Operation Walküre
Kurzkritik

Operation Walküre hat in seiner Intention auf ganzer Linie versagt. Anstatt zu zeigen, dass nicht alle Deutschen Nationalsozialisten waren, glorifiziert der Film Teile des Heeres um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die wagemutig und ohne eigennützige Hintergedanken Hitler zu Fall bringen wollten, während das normale Volk, repräsentiert durch die Sekretärinnen im Vorzimmer, bitterlich um den angeblichen Tod des Führers weint. Aber man nimmt dies dem Film gar nicht übel, denn er hat ganz andere Qualitäten zu bieten. Bryan Singer transformiert den typisch amerikanischen Pathos in die Nazizeit, spielt mit übertriebener Symbolik, zeigt Swastikas in allen möglichen Variationen, ob an preußisch korrekt sitzenden Uniformen, Fahrzeugen oder als geflieste Unterlage eines bombastischen Schwimmbeckens. Berlin geht 1944 quasi nicht im Bombenteppich unter, sondern im Fahnenmeer. Warum nicht. Dazu dreschen die Figuren eine Phrase nach der anderen, so dass das Schweinchen im DSF seine helle Freude gehabt hätte. Der Film tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste und kommt dabei so wunderbar trashig daher, dass man ihn von vornherein nicht ernst nehmen kann und sollte. Wie blass Tom Cruise in seiner Rolle bleibt, ist geradezu unfassbar, fügt sich aber in die nahezu komplett fehlbesetzte Darstellerriege ein. Auffallend ist die hohe Dichte an deutschen Schauspielern in der zweiten und dritten Reihe. Ob Waldemar Kobus, Wotan Wilke Möhring oder Werner Daehn – Deutschlands Glanz und Gloria bekommt dank des Filmförderfonds wieder eine Chance, sich international zu beweisen. Mit Christian Oliver spielt nach Gedeon Burkhard (Inglourious Basterds) sogar der zweite ehemalige Kommissar aus Alarm für Cobra 11 einen deutschen Soldaten in einer amerikanischen Großproduktion. Semir kann man da ja auch schlecht besetzen. Das I-Tüpfelchen ist Matthias Schweighöfer, dessen aufgesetztes Pokerface so lächerlich und verkrampft ist, dass beim Zuschauer fremdschämen angesagt ist. Man muss Operation Walküre nehmen wie er ist. Denn unter der Oberfläche eines soliden und sogar spannenden Thrillers verbirgt sich der wohl unterhaltendste Trashfilm der letzten Jahre. (7/10)










6 Comments




Na, da haben wir beide einen Film mal wieder komplett unterschiedlich wahrgenommen.
Anstatt zu zeigen, dass nicht alle Deutschen Nationalsozialisten waren, glorifiziert der Film Teile des Heeres um.
Also ich hab den Film ja selber ganz schön zur Minna gemacht, erst Recht Teile der Rezeption, aber das würde ich dem Film nun doch nicht in der Eindeutigkeit unterstellen, wie du es tust. Sicher, Verbrechen der Wehrmacht werden in dem Film nicht thematisiert, aber die Wehrmacht als Solche wird in dem Film ja auch nicht tangiert, sondern nur die Verschwörer (Die halt Teil dieser Wehrmacht ist). Das bei der Zeichnung dieser Protagonisten die Chance vertan wurde, die Personen schattiert und mit Ecken und Kanten darzustellen, ist natürlich richtig und zu kritisieren. Aber vielleicht meintest du ja auch das…
Naja, so ganz weichen unsere Meinungen ja nicht ab. Ich würde Deiner Kritik in weiten Teilen zustimmen und den Trashaspekt noch hinzufügen. Die übertriebende Symbolik (zum Beispiel der Globus in Hitlers’ Zimmer, der erstmal in einer langsamen Kamerafahrt eingefangen wird…) macht das ganze irgendwo so “lustig”, dass ich den Film nicht ernst nehmen konnte. Nichtsdestotrotz ist er ja grundsolide.
Solche wird in dem Film ja auch nicht tangiert, sondern nur die Verschwörer (Die halt Teil dieser Wehrmacht ist)
Meine ich doch, ich schreibe ja “Teile der Wehrmacht um Stauffenberg”.