Crazy Heart

Kurzkritik

Im Oscarrennen hatte bis Dezember so wirklich niemand den Film Crazy Heart auf der Rechnung. Still und heimlich nahm Scott Coopers Regiedebüt über einen abgehalfterten Country-Star den Weg von Venedig, wo er seine Premiere feierte, über zahlreiche Kritikerjahresbestlisten zu den Academy Awards, wo er am Sonntag mit gleich zwei Oscars ausgezeichnet wurde und damit noch vor Filmen wie Inglourious Basterds und Up In The Air lag. Viele vergleichen Crazy Heart mit dem letztjährigen Erfolg The Wrestler, da beide einen gefallen Star in den Mittelpunkt rücken. Und tatsächlich, die Parallelen zwischen den Filmen sind nicht von der Hand zu weisen. Nicht nur inhaltlich verfolgen sie grob denselben Leitfaden, auch ihre Hauptdarsteller konnten mit ihrer Performance jeweils endlich die Aufmerksamkeit auf sich lenken, die sie verdient haben. So spielte sich im letzten Jahr Mickey Rourke mit seiner Rolle als Randy “The Ram” Robinson zurück nach Hollywood und wurde mit einem Golden Globe und einer Oscarnominierung bedacht. Besser lief es noch für Jeff Bridges, dessen Leistung als Bad Blake beide Preise wert war. Jeff Bridges ist endlich angekommen im Olymp der Schauspieler – und das völlig berechtigt. Er trägt den Film, der einzig und allein auf seine Figur zugeschnitten ist, mit Leichtigkeit. Bad Blake, der früher Hits am Band produzierte, ist mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst. Alkoholkrank, spielt Blake zwar noch regelmäßig in versifften Kneipen in den Südstaaten, doch seine Kosten kann er damit schon lange nicht mehr decken. Er ist alt, krank und pleite. Konsequent zeichnet Regisseur Cooper das Bild des abgehalfterten Stars, der zwischen Whiskey, Kippen und Groupie-Sex mit alten Frauen den Sinn seines Daseins zu suchen scheint. Dabei verfolgt er trotzdem konsequent seine strikte Linie – als Vorband aufzutreten kommt ihm nicht in den Sinn. Wenn er scheitert, dann wenigstens ohne sich selbst zu verkaufen und seine eigenen Moralvorstellungen zu untergraben. Bridges spielt seinen Blake mit einer unglaublich wuchtigen Präsenz, einer präzisen Darstellung voller Melancholie und Natürlichkeit. Cooper wie auch Bridges gehen die Figur aber auch gleichzeitig mit einem Augenzwinkern an, die wichtig ist, um den Film nicht zu einer zweistündigen Moralpredigt verkommen zu lassen, sondern zu einem atmosphärischen und dichten Porträt eines gefallenen Country-Musikers. Auch die Nebenrollen sind überraschend stark besetzt. So überzeugt Maggie Gyllenhaal als junge Journalistin, die eine zeitweise innige Beziehung mit Blake eingeht. Gyllenhaal, nicht gerade bekannt für außergewöhnliche schauspielerische Leistungen, schafft es endlich einmal, aus ihrem sonst versteinerten Körper auszubrechen und sich nicht nur auf ihre Rehaugen zu verlassen. Zwar schafft sie es nie, auf Augenhöhe mit Bridges zu spielen, doch das ist ob der Fokussierung auf Blake gar nicht weiter schlimm. Robert Duvall und Colin Farrell als Blakes musikalischer Ziehsohn runden das positive Gesamtbild ab. Dass Crazy Heart letztlich trotzdem nicht an die Brillanz von The Wrestler heranreichen kann, liegt an seinem Drehbuch. Man merkt diesem deutlich an, dass es von einem Debütanten geschrieben wurde. Zwar enthält es zahlreiche tolle Einfälle und interessante Figuren, doch zwischendurch schleichen sich immer mal wieder Längen ein. Es ist, als ob die Geschichte im Mittelteil Szenen enthält, die die Geschichte nicht nach vorne bringen, sondern für kurzzeitigen Stillstand sorgen. Gut, dass die von Bridges und Farrell selbst gesungenen Songs aus einem der stärksten Soundtracks des Jahres da über die eine oder andere Länge hinwegtrösten. Crazy Heart ist ein tolles Porträt eines gefallenen Country-Sängers mit einem brillianten Hauptdarsteller und einem außergewöhnlich guten Soundtrack. Eine echte Überraschung eben. (7/10)

★★★★★★★☆☆☆

Bad Lieutenant – Cop Ohne Gewissen

Kurzkritik

Das Geschrei im Vorfeld war groß. Werner Herzog, ausgerechnet der eigenwillige deutsche Regisseur, vergreife sich an Abel Ferraras Kriminaldrama Bad Lieutenant von 1992 mit Harvey Keitel in der Hauptrolle. Und wenn das nicht schon schlimm genug wäre, castet Herzog auch noch Schauspieler wie Nicolas Cage, Eva Mendes, Val Kilmer und Xzibit. Die Fachwelt prophezeite einen Megaflop – und Ferrara setzte noch einen drauf. In einem Interview in Cannes wünschte er allen Beteiligten am Remake einen grausamen Tod, am besten per Autounfall. Doch nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird, und als der Film beim Filmfestival in Venedig vorgestellt wurde, war alles auf einmal halb so schlimm. Die Fachpresse jubelte und überschlug sich mit Lobpreisungen auf Herzog und vor allem auf Cage, der nach Jahren mittelmäßiger Leistungen in mittelmäßigen Filmen endlich mal wieder zeigen darf, was er schauspielerisch so alles auf dem Kasten hat. Ein Grund für den schnellen Meinungsumschwung war letztlich auch die Tatsache, dass Bad Lieutenant – Port Of Call New Orleans mit Ferraras Vorlage fast gar nichts zu tun hat. Wie auch, denn Herzog erklärte als Reaktion auf Ferraras Drohungen, das Original wie auch den Regisseur überhaupt nicht zu kennen. Sowieso, der Regisseur versuchte mehrmals vergeblich, den Titel seines Films ändern zu lassen. Doch seine Produzenten bestanden darauf, ihn bei Bad Lieutenant zu belassen. Was für die Promotion des Films sicherlich auch besser ist, für die Rezeption aber hinderlich sein kann, weil viele Kritiker trotz alledem den Vergleich zum Film von 1992 heranziehen. Doch dieser Vergleich hinkt in jeder Hinsicht, denn wer sich in Herzogs Œuvre auskennt, erkennt in nahezu jeder Szene die Handschrift des Regisseurs und weiß Bad Lieutenant sofort einzuordnen. Es lassen sich zahlreiche Parallelen zu Altwerken Herzogs ausmachen, und inszenatorisch wie auch inhaltlich scheint er an seine großen Filme aus den 70ern und 80ern anknüpfen zu wollen. Herzog baut seinen Film um die Figur des abgefuckten Lieutenants McDonagh (Cage) auf, konzentriert sich nicht vordergründig auf den Krimiplot, sondern präsentiert eine zweistündige Charakterstudie eines Mannes, der wie eine Mischung aus Hauptfiguren Herzogs Klassiker erscheint. McDonagh ist exzentrisch, gar wahnsinnig, aber auch voller Melancholie und juveniler Quirligkeit. Herzog deutet gar nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf McDonagh, nimmt keinerlei Wertung seiner Drogen-/ und Gewaltexzesse vor, sondern dringt tief in die Persönlichkeit seines Protagonisten ein, um dem Zuschauer den Rest zu überlassen. Hier liegt eine große Stärke des Films, der Freiheiten lässt für eigene Gedanken und Wertungen – als wäre Bad Lieutenant ein letztes Relikt aus großartigen Zeiten des Neuen Deutschen Films. Dass das letztlich funktioniert, liegt an der grandiosen Performance von Nicolas Cage, der seine beste Leistung seit Leaving Las Vegas abliefert. Cage formt den Charakter mit explosivem, für Herzogs Filme typischen overacting, ohne jemals lächerlich oder aufgesetzt zu wirken. Sein McDonagh bleibt stets, trotz aller Ausbrüche, verschlossen. Und aus dieser Verschlossenheit, diesem an den richtigen Stellen nuancierten Einsatz expressiver Mimik, resultiert die Bedrohung, die der Zuschauer empfindet, eine Bedrohung McDonaghs gegenüber seiner Umwelt, vor allem aber gegenüber sich selbst. Diesen tiefen Blick in die Figur McDonaghs bricht Herzog regelmäßig auf, wenn er, wohl dosiert, groteske und humorvolle Szenen einbaut. Bad Lieutenant ist deshalb kein runder Film, aber das war noch kein Werk von Werner Herzog. Bad Lieutenant ist sperrig von der ersten Sekunde an. Man darf dankbar sein, dass Produzenten heutzutage Regisseuren wie Herzog noch die Chance geben, derartige Filme zu drehen, die sich von ihrer Machart her von vornherein ausschließen für den Massenmarkt. Und man darf den Regisseuren wie Herzog schließlich dankbar sein, wenn sie derartig großartige Arthaus-Perlen in die Kinos bringen wie Bad Lieutenant. (8/10)

