Martyrs

Filmkritik
martyrs

Mit Saw und Hostel hat sie 2004 beziehungsweise 2005 angefangen, die Welle von Folterfilmen, die sich zum ersten Mal so richtig traute, explizite und realitätsnahe Gewaltdarstellungen geradeheraus auf Zelluloid zu bannen. Doch wo US-Produktionen sich orientiert am Zielmarkt eine persönliche Gewaltgrenze setzten, legten die französischen Filmemacher so richtig los. Ob Alexandre Aja mit Haute Tension, ob Filme wie Inside oder Frontier(s), der neue französische Horrorfilm befriedigte gorehounds in aller Welt und startete so einen unvorstellbaren Siegeszug. Dass es aber noch weitaus härter gehen kann, beweist der neuste Streich unserer Nachbarn. Mit Martyrs werfen sie einen Film auf den Markt, der alle bisherigen Werke übertrifft. Dieser Film überschreitet die nächste Grenze und trifft den Zuschauer erstmals da, wo man meinte, schon unzählige male getroffen worden zu sein. Dieser Film ist wirklich ein Schlag in die Magengrube, ein Schlag so hart, dass er noch weit nach der Sichtung nachhallt und bei manchen Zuschauern Spuren hinterlassen dürfte.

Dabei ist Martyrs seinen Kollegen nicht nur splattertechnisch um einiges voraus, sondern glänzt vor allem durch eine gut konstruierte Geschichte mit wirklichen Twists, die neben dem physischen endlich auch mal wieder den psychischen Faktor in einen aktuellen Horrorfilm bringt. Das größte Manko der Folterwelle, und damit sein allergrößter Kritikpunkt, war bisher die Tatsache, dass die Gewalt in den Filmen nur der Gewalt wegen gezeigt wurde und das eine Story de facto nicht existent war. Und genau hier setzt Martyrs clever an. Der Film bietet eine Geschichte, die nicht nur wegen der realen Bezüge (ich sage nur Österreich) schockiert, sondern durch erfrischende Ansätze von Anfang an fesselt. Martyrs vermischt gekonnt Realität und Fiktion, Kunst und Wissenschaft, Schock und Spannung und präsentiert sich dadurch in einem Gewand, das man dem Film so nicht zugetraut hätte. Schon in der ersten Viertelstunde wird das Feld weitestgehend abgesteckt und der Zuschauer bekommt einen ersten Ausblick auf die schiere Erbarmungslosigkeit der Handlung. Wer aber denkt, nach den ersten Minuten den Ausgang der Geschichte vorhersagen zu können, der irrt. Das Drehbuch besticht durch einen Twist nach dem anderen, so geschickt platziert, dass die Story zum Ende hin eine komplett andere Richtung einschlägt als anfangs vermutet.

Bei aller Lobhudelei für die Story, ein zentraler und für Fans wichtigster Bestandteil des Films sind natürlich die Splatterszenen, und diese Übertreffen alles bisher gesehene. Martyrs besticht durch eine krasse, schonungslose und rigorose Härte, die von der Kamera unverblümt und schonungslos dokumentiert wird. Man wird sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, was Regisseur Pascal Laugier geritten hat, Szenen in solch sorgfältiger Perversion zu drehen. Sicherlich, er wollte provozieren um so nicht zuletzt sich und seinen Film pushen, was ja auch gelungen ist. Andererseits ist die Gewalt in der Form, wie sie dargestellt wird, ein unabdingbarer Teil in Wechselwirkung mit der Geschichte, vergleichbar mit den Vergewaltigungsszenen in Irreversible und Der freie Wille. Sie macht die Story für den Zuschauer erst greifbar, indem sie ihn eiskalt und unnachgiebig mitten ins Mark trifft. Laugier macht so den Schmerz der Figuren greifbar, in dem er den Zuschauer zwingt, hinzusehen, dessen psychische Schmerzensgrenze bis ins letzte ausreizt und sogar übersteigt. Dass diese Brutalität für den einen oder anderen schwerlich zu ertragen ist, ist eine logische Konsequenz. Martyrs ist sicherlich kein Film für jedermann, ein Film, an dem sich die Geister scheiden werden. Er wird für großen Diskussionsstoff sorgen, vor allem in den deutschen Medien. Martyrs ist quasi kontroverses Kino in seiner reinsten Form, schockierend, ja sogar ekelhaft, doch niemals auf seine exzessiven Darstellungen reduziert.

Dafür sorgen auch die überraschend stark aufspielenden Darsteller. Allen voran Mylène Jampanoï trägt mit ihrer wuchtigen Performance die komplette erste Hälfte des Films quasi allein. Sie zeichnet einen hoch ambivalenten Charakter zwischen Labilität und unabdingbarer Grausamkeit, glaubwürdig und erschreckend. Auch ihre Filmpartnerin Morjana Aloui besticht durch ein intensives Spiel, das genreunüblig nuancenreich und tiefgründig daherkommt. Die beiden Darstellerinnen sind ein Glücksfall für den Film, da sie den bei dieser Thematik so schwierigen Spagat zwischen glaubhaftem Spiel und over acting souverän meistern. Dadurch entwickeln sie sich zu einer echten Identifikationsbasis für den Zuschauer, was für den psychologischen Schrecken des Films ein elementarer Bestandteil ist. Aber auch Regisseur Laugier hat seine Hausaufgaben gemacht und dem Film durch seine stimmige Inszenierung den letzten Schliff gegeben. Er taucht die Bilder in kühle, sterile Farben, die zusammen mit dem guten Soundtrack die atmosphärische Grundlage des Films ausmachen. Auch sonst beweist er ein gutes Händchen für clevere Schnitte und spannende Einstellungen.

