Die Herzogin

Kurzkritik

duchess

Mit Die Herzogin beweist Keira Knightley einmal mehr ihr Gespür für historische Stoffe und schöne Kostüme. Wie auch schon in Stolz und Vorurteil und Abbitte geht die hübsche Britin in ihrer Rolle voll und ganz auf und untermauert ihren Stand in Hollywood. Die Vielschichtigkeit ihrer Figur, der Herzogin von Devonshire, transformiert sie mit sichtlicher Freude auf das Zelluloid, ob charmant und charismatisch in politischer Gesellschaft oder zerbrechlich im eigenen Hause. Ihr Mann, der eisige Herzog von Devonshire, ein Schürzenjäger und Widerling, erwartet von ihr nichts weiter als einen männlichen Erben. Als sie ihm drei Mädchen in Folge gebärt, wendet er sich gänzlich von seiner Frau ab und flüchtet sich in eine offene Affäre mit ihrer besten Freundin. Neben Knightley ist es vor allem Ralph Fiennes als unsympathischer Bösewicht, der dem Film seinen Stempel aufdrückt. Mit einem Augenzwinkern spielt er den egoistischen Herzog, dem selbst seine Hunde mehr bedeuten als seine Frau. Aus seiner Figur zieht der Film alle Register und peppt das doch eher gediegene Spektakel mit viel Wortwitz und schwarzem Humor gehörig auf. Denn eines muss dem Zuschauer von vornherein klar sein: Die Herzogin ist kein knalliger Popcorn-Film á la Marie Antoinette, sondern besinnt sich mehr auf die prachtvollen Kostüme, authentische Kulissen und eine konservative Inszenierung. Regisseur Saul Dibb macht keine großen Experimente, sondern greift zurück auf das altbewährte Prinzip des Historenschinkens. Dadurch verliert der Film sicherlich ein wenig an Reiz, denn gerade aus der Stellung der Protagonisten als Star und Modeikone hätte man mit einer bissigeren Inszenierung viel mehr herausholen können. Doch schlecht ist er deshalb nicht. Wer auf prunkvolle Kostümfilme steht, kommt mit Die Herzogin voll auf seine Kosten. Solide inszeniert, bietet der Film neben der optischen Komponente einen passenden Soundtrack und ein Darstellerensemble, das mit sichtlichem Spaß agiert und den Zuschauer so zwei Stunden lang in eine andere Welt entführt. Und wenn Keira Knightley jetzt noch ein paar Kilos zunimmt, ist sowieso alles in Butter. (6.5/10)

★★★★★★½☆☆☆