★★★★★★★★☆☆

An Education

Kurzkritik

Jenny Miller (Carey Mulligan) hat ein großes Ziel. Die 16-jährige, hochintelligente Schülerin will nach Oxford, erreichen, was ihrer Familie bisher vergönnt war. Angetrieben von ihrem dominanten Vater (Alfred Molina) schreibt Jenny in ihrer Schule Bestnoten und gilt als aussichtsreichste Kandidatin für einen Platz an der Eliteuniversität. Als sie eines Tages jedoch den charmanten Freigeist David (Peter Sarsgaard) kennenlernt, ändert sich ihr Leben schlagartig. Aus der eifrigen Ja-Sagerin wird ein aufmüpfiger Teenager, der das Leben genießen und nicht mit Lernerei verschwenden will. Doch in ihrer Rebellion sieht sie nicht, wohin ihr Weg schließlich  führen wird. An Education ist ein feinfühliges coming of age-Drama aus der Feder des britischen Starautoren Nick Hornby. Gespickt mit liebevoll gezeichneten Figuren präsentiert die dänische Regisseurin Lone Scherfig einen Film, der vor allem durch sein stark aufspielendes Schauspielensemble zu begeistern weiß. Carey Mulligan als Zentrum des Films trägt diesen mit einer wunderschönen Leichtigkeit, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte spinnt. Ob als sich unterordnende Einserschülerin oder rebellierender Teenager, Mulligan sorgt stets dafür, dass das Handeln ihrer Jenny als logische Konsequenz ihrer Umwelt erscheint und so die Sympathie nie in Antipathie umschlägt. Sie spielt eine sehr ambivalente Figur, stets auf der Gradwanderung zwischen erwachsenem Weitblick und kindlicher Naivität. Und diese zwei Seiten ihrer Figur kann sie in An Education voll ausspielen. Mit der Liebe für französische Musik und Filme der nouvelle vague stößt sie vor allem bei ihrem strengen Vater auf strikte Gegenwehr. Ihre Zeit soll sie nicht mit Kunst vergeuden, schon gar nicht mit französischer. Er drängt seine Tochter zu Höchstleistungen in der Schule, da er in einem Studium in Oxford den einzigen Weg für sie erkennt, aus der proletarischen Mittelschicht auszubrechen. Jenny ordnet sich dem unter, nicht nur, weil sie nicht anders kann, sondern auch weil sie erkennt, dass ihr Vater letztendlich Recht hat. Sie hat einen Weg für sich gefunden, die Strenge ihres Elternhauses, den Leistungsdruck und ihre Vorliebe für alles Französische unter einen Hut zu bekommen. Als sie aber den geheimnisvollen David kennenlernt, entzieht sie sich immer mehr dem Bann ihrer Eltern. Hier zeigt sich endgültig, dass in Jenny trotz ihrer erwachsenen Schale immer noch ein Kind schlummert, das geführt werden will, das sich den Fängen eines Stärkeren nicht entgegenwehren kann. Und so führt die David ein in eine Welt voller Partys, voller Konzerte und durchgezechten Nächten in Clubs. Der Charmeur verzaubert sie, entführt sie in eine neue Welt, die für Jenny immer ein Traum war. Sie realisiert für sich, dass das ganze Lernen in der Schule nur vergeudete Zeit ist, dass das Leben da draußen spielt in den Theatern Londons, in den Bars und in den Gassen. Peter Sarsgaards Leistung in dem Film ist, seiner Figur durch die Verschlossenheit, die er ihr gibt, durch das Geheimnisvolle und Doppeldeutige, einen starken Gegenpol zu Carey Mulligan zu schaffen. Es ist die knisternde Spannung zwischen den beiden gegensätzlichen Figuren, aus der die Geschichte eine enorme Kraft zieht, der schier endlose Wechsel zwischen Harmonie und Disharmonie. Doch auch neben den beiden Hauptdarstellern spinnt das Drehbuch ein Netz aus unterschiedlichen Figuren, die alle ihre Funktion in ihrer Wirkung auf Jenny erfüllen. Ihr strenger Vater, der ihre Zügel in der ersten Hälfte des Films in der Hand hält, stark gespielt von Alfred Molina, Davids Freund Danny, der als eine Art Zwischenstück zwischen Jenny und David geschrieben ist, mit einer großen Note Arroganz gespielt von Dominic Cooper und Dannys Freundin Helen, gespielt von Rosamund Pike, die zwar intellektuell nicht mit ihrem Umfeld mithalten kann, aber Jenny einen gewissen Halt gibt – es ist die Vielseitigkeit der Charaktere, die einen herausragenden Anteil an der Geschichte hat. Das Ende inszeniert Scherfig letztlich konsequent, obschon sich der eine oder andere Zuschauer da vielleicht mehr Mut bei Hornby und der Regisseurin gewünscht hätte. An Education ist eine wunderschöne Romanze und ein mit liebevoll gezeichneten Figuren bestücktes coming of age-Drama, das von Regisseurin Scherfig mit tollen Bildern in Szene gesetzt wurde. An Education ist aber auch eines – Schauspielkino par excellence mit einer Hauptdarstellerin, die sich mit dieser Rolle einen festen Platz in Hollywood erarbeitet haben dürfte. (8/10)