Martyrs ist also ein Film, der trotz seiner Zugehörigkeit zur aktuellen Folterwelle ein überraschend erfrischendes Erlebnis für Fans des Genres ist. Nicht zuletzt die interessante Geschichte macht Martyrs zu etwas ganz besonderen und hebt ihn ab vom uninspirierten Einheitsbrei. Ob der Film nun wie beworben der rein von seiner physischen Härte Krasseste aller Zeiten ist, kann vielleicht bezweifelt werden. Fakt ist aber, dass die schonungslosen Gewaltdarstellungen in Verbindung mit der depressiven Unerträglichkeit des Drehbuchs und der eindringlichen Atmosphäre ein grausames Endprodukt ergeben, das den Zuschauer in einer nie dagewesenen Form direkt und nachhaltig ins Mark trifft. Martyrs ist überraschend vielseitig, überraschend clever, überraschend inspiriert – einfach überraschend stark. Und da verzeiht man dem Film auch einen kurzen Leerlauf vor dem großen Finale. Jetzt darf man im Hinblick auf die französische Szene gespannt sein, wie man diesen Film zu toppen versuchen will. Eines steht fest: härter geht immer. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis man wieder von DEM Überfilm spricht und mit Superlativen um sich wirft. Bis dahin ist Martyrs eine kleine Referenz, an die sich zukünftige Produktionen hoffentlich ein gutes Beispiel nehmen. (8/10)

★★★★★★★★☆☆

Slumdog Millionaire

Filmkritik
slumdog

Mit acht Oscars ist Danny Boyles Slumdog Millionär DER Abräumer der diesjährigen Award-Saison. Acht Oscars, die den Film quantitativ auf eine Stufe mit Klassikern wie Die Besten Jahre Unseres Lebens, My Fair Lady oder Die Faust im Nacken heben, die auch allesamt acht Trophäen gewinnen konnten. Doch kann das Indien-Drama mit den genannten überhaupt qualitativ mithalten? Oder ist die enorme Anzahl der Oscars der diesjährigen schwachen Konkurrenz geschuldet? Die Antwort ist irgendwo in der Mitte anzusiedeln. Slumdog Millionär ist auf der einen Seite ein wunderbares, audiovisuell opulentes Drama, das ganz klar zu den Highlights des Kinojahres zählen dürfte. Auf der anderen Seite sind acht Oscars wohl einige zu viel, denn alleine im letzten Jahr hätte der Film in vielen Kategorien wohl wenige Chancen gehabt.

Danny Boyle erzählt die Geschichte des 18-jährigen Vollwaisen Jamal (Dev Patel), der in der indischen Version von „Wer wird Millionär?“ nur noch eine Frage von dem Gewinn von 20 Millionen Rupien entfernt ist. Er, ein ungebildeter junger Mann aus den Slums von Mumbai. Das macht ihn verdächtigt, er kann eigentlich nur betrogen haben. Es folgt ein Schnitt: Jamal ist gefesselt, zwei üble Polizisten wollen seine Betrugsmethoden aus ihm herausfoltern. Es gibt jedoch keine Methoden. Jamal hat alle Fragen ehrlich gewusst. Der leitende Inspektor spielt ihm die Aufzeichnung der Sendung vor. Zu jeder gestellten Frage soll Jamal erklären, wie er zu der Antwort gekommen ist. Und zu jeder gestellten Frage hat Jamal eine Geschichte aus seinem Leben parat, die plausibel erscheint. so In Rückblenden erzählt Boyle so eine coming of age-Story, angefangen in Jamals (nun: Ayush Mahesh Khedekar) Kindheit, in der er und sein Bruder Salim (Azharuddin Mohammed Ismail) Zeuge der Massenhinrichtung der Bewohner ihres Dorfes, einschließlich ihrer Mutter, werden. Zusammen mit der gleichaltrigen Latika (Rubiana Ali) ziehen sie daraufhin durch die Slums und hausieren auf einer Müllkippe. Dort geraten sie in die Fänge eines Gangsters, der Straßenkinder als Bettler missbraucht und auch vor Zerstümmelungen nicht zurückschreckt. Gemeinsam können die Brüder fliehen, Latikas Fluchtversuch scheitert. Fortan schlagen sich die Brüder (nun: Tanay Chheda und Ashutosh Lobo Gajiwala) mit Kleinganoverei quer durch Indien. Jamal aber hat nur ein Ziel: die Rückkehr nach Mumbai und Rettung von Latika.

