent stets der Mann aus dem Volk, der Verfechter für Recht und Gerechtigkeit. In dem dunklen Szenario der Stadt wirkt er oftmals wie ein Engel, der die drohende Apokalypse fernhalten will. Dass er letztendlich daran scheitert und als Two Face eine ganz andere Richtung einschlägt, ist schließlich nicht nur pure Ironie, sondern eine logische Konsequenz. Der Kampf eines Einzelnen gegen eine Übermacht ist hart, steinig und zum Scheitern verurteilt. Hier macht Nolan dem Zuschauer nichts vor, ist direkt und grausam. Er ist dabei aber auch dich dran an der Realität und verzichtet auf Schönmalerei. Auch die weiteren Nebenrollen sind bis ins Detail perfekt besetzt. Mit Morgan Freeman, Gary Oldman und Michael Caine besetzen 3 Hochkaräter die zweite Reihe und sorgen allein durch ihre Leinwandpräsenz für ein außerordentliches Feeling.

Doch nicht nur die Schauspieler liefern eine grandiose Leistung ab. Auch Christopher Nolan hat sich bei seinem Sequel enorm gesteigert. Nicht nur, dass er schon die angesprochenen Fehler des Skriptes von Batman Begins vermied, so ist er auch handwerklich gereift. Allein die Action-Sequenzen spielen hier in einer ganz anderen Liga, sind gespickt mit Elan und Spannung. Dass Nolan zum größten Teil auf CGI verzichtet, hebt ihn sowieso von seinen Kollegen ab. Auch sein Kameramann hat einen großen Anteil daran, dass The Dark Knight so groß gewurden ist. Manche Einstellungen sind so virtuos fotografiert, wie man es nur aus Arthaus-Filmen kennt. Dabei beweist man auch Freude zu Experimenten, zu außergewöhnlichen Bildern mit enormer Aussagekraft. Diese werden dann unterstrichen durch einen der besten Scors des Jahres. Hans Zimmer und James Newton Howard liefern wieder einmal eine musikalische Meisterleistung im Doppelpack ab, die Gänsehaut garantiert. Mit rasselnden Synthie-Klängen (Zimmer) und musikalischen Sequenzen (Howard) entsteht eine musikalische Symbiose, die sich nahtlos auf das Visuelle überträgt.

Bei aller Stärke ist The Dark Knight dann aber trotzdem kein Kandidat auf den Titel drittbester Film aller Zeiten, wie es bei IMDb derzeit propagiert wird. Auch ist Nolans Film nicht der Beste, der in diesem Jahr in unseren Kinos lief. Dagegen sprechen einfach Punkte, die nicht so ganz stimmen und die sein Sequel nicht ganz perfekt machen. Zum einen wäre da die Besetzung von Maggie Gyllenhaal als Rachel. Die Figur der Rachel ist von Grund auf wenig aussagekräftig, ohne Gesicht und ohne große Bedeutung. Trotzdem schafft es Gyllenhaal nicht, ihre Figur auszureizen. Sie ist und bleibt nur Beiwerk und geht gegen die anderen Charaktere fast unter. Selbst den Zweck als eye candy kann Gyllenhaal nicht erfüllen. Auch ist die Verwandlung von Dent zu Two Face zu abrupt dargestellt. Hier wäre etwas Spielraum gewesen, um die inneren Zerwürfnisse von Dent mehr zu beleuchten. Die Darstellung des Two Face tut dasihr Übriges, denn sie ist einem 180 Millionen Dollar-Projekt nicht würdig. Außerdem hätte Nolan, wie bei Batman Begins vielleicht gut getan, die Laufzeit etwas zu kürzen. Nichtsdestotrotz ist The Dark Knight das Kino-Spektakel des Jahres, da gibt es nichts zu rütteln.

Mein Fazit:

Was die groß angelegte Marketing-Kampagne versprach, konnte Christopher Nolans Batman-Sequel The Dark Knight halten. Verpackt in eine komplexe Geschichte zeigt er das Verhältnis zwischen Gut und Böse und das zwischen Beiden keine Welten liegen. Dazu liefern alle Schauspieler eine enorme Leistung ab. Allen voran Heath Ledger sorgt mit seiner Darstellung des Jokers für sein Vermächtnis. Auch handwerklich überzeugt der Film auf ganzer Linie und ist audiovisuell das Highlight des bisherigen Kino-Jahres. (9,5/10)

★★★★★★★★★½

BLOGSPIEGEL

Equilibrium: 9/10

Symparanekronemoi: 6/10

From Beyond: 6/10

Blockbuster Entertainment: 10/10

Intermoviession: 9,5/10

Kino, TV & Co: 10/10

Marcus Kleine Filmseite: 10/10

Moviescape: 8/10

MoviezKult: 9,5/10

Durchschnittwertung: 8,7/10

The Dark Knight: Neues Poster

Da ich auf Grund von Prüfungsstress gerade keine Zeit habe, irgendwelche Reviews zu verfassen (in 3 Wochen sind Semesterferien, dann kommen knapp 10 Reviews, die sich angesammelt haben), poste ich wenigstens ein neues Poster zu The Dark Knight. Das ist nämlich optisch eine Wucht!

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The Dark Knight: Neuer Trailer

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Nachdem in letzter Zeit schon ein Bootleg des neuen Batman: The Dark Knight-Trailers im Netz kursierte, erschien dieser nun offiziell in brillianter Qualität. Um es mit den Worten vom Affenheimtheater zu sagen: Trailer des Jahres. Nuff said.

Zum Trailer: (480p/720p/1080p)

Snapshot Vom Public Enemies-Dreh

Johnny Depp dreht gerade Teile des 2009 erscheinenden Kriminal-Dramas “Public Enemies” von Regisseur Michael Mann. Er spielt den Gangster John Dillinger, der von einem FBI-Agenten dingfest gemacht werden soll. Neben Depp spielen auch Christian Bale und meine große Liebe Oscar-Gewinnerin Marion Cotillard in dem Streifen mit.

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[Snapshot gefunden bei Faded Youth Blog]