★★★★★★★★☆☆

Wolfman

Kurzkritik

Unter keinem guten Vorzeichen stand von Anfang an das Remake zum Horrorklassiker The Wolf Man von 1941. Angekündigt im März 2006, sollten der Drehbuchautor Andrew Kevin Walker sowie Hauptdarsteller Benicio Del Toro und Regisseur Mark Romanek (One Hour Photo) die Arbeiten an dem Projekt übernehmen. Wegen kreativer Differenzen schied Romanek aber kurz darauf aus. Mit Brett Ratner, Frank Darabont, James Mangold, Joe Johnston, Bill Condon und Martin Campbell bemühte sich Universal um eine Reihe prominenter Regisseure, die aber alle nicht mit dem bisherigen Drehbuchentwurf von Walker zufrieden waren. 2008 schließlich sagte Joe Johnston zu unter der Bedingung, dass David Self das Drehbuch überarbeitet. Viele Köche verderben den Brei, sagt ein altes Sprichwort. Und so merkt man Wolfman auch an, dass das Drehbuch durch mehrere Hände gewandert ist und die ursprüngliche Version nach und nach durch Zugeständnisse an die Regisseure zerpflückt wurde. Wer einen durch und durch dramaturgisch stimmigen Film mit einer kohärenten Handlung und tiefgründigen Figurenstudien erwartet, wird von Wolfman enttäuscht werden. Nebenhandlungen werden zum Teil nicht auserzählt, wichtige Vorgeschichten höchstens angedeutet und immer mal wieder lediglich Versatzstücke guter Ideen eingestreut. Das Drehbuch ist eine wahre Katastrophe, oberflächlich, inhaltsleer und klischeebeladen. Dass Wolfman aber trotzdem funktioniert, liegt an seiner audiovisuell hervorragenden Inszenierung. Die Bilder von Shelly Johnson sind eine Wucht, erzeugen mit ihrem Spiel aus Licht und Dunkelheit, Grau-/ und Schwarztönen eine ungeheure Atmosphäre. Das akribisch erarbeitete Set Design bringt mit sehr viel Liebe zum Detail das Viktorianische Zeitalter zurück auf die Leinwand. Es sind die Bilder, die in Wolfman zu fesseln vermögen und nicht die Geschichte, die letzlich eher als Aufhänger dient. Optisch erinnert der Film gar an Werke von Tim Burton – was durch den hervorragenden Score von Burtons Hauskomponisten Danny Elfman unterstrichen wird. Elfman, dessen Musik ursprünglich aus dem Film herausgenommen wurde, weil sie dem Testpublikum missfiel und später dann nach dem für das Studio enttäuschendem Score von Paul Haslinger wieder integriert wurde, untermalt mit der typisch Elfman’uesquen Düsterheit und musikalischen Virtuosität perfekt die Fotografien und trägt so einen großen Teil an der Atmosphäre des Films bei. Auch Del Toro sorgt mit seiner fast animalischen Präsenz dafür, dass die Drehbuchschwächen nicht groß ins Gewicht fallen. Sowieso, der Cast besticht durch Schauspieler, die auch ohne ausgefeilte Figuren ein gewisses Charisma auf der Leinwand versprühen. Wolfman ist ein harter Horrorfilm, bei dem, überraschend für eine Studioproduktion, nicht mit Gore-Effekten gegeizt wird. Das Drehbuch ist löchrig wie ein Schweizer Käse und kommt deshalb manchmal sogar etwas trashig daher. Die Inszenierung aber reißt es komplett raus – die Fotografien sind wunderschön und stimmig, Elfman Score famos und die Darsteller perfekt besetzt. Man darf gespannt sein, was der knapp 20 Minuten längere Extended Cut auf DVD & Blu-ray noch so bereit hält. (7/10)

★★★★★★★☆☆☆

Invictus

Kurzkritik

Es ist immer wieder erstaunlich, wie es Clint Eastwood mit mittlerweile fast 80 Jahren schafft, nahezu jährlich einen Film zu veröffentlichen. Dieser Mann ist arbeitswütig und voller Ideen, und seine Filme scheinen mit wachsendem Alter immer besser zu werden. Mystic River, Million Dollar Baby, Letters From Iwo Jima oder Gran Torino – ein Auszug aus der Filmografie Eastwoods der letzten zehn Jahre lässt jeden Cineasten mit der Zunge schnalzen. Umso freudiger waren die Erwartungen, als Eastwood, einer der größten Regisseure unserer Zeit, ein Biopic zu Nelson Mandela, einem der größten Persönlichkeiten unserer Zeit, ankündigte. Ein Film der Superlativen sollte es werden, und mit seinem guten Freund Morgan Freeman fand Clint Eastwood die Idealbesetzung für den früheren südafrikanischen Präsidenten. Doch qualitativ will sich Invictus nicht nahtlos einfügen in die Liste großartiger Filme Eastwoods. Denn anstatt der Komplexität der Figur Nelson Mandela in einem Land voller Rassenwahn an den Leib zu rücken, konzentriert sich das Drehbuch auf einen kurzen Zeitraum von Mandelas Wahl zum Präsidenten 1994 bis zur Rugby-WM im eigenen Land 1995. So ist Invictus eher Sportdrama als Politdrama und zeigt somit einen limitierten Blick auf Mandela. Sicherlich, Eastwood deutet in vielen Szenen die Diskrepanz zwischen der weißen und schwarzen Bevölkerung in Südafrika an. Doch die bedrohliche Stimmung, die in dem Land nach Mandelas Machtübernahme herrschte, die Vergeltungsanschläge der ehemals unterdrückten Schwarzen, die horrende Staatsverschuldung oder die Landstreitigkeiten zwischen weißen Großgrundbesitzern und kleinen schwarzen Bauern thematisiert der Film gar nicht. Das Pulverfass Südafrika, das stetig zu explodieren drohte, fängt Eastwood nicht ein. Vielmehr konzentriert er sich auf den geschickten diplomatischen Schachzug des Präsidenten, die Bevölkerung mit einer erfolgreichen Rugby-WM zu vereinen. Dieser konzentrierte Blick erlaubt zwar eine tiefgründigere Charakterisierung der Nebenfiguren, verschenkt aber von vornherein ein ungeheures Potential. Betrachtet man Invictus dann als reines Sportdrama und blendet den Rest aus, erwartet den Zuschauer ein vor allem in den Rugby-Szenen toll inszenierter Film, der trotz des allseits bekannten Endes nie an Spannung verliert. Eastwoods Bilder begeistern wie eh und je, schlicht aber effektiv, pathetisch aber nie übertrieben. Es ist aber vor allem Morgan Freeman, dessen beeindruckende Performance den ganzen Film zusammenhält. Nicht nur optisch ähnelt Freeman dem Friedensnobelpreisträger von 1993, auch seine Mimik und Gestik zeugen von seiner großen schauspielerischen Brillanz. Freeman verschmilzt mit seiner Rolle und geht in ihr auf – sogar mit passablem südafrikanischem Akzent. Matt Damon als südafrikanischer Teamkapitän Francois Pienaar zeigt hingegen, dass seine schauspielerischen Fähigkeiten stärker limitiert sind als die seines Kollegen Freeman. Seine beschränkte Mimik ist zwar perfekt für Actionfilme, doch als Zentrum einer Mannschaft, deren Leistung über das Schicksal der Bevölkerung entscheiden kann, ist seine Präsenz zu klein. Invictus ist in seiner Summe ein feiner Sportfilm, der die politischen Hintergründe nicht tiefgründig genug abhandelt und so seinem Anspruch, ein Biopic Nelson Mandelas zu sein, nicht gerecht wird. Anschauen sollte man sich Invictus trotzdem – allein wegen der großartigen Performance von Morgan Freeman. (5/10)