Slumdog Millionär als reines Drama herunter zu stilisieren wäre verkehrt. Vielmehr vereint der Film Zutaten aus mehreren Genres, die ihn zu einem modernen Märchen werden lassen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Junge aus dem Slums von Mumbai, arm, perspektivlos, auf sich alleine gestellt. Lediglich die Liebe zu einem Mädchen gibt ihm Antrieb, zu leben und zu überleben. Gut und Böse sind in dem Film klar getrennt. Jamal ist die Sympathiefigur, der scheinbar chancenlose Held, der sich gegen die Bösen behaupten muss. Jamal muss sich von ganz unten herankämpfen, um Latika überhaupt noch einmal wiedersehen zu können. Slumdog Millionär ist quasi der amerikanische Traum in seiner reinsten Form, eine Geschichte, in der sich ein Individuum durch steten Willen und Krafteinsatz die Chancen erkämpft, seine Träume wahr zu machen. Das starke Drehbuch verhilft dem Film dabei, niemals ins pathetische abzurutschen. Vielmehr glänzt es durch eine unerwartete Vielseitigkeit, die der Geschichte eine enorme Abwechslung, und damit Leben einhaucht. Slumdog Millionär ist vor allem in der Anfangsszene urkomisch und beinhaltet auch im weiteren Verlauf Dialoge mit Wortwitz und Charme, doch verkommt niemals zu einer lächerlichen Geschichte. Slumdog Millionär ist hoch tragisch, zum Beispiel wenn Jamals Dorf überfallen wird und Fundamentalisten die ganze Bevölkerung abschlachten, doch niemals wehleidig und anklagend. Slumdog Millionär ist spannend und actionreich, wenn sich die Brüder im Mittelteil als Kleinganoven durch die Slums schlagen, doch niemals aufgesetzt und unglaubwürdig. Slumdog Millionär beinhaltet eine Liebesgeschichte, die stets die Gefahr läuft, kitschig zu werden, doch niemals wird. Die Elemente im Film halten sich stets die Waage und sorgen für eine Vielschichtigkeit, die in den letzten Jahren nur sehr wenige Filme erreicht haben.

Dass die Vielschichtigkeit des Drehbuchs auch im Film erhalten bleibt, dafür sorgt Danny Boyles großartige Regie. Erst seine spritzige Inszenierung macht Slumdog Millionär trotz seines doch ernsten Themas zu einem Feel-Good-Movie. Er taucht den Film in knallige Farben und gibt so Referenzen an das Bollywood-Kino, ohne es jedoch blind zu kopieren. Vielmehr vermischt sich der westliche Inszenierungsstil mit dem indischen und ergibt so eine einzigartige Symbiose, die für unser Auge nicht nur erträglich, sondern auch erfrischend anders ist. Die Schnelllebigkeit der Metropole Mumbai und deren Menschen fängt er wunderbar mit dynamischen Handkameras ein, deren Wirkung durch die harten Schnitte noch weiter verstärkt ist. Die Optik ist wenig konventionell, nicht nur von den Farben her, sondern auch von den Einstellungen. Boyle hat sichtlich Spaß dabei, mit ungewöhnlichen Kameraeinstellungen zu experimentieren. Passend zu den schnellen Schnitten kreiert A.R. Rahman einen Score mit treibenden Drums, der mehrheitlich indisch geprägt ist, doch auch Anleihen aus der westlichen Musikszene, zum Beispiel dem Rap, besitzt. Die Musik Rahmans unterstreicht perfekt Boyles Inszenierung und verschmilzt mit den Bildern zu einer homogenen Einheit.

Das I-Tüpfelchen ist die großartige Besetzung, mit der Boyle ein Kunststück gelungen ist. Quasi von der Straße weg castete er die meisten Darsteller, was dem Film kein Abbruch verleiht, sondern ein großes Stück authentischer macht. Es ist schon erstaunlich, was für eine schauspielerische Leistung vor allem die kleinen Akteure zeigen, die einen großen Teil des Films allein auf ihren Schultern stemmen, was manch ein Kollege aus Hollywood nicht bewältigt hätte. Neben den Laien gefallen aber auch Dev Patel und die bezaubernde Freida Pinto, die sich mit ihrer Performance nach Hollywood gespielt haben und demnächst für Projekte von Woody Allen und M. Night Shyamalan vor der Kamera stehen. Boyle lässt aber auch Bollywood-Prominenz ran, erspart uns dabei glücklicherweise aber das Gesicht von Shahrukh Khan. Am besten gefällt der indische Superstar Anil Kapoor als schmieriger Moderator der indischen Version von „Wer wird Millionär“. Es kommt einfach alles zusammen bei Slumdog Millionär, ein starkes Drehbuch, risikofreudige Produzenten, ein innovativer und experimentierfreudiger Regisseur, eine Komponist in Hochform und unverbrauchte, bissige Schauspieler. Slumdog Millionär ist ein starker Film, ein Film, der die Gradwanderung zwischen Entertainment und „Ghetto-Sight-Seeing“ perfekt meistert. Slumdog Millionär ist auch ein Film, der mit seiner positiven Art und Weise mitten ins Mark einer von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krisen erschütterten westlichen Welt trifft. Vielleicht ist Slumdog Millionär in diesen Zeit gerade deshalb so ein Ausnahmefilm und vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum der Film letztlich so viele Preise abräumen konnte. (9/10)

★★★★★★★★★☆

BLOGSPIEGEL

Symparanekronemoi: 8/10

From Beyond: 4/10

Zeitverschwender: 7/10

MoviezKult: 9/10

Durchschnittwertung: 7/10

Kurzkritiken: Kinoschnelldurchlauf #2

kinospezial21

96 Hours

Liam Neeson ist böse, so richtig böse. Verständlich, da lässt er seine Tochter widerwillig nach Europa reisen und diese wird an erstbester Stelle von einer Horde albanischer Menschenhändler entführt. Nur gut, dass Papi früher einmal für die Regierung gearbeitet hat und genau weiß, wie man mit solch einem Gesocks umgeht. Da helfen keine Verhandlungen, nein, nur mit Waffengewalt kann man das Mädchen aus den Händen der Gangster befreien. Was folgt, ist ein einstündiger Amoklauf Neesons durch Paris, brutal, kaltherzig, ohne Rücksicht auf Verluste, politisch unkorrekt. Da werden Foltermethoden angewandt, um an wichtige Informationen zu kommen oder unbeteiligte Personen angeschossen, um ein Druckmittel in der Hand zu haben. Für seine heißgeliebte Tochter geht Neeson über Leichen, viele Leichen. Glücklicherweise wurde Taken, oder eingedeutscht 96 Hours, nicht in Hollywood, sondern in Frankreich produziert. Gerade dieser Tatsache ist zu verdanken, dass der Film keine weichgespülte Stangenware, sondern ein knüppelhartes B-Movie in der Tradition der 70er und 80er geworden ist. Dieser Film hat keinen Anspruch und macht einfach nur Spaß. Umso ärgerlicher ist es dann, dass Luc Besson, der sich für das Drehbuch verantwortlich zeigt, eine so ernste und biedere Geschichte geschrieben hat. Etwas Auflockerung hätte dem Film gut getan, etwas mehr Humor und Wortwitz. Dann hätte 96 Hours mühelos in einer Liga mit Shoot Em Up und Crank spielen können. So bleibt der Film ein straighter und harter Actioner, der einiges an Potential verschwendet. Spaß macht er aber trotzdem. (6.5/10)

Revanche

Zwei mal hintereinander für den Auslands-Oscar nominiert zu sein, ist für jedes Land etwas besonderes, für ein so kleines und filmtechnisch eher weniger bedeutendes wie Österreich umso mehr. Doch während Die Fälscher die Auszeichnung weniger wegen der Qualität des Films, sondern mehr wegen der heiklen KZ-Thematik bekommen hat, ist die Nominierung für Revanche mehr als gerechtfertigt. Regisseur Götz Spielmann erzählt die Geschichte um den Kleinganoven Alex (Johannes Krisch) und dessen Freundin, der Prostituierten Tamara (Irina Potapenko), die gemeinsam eine Bank überfallen wollen. Ein Polizist (Andreas Lust) kommt ihnen jedoch in die Quere und verletzt Tamara mit Schüssen auf das flüchtende Fahrzeug tödlich. Alex fällt in ein tiefes Loch und zieht sich auf den Hof seines alten Vater zurück, um sich dort mit Arbeit abzulenken. Zufällig erfährt er jedoch, dass der Polizist nur einige Straßen weiter wohnt und schmiedet Pläne für eine Revanche…

Im Grunde ist sie ganz simpel, die Geschichte. Doch es ist eine ungeheure Atmosphäre, die Revanche von der ersten Sekunde an zu etwas ganz besonderen macht. Ein Grund dafür ist das exzellente Drehbuch, das den Film nicht zur einer vorhersehbaren Ganovenstory verkommen lässt, sondern durch geschickte Wendungen, geistreiche Dialoge und einer spannenden Figurenkonstellation glänzt. Revanche ist kein Rachefilm im Holzhammerstil eines Park Chan-wook, sondern eine ruhige Charakterstudie, ein Film, der mehr auf der psychischen denn der physischen Ebene spielt. Dass das funktioniert, dafür sorgen die hervorragend besetzten Darsteller, die sich allesamt akribisch auf ihre Rollen vorbereitet haben. Vor allem Johannes Krisch, der bisher nur kleinere Nebenrollen in TV-Produktionen inne hatte, erweist sich als ein Geschenk. Sein ruhiges, wortkarges und zurückhaltendes Spiel, das sich in den richtigen Momenten in schlagartige Gefühlsexplosionen verwandelt, ist derart intensiv und Film tragend, dass man sich den Schauspieler demnächst in weitere zentrale Rollen größerer Kinoproduktionen wünscht. Für den letzten Schliff sorgt die gemächliche Inszenierung Spielmanns, der den Figuren Zeit und Raum lässt und die Geschichte ganz behutsam erzählt. Er taucht die statischen Bilder in unverfälschte, dunkle Farben, die den pessimistischen und hoffnungslosen Grundtenor des Films unterstreichen. Revanche ist ein kleiner großer Film, ein Film, wie er im deutschsprachigen Raum leider viel zu selten zu finden ist und ein Film, der auf die nächsten Projekte talentierter Künstler hoffen lässt. (8.5/10)