★★★★★☆☆☆☆☆

The Lovely Bones – In Meinem Himmel

Kurzkritik

Schon weit vor seiner Veröffentlichung galt Peter Jacksons The Lovely Bones als einer der großen Favoriten auf die kommenden Oscars. Die Vorzeichen hätten auch nicht besser sein können: ein Regisseur, der nach vier opulenten Werken endlich wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt, eine hoch gelobte Romanvorlage und ein interessanter Cast rund um Jungstar Saoirse Ronan versprachen einiges. Versprechungen, die Jackson letztendlich aber nicht halten konnte. Zu offensichtlich zeigen sich die Probleme, welche die Komplexität des Stoffes dem Regisseur bereiteten. The Lovely Bones ist ein unrunder Film, bei dem sich in 140 Minuten Laufzeit kein roter Faden in der Geschichte zu erkennen gibt. Zu abrupt sind die steten Wechsel zwischen Drama und Thriller, zu ungestüm die Versuche, Elemente aus Mystery und Komik zu integrieren. Man könnte fast meinen, Jackson inszeniert mit dem Holzhammer, seelenlos, um den Facettenreichtum der Vorlage gerecht zu werden. Der Regisseur verpasste es, den Fokus auf einen Handlungsstrang zu legen, um entweder ein feinfühliges Drama oder einen spannenden Thriller zu inszenieren. So ist The Lovely Bones ein kruder Mischmasch aus beidem, aber nichts Halbes und nichts Ganzes. Jackson lässt dem Zuschauer keine Chance, die ohne Frage ästhetisch inszenierten Szenen auf sich wirken zu lassen, lässt ihm kein Freiraum für eigene Gedanken. Eine Sequenz jagt die nächste, auf eine Aktion folgt eine sofortige Reaktion, ohne Pause, untypisch für dieses Genre. Der Regisseur will die Geschichte schnell nach vorne treiben, will viel erzählen und erzählt doch so wenig. Die Trauerarbeit der Eltern (Mark Wahlberg & Rachel Weisz) zum Beispiel deutet er nur an, ohne jedoch jemals auf sie einzugehen. Er verpasst es, den Figuren Gefühle, gar eine Seele zu geben. Die so erzeugte Antipathie raubt den Thriller-/ und Krimielementen, der Suche des Vaters nach Susies Mörder schließlich den Nährboden. Inhaltlich fehlt dem Film eine klare Linie, die Peter Jackson inszenatorisch hingegen radikal entlang schreitet. Das Set-Design des Films ist grandios, der Regisseur setzt das Amerika der 70er formidabel in Szene. Dabei heben sich seine Bilder von denen seiner Kollegen ab, denn die gefilterten digitalen Bilder erzeugen einen neorealistischen Charme, der anfangs fesselt und im Verlaufe der Geschichte trotz des lückenhaften Inhalts immer wieder den Zugang zum Film erleichtern. Sowieso, der Wechsel zwischen Realität und den Bildern aus dem Himmel ist rund, die Bilder verschmelzen zu einer Einheit, wie es die Geschichte an keiner Stelle erreicht. Neben den Bildern sind es vor allem die zwei Schauspieler, deren Rollen weitaus weniger limitiert und denen Jackson Gestaltungsfreiraum lässt, deren Präsenz noch nachhaltig in Erinnerung bleibt. Stanley Tucci spielt den Serienkiller George Harvey mit einer komplexen Subtilität, zeichnet das Bild eines Psychokillers, in dem das Böse unter der scheinbar gut bürgerlichen Oberfläche brodelt. Die komplette Spannung des Films entwickelt sich aus seiner Figur, er ist ihr eigentlicher Star. Auch Saoirse Ronan, die schon bei Abbitte eine großartige schauspielerische Leistung ablieferte, darf vor allem in den coming of age-Elementen ihr breit gefächertes Potential andeuten. Mark Wahlberg, Rachel Weisz und Susan Sarandon hingegen haben so eingeschränkte Rollen, dass sie ihnen nichts weiter bleibt als vom Drehbuch abzulesen. Jackson lässt ihnen keinen Freiraum für Interpretationen, was im Anbetracht des Potentials der Rollen und Schauspieler ein riesiges Ärgernis ist. Sowieso, Potential hatte der Film. Wenn Jackson seine visuelle Vision  auch auf die inhaltliche Ebene übertragen hätte, sich konzentriert hätte auf wenige Hauptstränge der Geschichte, hätten wir mit Sicherheit einen großartigen Film sehen dürfen. So bleibt der fade Beigeschmack, dass Peter Jackson The Lovely Bones fast gewaltsam auf die Awardseason getrimmt hat. Ohne Blick aufs Wesentliche. (4/10)

★★★★☆☆☆☆☆☆

Up In The Air

Kurzkritik

Die Wirtschaftskrise hat endgültig Hollywood erreicht. Nicht nur monetär, sondern auch inhaltlich. Denn Ryan Bingham (George Clooney) arbeitet für eine Firma in Omaha, die im Auftrag von Managern deren Angestellte feuert – quer durch Amerika. Gerade in diesen Zeiten ein lukrativer Job. Bingham ist ein Vorzeigebeispiel eines typisch modernen Beschäftigten, mobil, selbstbewusst, eiskalt. Er liebt seinen Job, den er sich mit Zynismus erträglicher zu gestalten versucht. Bingham ist kein Familienmensch, ist Single, mit seinem Beruf verheiratet. Dementsprechend setzt er sich andere Ziele im Leben als Frau und Kinder: er will als erst siebter Mensch überhaupt die magische Zehn-Millionen-Meilen-Grenze überschreiten. Umso mehr gerät sein Leben ins Wanken, als die junge Studienabgängerin Natalie (Anna Kendrick) zusammen mit seinem Chef (Jason Bateman) das Firmenkonzept revolutionieren will: keine persönlichen Entlassungen mehr, sondern Entlassungen per Videochat übers Internet. Bingham kann seinen Chef überzeugen, die unerfahrene Anna erst einmal auf ein paar Touren mitzunehmen. Denn mit der firmlichen Strukturänderung würde Bingham so ziemlich alles verlieren, was sein Leben ausmacht.