The International

Für die Medien ist er unser nächster Mann in Hollywood, für die Organisatoren der Berlinale war ein Regisseur mit hellseherischen Fähigkeiten und für mich ist er einer der interessantesten und besten deutschen Filmemacher. Gemeint ist natürlich Tom Tykwer, der für seine erste Hollywood-Produktion, den Verschwörungs-Thriller The International, eine internationale Top-Besetzung um Clive Owen, Naomi Watts und Armin Mueller-Stahl engagieren konnte. Es ist schon erstaunlich, mit welchem Feinsinn Tykwer fünf Jahre lang zum Thema korrupte Banken recherchierte und in Zeiten der Finanzkrise im Film so die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Tykwer schickt einen Interpol-Agenten, der die Machenschaften einer der größten und mächtigsten Kreditinstitute der Welt aufdecken will, quer durch Europa und zeichnet ein fast dystopisches Bild einer durch die Unterwelt gelenkten Welt. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er daraus kein modernes Actionvehikel á la Bourne gemacht hat, sondern stets die Story in den Vordergrund rückt. Diese ist zwar interessant, doch an manchen Stellen etwas zu arg konstruiert. Ein wenig mehr Biss, ein wenig mehr Spannung hätte man sich im Drehbuch schon gewünscht. Tykwer aber holt mit seiner Inszenierung das Beste aus der Geschichte heraus. Mit gekonnten Großaufnahmen, wenigen Schnitten und einem großartig durchgestylten shoot out im Guggenheim-Museum empfiehlt sich der deutsche Regisseur für nächste Hollywood-Projekte. Diesmal mit einem besseren Drehbuch. (6/10)

Underworld: Aufstand Der Lykaner

Len Wiseman und Kate Beckinsale werden gewusst haben, warum sie für einen dritten Teil der Underworld-Saga nicht mehr zur Verfügung stehen. Fertig erzählt war die Geschichte um Vampire, Werwölfe und Hybriden, die immerhin als Grundlage für zwei gute und spannende Horror-Actioner diente. Doch eine Kuh muss man melken, so lange sie fett ist, und so schob Sony in diesem Jahr ein Prequel nach, das qualitativ den beiden ersten Filmen nicht mehr das Wasser reichen kann. Ein Drehbuch, was den Namen nicht verdient, eine hanebüchene Geschichte mit unsinnigen Dialogen und abgesehen von Bill Nighy mittelprächtige und unterforderte Darsteller: an Underworld: Aufstand der Lykaner stimmt fast gar nichts. Auch Neu-Regisseur Patrick Tatopoulos kann keine Akzente setzen und inszeniert in einer lahmen Art und Weise, dass einem die 90 Minuten Laufzeit wie eine halbe Ewigkeit vorkommen. Dieser dritte Teil ist unnötig wie ein Kropf und nur wegen des schönen Setdesigns keine komplett verschwendete Lebenszeit. Für Masochisten geeignet, alle anderen schauen lieber weg. (3/10)

Bolt

Disney hat es nicht leicht. Jahr für Jahr muss sich das riesige Studio im Animationssegment mit der nunmehr internen Konkurrenz von Pixar messen. Und Jahr für Jahr zieht Disney dabei den Kürzeren. Es ist eine riesige Lücke, die zwischen den beiden Studios klafft. Ob bei den Animationen, den Geschichten oder den Figuren – Pixar hat in allen Belangen die Oberhand und schafft ein Meisterwerk nach dem anderen. Dass Disney aber auch dazulernen kann, beweist ihr neuer Animationsstreifen Bolt. Die Geschichte um den TV-Hund Bolt, der quer durch die USA reist um sein Frauchen aus den fingierten Fängen eines Schurken zu befreien, ist ein Spaß für die ganze Familie. Die Story ist von Anfang an rasant und spannend, die Witze funktionieren und die Figuren sind einfach nur charmant. Allen voran Rhino, ein dicker Hamster in einer Kugel und die Tauben, die je nach Ort ihre Eigenheiten haben, haben die Lacher auf ihrer Seite. Klar, der Film setzt keine neuen erzählerischen oder technische Maßstäbe, aber er unterhält. Selbst die deutsche Synchronisation, in der Christian Tramitz Bolt seine Stimme verleiht, tut dem Witz und dem Charme des Originals kein Abbruch. Der Film ist sehr amüsant und setzt eine erste Marke im diesjährigen Animationswettstreit. Prädikat: empfehlenswert. (7/10)

RockNRolla

Guy Ritchie ist wieder da. Befreit von der sich anbahnenden Scheidung von Madonna und mit einem weiteren gefloppten Film im Rücken wagte sich der britische Regisseur an eine Neuauflage seines alten und durchaus erfolgreichen Rezeptes. Ja, RocknRolla wirkt wie ein neuer Aufguss von Snatch und Bube, Dame, König, GrAS, und das wäre auch nicht weiter schlimm, wenn Ritchie qualitativ an die beiden Vorgänger anschließen könnte. Doch der Film baut in der zweiten Hälfte leider konsequent ab. Dabei beginnt RocknRolla sehr vielversprechend. Die Geschichte ist typisch ritchie-esque, mit coolen Figuren, flotten Dialogen und geschickten Wendungen. Von der ersten Sekunde an fühlt man die Atmosphäre, die Ritchies Filme so einzigartig macht. Gerard Butler als Hauptfigur ist ein Segen, der schottische Schauspieler fügt sich perfekt ein in das Universum und bildet die Identifikationsfigur des Films. Als sein Gegenspieler fungiert Tom Wilkinson als gerissener Unterwelt-Boss, mit künstlicher Halbglatze und stetem Drang zum over acting. Highlight ist die Figur des russischen Milliardärs Uri Obomavich, der als eine einzige Anspielung auf Roman Abramowitsch zu verstehen ist. Es ist mal wieder ein buntes Figuren-Potpourri, das Ritchie dirigiert. Und dieses Figuren-Potpourri schickt er auf eine irrwitzige Reise durch Londons Unterwelt. Eine Reise, die rasant und spannend startet und in der Mitte des Films auf einmal ins Stocken gerät. Ritchie schafft es nicht, das Tempo, den Wortwitz und die Coolness in die zweite Hälfte zu übertragen. RocknRolla ist wahrlich kein schlechter Film, doch zeigt die Qualitätsunterschiede in Ritchies Filmografie auf. Vielleicht wollte Ritchie mit RocknRolla zu viel Ritchie sein – und hat sich damit ein wenig übernommen. (6/10)

Mord ist mein Geschäft, Liebling

Zugegeben, ich bin ein Fan des deutschen Kinos und drücke deshalb bei vielen Filmen ein Auge zu, doch was Regisseur Sebastian Niemann hier mit Mord ist mein Geschäft, Liebling abliefert, ist eine Frechheit, eine Beleidigung für den Zuschauer. Wo der Trailer noch eine spaßige Gangsterkomödie im Stile der 50er und 60er versprach, ist der Film das krasse Gegenteil. Der Regisseur liefert keine stringente Geschichte, sondern unlustige, wirre und oberflächliche Sketch-Häppchen, die eigentlich nur durch die Figuren verbunden sind. Es ist das bekannte Bully-Niveau, auf das sich der Film herablässt, ein penetranter Holzhammer-Klamauk. Die Darsteller können da auch nichts mehr ändern und verkommen zu leblosen Handpuppen in einem zweistündigen Kasperle-Theater. Nein, dass war gar nichts. Unlustig, uncharmant, langweilig, dumm. Schade nur, dass mit Bud Spencer und Franco Nero zwei gestandene Italo-Stars bei so einem Schund mitgewirkt haben. (1/10)

Watchmen

Kurzkritik

watchmen-poster

Es ist ein hochkomplexes Werk, dieses 1986/87 erschienene Comic von Autor Alan Moore und Zeichner Dave Gibbons. Ganze 12 Ausgaben brauchten die beiden, um eine Geschichte zu erzählen, die den Superheldenmythos auf seine ganz eigene Art und Weise demaskiert. Watchmen ist kein normaler Cartoon, nein, vielmehr ist es ein vielschichtiges, hoch literarisches Werk mit politischen und soziologischen Aspekten und einer zeitlosen Brisanz, die einschlug wie eine Bombe. Watchmen war anders und dabei so gut, dass es ein ganzes Genre neu definierte. Umso schwieriger war es da, diese Komplexität in einen Film zu verpacken. Nach mehr als 20 Jahren und unzähligen Studio-/ und Regisseurwechseln wagte sich Zack Snyder, der nach 300 Erfahrungen in der erfolgreichen Adaption von Comics hat, an den Stoff. Das Ergebnis ist ein fast fünfstündiger Film, der für die Kinoauswertung auf eine Länge von knapp drei Stunden heruntergeschnitten wurde. Da diese Kinoversion niemals an die Komplexität der Vorlage herankommt und ich nebenbei das Comic noch nicht (fertig) gelesen habe, möchte ich den Film hier nur ganz kurz rezensieren und später eine ausführliche Kritik der Langversion nachreichen.

Zack Snyder ist mit Watchmen vordergründig eines gelungen: ein opulentes Werk. Ob visuell oder tonal – Watchmen ist state of art, eine zeitgemäße Transformation eines zweidimensionalen Comics in das Kinozeitalter des 21. Jahrhunderts. Aber anders als in 300 verkommt die Optik nicht zum Selbstläufer, sondern dient lediglich als moderne Grundlage für eine Geschichte, die Snyder ganz genau zu erzählen weiß. Schon das fulminante Intro mit musikalischer Untermalung von Bob Dylan, in dem der Regisseur die erste Generation der Watchmen vorstellt, ist geschickt inszeniert, da es zum einen dem unwissenden Zuschauer die Figuren näher bringt und deren Tätigkeit zeitlich einordnet, zum anderen durch die intensive Retro-Ästhetik das Interesse der Zuschauer sofort weckt. Auffällig ist, dass Snyder im Verlauf der Geschichte immer wieder bekannte Musikstücke benutzt, um Szenen zu kommentieren oder das Gefühlsleben der Figuren zu beschreiben. Ob Leonard Cohens „Hallelujah“ in einer Sexszene, Wagners „Ritt der Walküren“ in Vietnam, ob eine Anspielung auf Kubricks Meisterwerk Dr. Strangelove – Snyder hat so allerlei nette und kreative Ideen, die für den Film ein Segen sind. Ein Fluch hingegen sind die Logiklöcher, die aber in der Langversion behoben sein dürften und das Ende, das sich in seiner Auflösung nicht so recht in den Rest des Films fügen will. Hier hätte man sich etwas ganz anderes, größeres, philosophischeres gewünscht. Ein glückliches Händchen bewiesen die Macher mit der Besetzung der Darsteller. Da sie allesamt mehr oder weniger unbekannt sind, treten in Watchmen einzig und allein die Figuren in den Vordergrund – und diese machen mit ihrer Vielschichtigkeit den größten Reiz der Geschichte aus. Watchmen ist ein sehr dialoglastiger Film, und alle Schauspieler können dies glücklicherweise händeln. Schon die Kinoversion ist eine erfrischende und vor allem gute Comic-Adaption, deren Schwächen im Directors Cut zum Teil ausgemerzt sein dürften. Zack Snyder ist nicht gescheitert mit der Verfilmung eines als unverfilmbar geltenden Stoffes. Im Gegenteil, die Langversion hat vielleicht das Potential, am Thron von The Dark Knight und Spider-Man 2 zu wackeln. (7.5/10)