Es ist schwierig, Up In The Air einem bestimmten Genre zuzuordnen. Jason Reitmans Film ist manchmal ein feinfühliges Drama, manchmal eine scharfzüngige Komödie, mal charmant, doch in der nächsten Szene schon wieder voller Zynismus. Er ist von der ersten Sekunde an voller Abwechslungsreichtum und voller Ideen und möchte von vornherein in keine Schublade gesteckt werden. Reitman und sein Co-Autor Sheldon Turner legen mit der Adaption von Walter Kirns Roman “Der Vielflieger” eines der besten Drehbücher der letzten Jahre vor, mit einer Präzision und Bissigkeit, wie es nur wenige Filme in den letzten Jahren hatten. Sie schaffen mit Leichtigkeit den Spagat zwischen den Genres, aber auch den Spagat zwischen Unterhaltung und Anspruch. Die klugen Dialoge sind wie geschaffen für George Clooney, der mit einer schwebenden Leichtigkeit Ryan Bingham mimt und zurecht einer der großen Anwärter auf den Hauptdarstelleroscar ist. Nur Clooney schafft es wohl, seine Figur trotz deren Berufes derart charmant herüberzubringen und dem Zuschauern nicht zu missfallen. Dies, die Sympathie des Zuschauers gegenüber Bingham, ist eine tragende Stütze des Films, um dessen subtile Zerrissenheit und heimliche Suche nach einem normaleren Leben zu demonstrieren. Neben Clooney glänzen in dem bis in die kleinste Nebenrolle stark besetzten Film vor allem Anna Kendrick und Vera Farmiga, in deren Figur Alex Bingham im Verlauf der Geschichte eine Seelenverwandte zu finden scheint. Es wäre zu wünschen, dass Up In The Air bei den Oscars mit dem ein oder anderen Preis ausgezeichnet werden würde, was bei der Übermacht von The Hurt Locker und Avatar aber schwierig werden sollte. Reitman hat zumindest eines gezeigt – er ist als Autor und als Regisseur endlich an der Spitze Hollywoods angekommen. Mit einem der besten Filme des Jahres. (9.5/10)

★★★★★★★★★½

Kurzkritiken: Kinoschnelldurchlauf #4

A Serious Man

Mit ihrer rabenschwarzen Tragikomödie A Serious Man besinnen sich Joel und Ethan Coen nach Filmen wie No Country For Old Men oder Burn After Reading zurück auf ihre jüdischen Wurzeln. Im Mittelpunkt des Films steht Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg), ein Physikprofessor im Amerika der späten 60er  Jahre. Sein idyllisches Leben kommt auf einmal ins Bröckeln, als seine Frau (Sari Lennick) ihm eröffnet, eine Affäre mit seinem verwitweten Nachbarn Sy Ableman (Fred Melamed) zu haben, seine Kinder statt Schule lieber Kiffen und Stehlen, sein Bruder Arthur (Richard Kind) sich auf Grund privater Probleme bei ihm einnistet und zu guter letzt ein Student ihn mit einer Stange Geld zu bestechen versucht. Wie ein Kartenhaus fällt sein Leben zusammen. Eine Kettenreaktion tritt in Gang, an deren Ende der geschasste Larry Hilfe bei den Rabbis der Gemeinde sucht. Die Coens bedienen sich offensichtlich der Geschichte von Ijob aus dem Tanach, der hebräischen Bibel. Ijobs Glaube wurde von Satan schwer geprüft – Prüfungen und Schicksalsschläge sollten Gott zeigen, dass sein Glaube nur so lange besteht, wie Gott eine schützende Hand über seinen Besitz hält. Larry, der sich fragt, welche abscheulichen Taten er begangen haben muss, um so bestraft zu werden, fällt nicht vom Glauben ab. Bei den Rabbis wähnt er seelischen Beistand, sucht Antworten, die er jedoch nicht erhalten wird. Anders als Ijob erliegt er schließlich am Ende des Films der satanischen Versuchung und wird prompt bestraft. Wie, zeigen die Coens nicht. Sie blenden einfach ab. Die Coens überlassen ihre Figuren dem Schicksal, etwas, was nur sie mit ihrem tiefschwarzen und zynischen Stil zu vermögen können. A Serious Man ist ein Kuriosum, ein Sammelsurium mysteriöser Ereignisse, eine wundervolle Parabel mit einer echten Neuentdeckung in der Hauptrolle. (7.5/10)

It’s Complicated (Wenn Liebe So Einfach Wäre)

Im Pool der zahlreichen RomComs, die jedes Jahr das Licht der Welt erblicken, ist es manchmal nicht leicht, kleine Perlen zu entdecken. Zu durchwachsen ist meist die Qualität, zu kommerziell ihre Ausrichtung. Mit It’s Complicated jedoch vermag endlich mal wieder eine RomCom zu gefallen. Als Glücksgriff erweisen sich dabei zwei Dinge: das Drehbuch und der Cast. Nancy Meyers gelingt der schwierige Spagat zwischen gekonntem Witz und übertriebener Gefühlsduselei und präsentiert einen Film, der 120 Minuten Spaß macht. Jane Adler (Meryl Streep) ist eine typisch moderne Frau. Als dreifache Mutter und erfolgreiche Inhaberin einer Bäckerei führt sie ein geregeltes Leben, auch ohne Mann, denn vor zehn Jahren ließ sich ihr Ehemann Jake (Alec Baldwin) für eine jüngere Frau scheiden. Auf einer Familienfeier jedoch landen Jane und Jake nach genügend Drinks wieder gemeinsam im Bett. Es entwickelt sich eine Affäre, die sie auch vor ihren Kindern geheim halten. Als zusätzlich der bodenständige Innenarchitekt Adam (Steve Martin) in Janes Leben tritt, ist das Chaos perfekt. Meyers treibt ihre Figuren durch allerlei komische und pointierte Situationen, nimmt sich jedoch zwischendurch immer wieder Zeit, mit zurückgenommenem Tempo in sie hineinzuschauen. It’s Complicated lebt so unter anderem von seinem Abwechslungsreichtum, seinen lustigen wie auch dramatischen Momenten. Einen erheblichen Anteil daran hat der blendend aufgelegte Cast, dem man den Spaß am Drehen ansieht. Meryl Streep liefert eine Performance ab, die zwar subtiler und ruhiger als die in Julie & Julia, aber gerade deswegen um einiges stärker ist. Es ist schon erstaunlich, wie man der mittlerweile 60-Jährigen die Hauptrolle in einer romantischen Komödie immer noch abnimmt. It’s Complicated dürfte jetzt schon ein Anwärter auf die Komödie des Jahres sein, so rund, wie sich der Film präsentiert. (7/10)