★★★★★★★½☆☆

Gran Torino

Filmkritik
grantorino

Es ist unfassbar, welches Arbeitspensum Clint Eastwood mit seinen fast 80 Jahren an den Tag legt. Bei neun Filmen saß er in den letzten zehn Jahren auf dem Regiestuhl. Filme, die bei sage und schreibe 23 Nominierungen sieben Oscars gewinnen konnten. Eastwood befindet sich auf dem Höhepunkt seiner 50-jährigen Karriere. Doch an aufhören denkt er nicht. Zumindest als Regisseur wird uns der knurrige Kalifornier erhalten bleiben. The Human Factor, eine Biopic über Nelson Mandela mit Morgan Freeman in der Hauptrolle, soll noch in diesem Jahr erscheinen – und auch dieses Projekt riecht wieder nach Erfolg. Als Darsteller jedoch zieht sich Eastwood offiziell mit seinem neusten Film, der Dramödie Gran Torino zurück. Ein großer Verlust für Hollywood, versprüht Eastwood doch in den kleinsten Szenen mehr Charisma als jeder seiner jungen Kollegen in einem ganzen Film zusammen. Der Abgang sei ihm jedoch gegönnt, ihm, der uns große Filme wie Für Ein Paar Dollar Mehr, Zwei Glorreiche Halunken oder Dirty Harry beschert hat. Während er mit seinem Spätwestern Erbarmungslos 1992 den Mythos seiner Rollen in den beiden Erstgenannten erfolgreich demaskiert hat, holt Eastwood jetzt noch einmal aus, kreiert mit Gran Torino einen Abgesang auf die Figur Harry Callahan und setzt sich damit ein filmisches Denkmal, welches seine lange schauspielerische Karriere abrundet und ein ebenbürtiges Ende einer großartigen Filmografie markiert.

Eastwood spielt den Koreakriegsveteran Walt Kowalski, einen mürrischen alten Mann mit angestaubten Moralvorstellungen, eine letzte Bastion gegen das Amerika, das sich zwischen selbst aufbrühen und Starbucks, zwischen Country und Rap, zwischen Alteingesessenen und Latino-Gangs in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Er ist ein Zyniker, ein Rassist, der mit seiner strengen Art nicht nur seine beiden erwachsenen Söhne auf Distanz gehalten, sondern sich selbst in gewisser Weise isoliert hat. Nun steht er am Sarg seiner geliebten Frau, einer Person, die wir als Zuschauer nicht kennen lernen, von der wir aber anhand Walts Verhalten erkennen, dass sie eine der wenigen, wenn nicht vielleicht sogar der einzige Mensch war, der Walt verstanden hat. Weinen tut er nicht am Sarg, das würde nicht zu ihm passen. Vielmehr drückt sich selbst bei der Beerdigung sein Hass auf das neue Amerika aus, wenn seine Enkeltochter bauchfrei in der Kirche erscheint und auch so sowieso nichts mehr ist wie es einmal war. Es ist eine Welt, in die der alte Mann anscheinend nicht mehr hineinpasst. Als zu allem Überfluss auch noch ein asiatischer Clan in sein Nachbarhaus zieht und Thao (Bee Vang), der Sohn der Famlie als Mutprobe seinen heißgeliebten 1972er Ford Gran Torino stehlen will, sieht Walt seine Vorurteile bestätigt. Doch als er Thao mehr oder weniger unfreiwillig vor einer Gang rettet und so zum Held der Nachbarschaft wird, taut er mit großem Widerwillen und einer großen Portion kühler Zurückhaltung nach und nach auf. Grund dafür ist Sue (Ahney Her), Thaos Schwester, die einen besonderen Draht zu ihm findet.

Er ist eine hoch ambivalente Figur, dieser Walt Kowalski. Auf der einen Seite hart, zynisch, nachhaltig geprägt vom Krieg in Korea. Auf der anderen Seite gerecht, verständnisvoll, gar warm. Doch diese zweite Seite haben nur sehr wenige Menschen jemals kennen gelernt. Selbst Walts Söhne, die sich schon früh von ihren Vater distanziert und ein kühles Verhältnis zum ihm haben, kennen nur der mürrischen Mann, der mit einem stechenden Blick jede Situation prüft und gegebenenfalls ohne Rücksicht kommentiert. Er ist ein Mann der alten Schule, ein Mann, der seinen Frisör als „Spaghetti-Fresser“ betitelt und dessen Preise mit den Worten „halber Jude“ abstraft. Ein Mann, der sich all die „Bimbos“, „Schlitzaugen“ und „Sumpfratten“ in den Dschungel zurückwünscht – und nicht ins seine Nachbarschaft. Ein Mann, der seinen Sohn dafür hasst, dass er ein „Japsen-Auto“ fährt, und kein amerikanisches Original. Ein Mann, den der Krieg verändert hat. An Gott glaubt er schon lange nicht mehr, sieht die Kirche und den jungen Pfarrer als Rattenfänger, immer auf der Suche nach schwachen Gliedern, die anfällig sind für den Aberglauben. Er ist ein pessimistischer Mensch, ein Mensch, der das Lachen verlernt zu scheinen hat.

Walt Kowalski ist quasi ein Abziehbild Eastwoods bisheriger Figuren. Ein bisschen Harry Callahan, ein bisschen namenloser Revolverheld. Figuren, die durch Selbstjustiz, Mord und Totschlag zu weltweitem Ruhm gekommen sind. Sie haben Eastwood groß gemacht, haben ihn geprägt, ihm ein Image gegeben. Und nun räumt er ein letztes Mal auf mit ihnen, ihrem Mythos, ihrem Reiz. In einer stark symbolischen Szene vor dem messianischen Finale geht Walt zur Beichte. Er will seinen Frieden finden, noch einmal alle Schuld offenbaren. Genau so wie Eastwood mit Gran Torino seinen Frieden finden wird. Der ganze Film ist seine persönliche Beichte, sein Eingeständnis. In der zweiten Hälfte des Films wird Walt bekehrt zum Guten, sieht seine Vorurteile wanken, taucht ein in eine fremde Kultur und nimmt sich seiner Nachbarn an. Es ist ein Verlauf, so untypisch für die alten Figuren von Eastwood. Es ist, als wolle Eastwood zum Abschluss seiner Karriere noch einmal diese Seite von ihm zeigen. Eine Seite, die in den letzten 50 Jahren kaum Beachtung fand. Umso radikaler ist dann das Ende, mit dem sich Walt endgültig rein wäscht. Und Eastwood unbekümmert abtreten kann.

Die Inszenierung von Gran Torino ähnelt eher der von The Wrestler als denen seiner letzten Filme. Eastwood beschränkt sich auf einen schlichten Stil, auf einfache, aber wirkungsvolle Bilder, verzichtet auf jeglichen Schnickschnack, um die Hauptfigur fast dokumentarisch in vollen Zügen in den Mittelpunkt zu stellen. Und diese lebt und stirbt mit Clint Eastwoods Performance. Der alte, knurrige und mürrische Mann, der einen zynischen Kommentar nach dem anderen vom Stapel lässt – Eastwood verschmilzt mit der Rolle des Walt Kowalski, spielt den Protagonisten gekonnt mit einer Leichtigkeit und Authentizität, wie nur er es vermag. Auch die restliche Cast, bestehend aus einer Reihe mehr oderweniger unbekannten Darstellern, ist perfekt besetzt. Gran Torino ist ein kleiner schöner Genrefilm, ein Film, den man ganz klar in Eastwoods Karriere einordnen und ihn im Kontext seines bisherigen Schaffens betrachten muss. Denn gerade die finale Konsequenz, die Reinwaschung eines Images, macht ihn zu etwas ganz besonderen. (8.5/10)

★★★★★★★★½☆

BLOGSPIEGEL

Kino, TV & Co: 9/10

From Beyond: 7/10

Marcus kleine Filmseite: 9/10

Symparanekronemoi: 6/10

MoviezKult: 8.5/10

Durchschnittwertung: 7.9/10


Harry Potter Und Der Halbblutprinz: Neuer Trailer

harry-potter

Aus Zeitnot verliere ich nicht viele Worte, aber der neue Trailer (480p/720p/1080p) zu Harry Potter Und Der Halbblutprinz rockt gewaltig! Das Buch halte ich sowieso für das beste der Reihe – und Regisseur David Yates hat es wohl würdig umgesetzt. Alleine die Effekte sind einfach nur “whoa!”. Ich hoffe nur, dass im finalen Film noch ein wenig an den Farbfiltern gedreht wird, denn dieser penetrante Blauschleier nervt gewaltig.

Public Enemies: Erster Trailer

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Im Action-/ und Thrillerfach macht ihm keiner etwas vor. Ob Heat, The Insider oder Collateral - Michael Manns Filme bestechen durch eine lupenreine Inszenierung, coole shoot outs und eine gehörige Portion Atmosphäre. Nach dem mittleren Debakel mit Miami Vice versucht sich der Regisseur nun an einer wahren Geschichte, nämlich der des ersten Staatsfeindes Nummer 1 der USA, dem gefürchteten Anführer einer Gruppe von Bankräubern, John Dillinger. Dillinger erlangte in den 30er Jahren Berühmtheit als moderner Robin Hood. Ihm gegenüber stand der junge FBI-Agent Melvin Purvis, der von Präsident Hoover mit der Liquidierung Dillingers und weiterer hochkarätiger Anführer seiner Bande beauftragt wurde. Eine Geschichte, prädestiniert für das Kino, und prädestiniert für Michael Mann. Alleine schon die Besetzung von Johnny Depp (Dillinger), Christian Bale (Purvis) und Marion Cotillard (Dillingers Frau) lässt Fans das Wasser im Mund zusammenlaufen. Kann da überhaupt etwas schiefgehen? Der Trailer (480p/720p/1080p) jedenfalls zeigt, dass es in die richtige Richtung geht: Hochglanz-Optik mit toller Ausstattung, viel Action und ein brillanter Cast. Ich denke, diesen Film dürfen sich Fans gepflegter Actionunterhaltung schon mal ganz dick im Kalender vormerken. Kinostart in den Staaten ist der 1. Juli, bei uns läuft Public Enemies am 6. August an.