Sherlock Holmes

Nach mehr als zehn Jahren im Filmgeschäft wagt Regisseur Guy Ritchie nun den Sprung nach Hollywood – mit einer typisch englischen Geschichte im Gepäck und einem für seine Verhältnisse bombastischen Budget. Regietechnisch macht Ritchie dabei auch alles richtig, er transformiert die etwas angestaubte Figur Sherlock Holmes in die Moderne. Zwar spielt die Geschichte immer noch Ende des 19. Jahrhunderts, doch der Detektiv wirkt in Ritchies Version wie aus einem Superheldencomic entsprungen, modern, hip und trendig. Robert Downey Jr. brilliert in der Rolle mit purem Zynismus und sichtlichem Spaß, darf sich austoben wie sich Darsteller nur bei Ritchies Filmen austoben dürfen. Selbst Jude Law spielt seinen Part als Dr. Watson ohne größere negative Auffälligkeiten. Doch so gut Ritchie auch gegen das mangelhafte Drehbuch ankämpft, ausmerzen kann er dessen Probleme nicht ganz. Die Geschichte plätschert nur so vor sich hin, der Plot ist alles andere als spannend und vorhersehbar. Für eine Laufzeit von mehr als zwei Stunden passiert zu wenig, um den Zuschauer wirklich zu begeistern.  Zwar wird das Geschehen durch einige gute vor allem komödiantische Einfälle aufgelockert, doch wahres Krimi-Feeling kommt nie auf. Zu unentschlossen ist das Drehbuch, ob es nun Komödie, Kriminal-/, Abenteuer-/ oder Actionfilm sein will. Guy Ritchies Version von Sherlock Holmes hinterlässt einen zwiegespaltenen Eindruck. Auf der technischen Seite überragend, kommt die inhaltliche Komponente viel zu kurz. Auf das sichere Sequel darf man sich trotzdem freuen, denn als Start in ein neues Franchise taugt der Film allemal. (5/10)

Friendship!

Ein Roadmovie aus Deutschland hat es bisher noch nicht oft gegeben. Ein gutes Roadmovie aus Deutschland war noch seltener. Umso erfrischender kommt Friendship! daher, ein Film, der die beiden Freunde Veit (Friedrich Mücke) und Tom (Matthias Schweighöfer) auf ihrer Reise quer durch die USA begleitet. Es ist 1989, die Mauer ist gerade gefallen. Veit und Tom wollen endlich die große weite Welt sehen – am besten in Form der Golden Gate Bridge, dem westlichsten Punkt der Erde. Danach kommt bekanntlich schon Asien. Ihr Geld reicht jedoch nur für einen Flug nach New York. Ohne Geld in der Tasche trampen sich die beiden durch Amerika und begegnen dabei den unterschiedlichsten Charakteren. Ob verkiffte Cartoon-Zeichner, dumme Südstaaten-Blondchen oder eine Rockergang – Friendship! lebt von seinen Figuren, die glücklicherweise nicht ins Unerträgliche überspitzt sind, sondern mit einem kleinen Augenzwinkern die große weite Welt aus der Sicht der zwei Ex-DDR-Bürger zeigen. Sowieso, der Comedy-Faktor kommt zwar nicht zu kurz, doch Friendship! als reine Komödie zu bezeichnen, wäre schlichtweg falsch. Dafür sorgen schon die zwei großen Neuentdeckungen des Films. Friedrich Mücke liefert neben den gewohnt aufgeregten Matthias Schweighöfer ein ruhiges und pointiertes Spiel ab, das gerade im Hinblick auf das Ende, welches vielleicht nicht jedem gefallen dürfte, sich aber vollends in das Gesamtbild fügt, eine große Bereicherung für die Geschichte darstellt. Regiedebütant Markus Goller hingegen besinnt sich auf seine Wurzeln als Werbefilmer und legt einen technisch einwandfreien Film mit teilweise wunderschönen Fotografien vor. Friendship! ist, gerade nach dem verulkten Trailer, eine der größten Überraschungen des noch jungen Kinojahres. Ein Film über Freundschaft und Abenteuer, aber auch ein Film über die große Freiheit in einem weiten Land. (7/10)

Kurzkritiken: Kinoschnelldurchlauf #3

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X-Men Origins: Wolverine

Es ist quasi nur konsequent, dass die Sequel-Schmiede Hollywood auf kurz oder lang dem unangefochtenen Star der drei X-Men-Verfilmungen ein eigenes Spinn-Off spendierte. Hugh Jackman alias Wolverine schaffte mit dieser Rolle den Durchbruch als Schauspieler und avancierte zu einem der größten männlichen Stars des Filmgeschäfts. Viele Fragen zu seiner Figur blieben aber bisher offen, zum Beispiel wie aus Logan überhaupt Wolverine wurde und auf welchen Pfaden er in der Vergangenheit wanderte. Genau hier setzt X-Men Origins: Wolverine an. Als Prequel erzählt der Film Logans Werdegang vom Kind, welches nach seiner ersten Verwandlung den Mörder seines Vaters umbringt und sich mit seinem Bruder Victor (Liev Schreiber) durch die Weltgeschichte schlägt. Ob in den beiden Weltkriegen oder im Vietnam – Logan und sein Bruder kämpfen sich quasi unverwundbar durch die Front und geraten so in die Hände des zwielichtigen Oberst William Stryker (Danny Huston), der einen Spezialtrupp, bestehend aus Mutanten, zusammenstellt. Als der Trupp bei einem nächtlichen Einsatz in einem abgelegenen Dorf auch Zivilisten töten soll, um an Informationen zu gelangen, zieht sich Logan für immer in die kanadischen Berge zurück. Dort führt er ein ruhiges Leben in den Armen seiner großen Liebe Kayla Silverfox (Lynn Collins), welches durch den durchgeknallten Victor aber ein jähes Ende findet. Dieser will nur eines – Logan sterben sehen. Als er Kayla tötet, begibt sich Logan getrieben von Rache wieder in die Obhut von Stryker. Dieser unterzieht Logan einer außergewöhnlichen Prozedur, das ganze Skelett mit dem Metall Adamantium zu überziehen. Die Geburt von Wolverine.

X-Men Origins: Wolverine fügt sich nahtlos ein in die Riege der Sommerblockbuster des Jahres 2009. Man setzt auf viel Action, zugeschnitten auf eine breite Zielgruppe, und verzichtet weitestgehend auf besonders großen Tiefgang oder besonders schwierige Dialoge. Der Film ist ein straighter Actioner, nicht mehr und nicht weniger. Sicherlich ein Grund, warum er bei vielen Fans und Kritikern, vor allem aber bei Fans der Comics, durchgefallen ist. Der Stoff bietet nämlich mehr als Action, bietet einen höchst ambivalenten Charakter in einer ambivalenten Bruderbeziehung. Doch diese Punkte arbeitet der Film nur oberflächlich ab. Was zählt, zeigt schon der zugegeben starke Vorspann. X-Men Origins: Wolverine macht keine Kompromisse und geht keine Risiken ein. Gut inszeniert treibt die Geschichte den Protagonisten von einer Action-Szene in die nächste, setzt auf einen typischen Spannungsbogen, ohne besonderen Schnick-Schnack. Dass dies auf voller Filmlänge funktioniert, liegt nicht zuletzt an Hugh Jackman. Dieser geht voll auf in seiner Rolle und man sieht ihm förmlich den Spaß an, als Wolverine durch die Szenen zu hatzen. Neben Jackman ist es aber auch Danny Huston, der einmal mehr beweist, dass er ein Brett in der zweiten Reihe einer Großproduktion ist. Ein bisschen mehr Tiefgang hätte X-Men Origins: Wolverine sicherlich gut getan, so bleibt aber ein Film, der über seine komplette Länge unterhält, ohne besonders lange in Erinnerung zu bleiben. (6/10)

Illuminati

Mit einem weltweiten Einspielergebnis von sagenhaften 758 Millionen Dollar erwies sich The Da Vinci Code vor drei Jahren als wahrer Besuchermagnet. Schon der Erfolg der zugrunde liegenden Bücher von Dan Brown zeigte, dass die Menschen fasziniert sind von den zwischen Wahrheit und Fiktion liegenden Geschichten um geheime Machenschaften des Vatikan, Brüderschaften und Weltverschwörungsszenarien. Klar, dass da ein Sequel vorprogrammiert war. Wieder einmal schickt Regisseur Ron Howard seinen Hauptdarsteller Tom Hanks nach Europa, um diesmal den Vatikan vor der größten Katastrophe seiner Geschichte zu bewahren. Nach dem Tod des Papstes drohen Unbekannte mit einem Anschlag, der den ganzen Kirchenstaat den Erdboden gleichmachen würde. Vier entführte Kardinäle sollen der Forderungen Nachdruck verleihen. Eine Spur führt die römische Polizei zu den Illuminaten – und damit zu Professor Langdon (Hanks), den renommiertesten Symbolforscher der Welt. Viel hatte Ron Howard falsch gemacht bei The Da Vinci Code. Der Spannungsbogen hat nicht funktioniert, viel zu lang und zäh und viel zu konstruiert wirkte der Film. Doch Howard hat anscheinend aus seinen Fehlern gelernt – zumindest zum Teil. Illuminati weiß von Anfang an, eine interessante Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer, auch den, der die Bücher nicht kennt, fesselt. Temporeich geht es voran, im Vergleich weniger dialoglastig und actionreicher. Dafür sorgen auch die Figuren der zweiten Reihe, die mit Ewan McGregor, Armin Mueller-Stahl oder Ayelet Zurer vortrefflich besetzt sind. Doch eines hat Howard auch bei Illuminati nicht aufgeben können, seinen Hang zum Prätentiösen, der die eine oder andere Szene gar ins Lächerliche abrutschen lässt. Auch Nikolaj Lie Kaas weiß als Bösewicht nicht wirklich zu gefallen und bleibt während des ganzen Films blass. Trotzdem ist Illuminati ein spannender und harter Film, der mit Abstrichen überzeugt. (6/10)

Crank 2

[…] Was mir Mark Neveldine und Brian Taylor […] vorsetzten gleicht einer öffentlichen Verbrennung der Kreativität. O.K., die meisten Sequels erzählen den ersten Teil noch einmal neu, und niemals war dies vor dem Erscheinen eines zweiten Teils so offensichtlich und auch erwünscht wie im Falle von Crank 2. Natürlich versuchen die meisten Fortsetzungen ihren Vorgänger zu überbieten, aber mir fällt beim besten Willen keine Fortsetzung eines Films ein, die schon auf den ersten Metern der Filmrolle dabei dermaßen verkackt wie eben Crank: High Voltage. Alle Zutaten, die Crank so lustig, kurzweilig, political incorrect und einfach nur sympathisch Gaga machten, werden von Neveldine und Taylor in einem nur noch als impertinent zu bezeichnenden Schwall von Einfalt über die Grenzen zur Peinlichkeit ins Land des Fremdschämcontents hinüber gespült. Mehr als noch mehr Wackelkamera, noch mehr Schnitte, noch abstrusere Einstellungen sind den beiden Regisseuren nicht zum Thema Steigerung eingefallen. Zynismus verkommt zum platten Eiertreterhumor. […]

Treffender als Blogger-Kollege tumulder (komplette Kritik) kann ich es nicht ausdrücken. Alles das, was den ersten Teil so groß machte, macht das Sequel falsch. Unlustig, unspektakulär, dumm und nervig. Es ist quasi eine göttliche Fügung und große Gerechtigkeit, dass der Film an den Kinokassen so unterging. Schade eigentlich. (2/10)

Fast & Furious

Zugegeben, von den ersten drei Teilen der Fast & Furious-Reihe halte ich rein gar nichts. Umso überraschter war ich von Fast & Furious – Neues Modell. Original Teile., der neben einem dämlichen Titel auch mit einer großen Portion kurzweiliger Spannung aufwartet. Weg vom HipHop-/ und Latino-Image, hin zum überdrehten, aber ernsten Filmspaß. Der vierte Teil ist sicherlich der erwachsenste Teil der Reihe, was seiner Qualität zu gute kommt. Schon die Eröffnungssequenz, in der Dominic (Vin Diesel) und sein Team auf spektakuläre Weise einen Tanklastzug klauen, weiß zu gefallen. Hier werden natürlich jegliche Konventionen der Physik missachtet, doch das Testosteron geschwängerte CGI-Gewitter ist genau das richtige für einen gepflegten Männerabend. Überraschenderweise verkommt Fast & Furious dabei nicht zu einer reinen Actionhatz, sondern wartet mit einer überraschend soliden Geschichte auf, die natürlich keinen Oscar verdient, dem ganzen Treiben aber eine gewisse Stringenz verleiht. Natürlich lebt der Film, neben den obligatorisch stark in Szene gesetzten Verfolgungsjagden vor allem von seinen beiden Hauptdarstellern, die seit Teil 1 zum ersten mal wieder richtig vereint sind. Vor allem Vin Diesel mit seinen Muskelbergen fügt sich bestens in die Welt von Fast & Furious, deren Männlichkeit wieder cartoonhaft bis ins Unermessliche ausgereizt wird. Das ist zwar manchmal peinlich, aber ungemein unterhaltend. Zum ersten mal. (6/10)

Drag Me To Hell

Sam Raimi ist zurück. Zum ersten Mal seit Army Of Darkness (1992) wagt sich der Kultregisseur zurück zu seinen Wurzeln in das Horrorfach. Und wie. Drag Me To Hell ist erschreckend, böse, lustig, unterhaltsam, spannend – zumindest in den ersten 60 Minuten. Danach flacht die Geschichte leider zunehmend ab, Leerlauf schleicht sich ein. Das ist schade, denn das Niveau der ersten Stunde ist den meisten aktuellen Horrorfilmen weit erhaben. Raimi zeigt sein ganzes Können, zeigt, dass auch heutzutage noch Horrorfilme produziert werden können, die nicht durch derbe Bilder, sondern durch perfekt platzierte Schockmomente punkten. Splatterszenen bedarf es in Drag Me To Hell nicht, um eine dichte und erschreckende Atmosphäre zu erzeugen. Raimi genügt eine einfache Geschichte um die aufstrebende Bänkerin Christine (Alison Lohman), die von einer alten Zigeunerin (Lorna Raver) verflucht wird. Ist dieses Grundsetting in den ersten zehn Minuten gelegt, beginnt die psychopathische Hatz. Ein genialer Score, schockierende Soundeffekte und die schön fotografierten Bilder treiben Christine durch die Szenen, stets verfolgt von undurchsichtigen Dämonen. Raimi spielt hier sein ganzes inszenatorisches Können aus, platziert überraschende Schreckmomente, die dem Zuschauer endlich mal wieder etwas abverlangen. Gespickt mit Filmzitaten und einem schön schwarzen Humor weiß Drag Me To Hell wirklich zu gefallen – bis dem Drehbuch nach einer Stunde die Ideen ausgehen. Bis zum großen Finale plätschert der Film auf einmal vor sich hin, lahm und zäh, so gar nicht gruselig. Hier wäre das Darstellerensemble, allen voran Alison Lohman gefragt, die Schwächen zu überspielen. Doch das gelingt auch ihnen leider nicht. Zu allem Überfluss ist der finale Endtwist total vorhersehbar und überrascht in keinster Weise mehr. Schade eigentlich, denn Drag Me To Hell hätte das Zeug zu einem kleinen aber feinen modernen Horrorklassiker gehabt. Trotzdem empfehlenswert. (6.5/10)

Ice Age 3

Vor meinem ersten 3D-Erlebnis hatte ich Angst. Würden Story und Witze zu Gunsten der digitalen Effekte noch weiter runtergeschraubt? Dann würde ja im Vergleich zum grausigen zweiten Teil nichts mehr übrig bleiben. Doch weit gefehlt, der dritte Teil der erfolgreichen Ice Age-Reihe hat gegenüber seinem Vorgänger wieder kräftig zugelegt. Zwar kommt der Film bei weitem nicht an den ersten Teil heran, doch inhaltlich wirkt Ice Age 3 um einiges strukturierter und witziger. Es ist eine heimeliche Ruhe eingekehrt in der Eiszeit. Während Mammut Manfred und seine Frau Elli ihr erstes gemeinsames Kind erwarten, wird auch Sid von Muttergefühlen überrumpelt. Drei gefundene Eier, aus denen bald muntere Dinos schlüpfen, halten das Faultier mächtig auf Trab. Der Ärger beginnt erst, als Mutter T-Rex Sid samt ihrer Kinder in eine verborgene Unterwelt verschleppt – eine Welt der Dinosaurier. Nun liegt es an Sids Freunden, ihn aus den Fängen des Sauriers zu retten. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger schafft es Ice Age 3 von Beginn an, eine taugliche Geschichte zu erzählen. Die Gag-Dichte ist wieder etwas höher, auch wenn die Genialität des Witzes des ersten Teils nicht annähernd erreicht wird. Sowieso, an die Genialität der Drehbücher von Pixar reicht das von Ice Age 3 in keiner Szene heran. Zu zahm ist das ganze, zu kurzweilig. Dafür muss sich Fox in Sachen Animationen nicht mehr vor Pixar verstecken. Die Figuren, die Umwelt, alles wurde aufpoliert, die Optik glänzt durch horrende Detailtreue und Schärfe. Auch die 3D-Technik weiß zu gefallen, bringt sie doch unzählige neue Möglichkeiten der Visualisierung mit sich. Die Figuren erfahren in Ice Age 3 eine konstante Weiterentwicklung. Vor allem aber das einäugige Wiesel Buck, neuer Freund der Bande, bringt neue Frische ins Geschehen. Die Entscheidung, das sonst im Vorspann angierende Säbelzahnhörnchen Scrat in den Hauptfilm mit einzubauen, erweist sich aber als grober Fehler. Es machen sich erste Abnutzungserscheinungen breit, irgendwann ist Scrat mit dem manischen Hinterherjagen der Eichel nicht mehr lustig. (5.5/10)

Die Herzogin

Kurzkritik

duchess

Mit Die Herzogin beweist Keira Knightley einmal mehr ihr Gespür für historische Stoffe und schöne Kostüme. Wie auch schon in Stolz und Vorurteil und Abbitte geht die hübsche Britin in ihrer Rolle voll und ganz auf und untermauert ihren Stand in Hollywood. Die Vielschichtigkeit ihrer Figur, der Herzogin von Devonshire, transformiert sie mit sichtlicher Freude auf das Zelluloid, ob charmant und charismatisch in politischer Gesellschaft oder zerbrechlich im eigenen Hause. Ihr Mann, der eisige Herzog von Devonshire, ein Schürzenjäger und Widerling, erwartet von ihr nichts weiter als einen männlichen Erben. Als sie ihm drei Mädchen in Folge gebärt, wendet er sich gänzlich von seiner Frau ab und flüchtet sich in eine offene Affäre mit ihrer besten Freundin. Neben Knightley ist es vor allem Ralph Fiennes als unsympathischer Bösewicht, der dem Film seinen Stempel aufdrückt. Mit einem Augenzwinkern spielt er den egoistischen Herzog, dem selbst seine Hunde mehr bedeuten als seine Frau. Aus seiner Figur zieht der Film alle Register und peppt das doch eher gediegene Spektakel mit viel Wortwitz und schwarzem Humor gehörig auf. Denn eines muss dem Zuschauer von vornherein klar sein: Die Herzogin ist kein knalliger Popcorn-Film á la Marie Antoinette, sondern besinnt sich mehr auf die prachtvollen Kostüme, authentische Kulissen und eine konservative Inszenierung. Regisseur Saul Dibb macht keine großen Experimente, sondern greift zurück auf das altbewährte Prinzip des Historenschinkens. Dadurch verliert der Film sicherlich ein wenig an Reiz, denn gerade aus der Stellung der Protagonisten als Star und Modeikone hätte man mit einer bissigeren Inszenierung viel mehr herausholen können. Doch schlecht ist er deshalb nicht. Wer auf prunkvolle Kostümfilme steht, kommt mit Die Herzogin voll auf seine Kosten. Solide inszeniert, bietet der Film neben der optischen Komponente einen passenden Soundtrack und ein Darstellerensemble, das mit sichtlichem Spaß agiert und den Zuschauer so zwei Stunden lang in eine andere Welt entführt. Und wenn Keira Knightley jetzt noch ein paar Kilos zunimmt, ist sowieso alles in Butter. (6.5/10)

★★★★★★½☆☆☆

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