Frost/Nixon
Kurzkritik

Ron Howard inszeniert ein auf Tatsachen beruhendes Politdrama. Was anfangs bei manchen Kritikern Fieberschübe und Schweißausbrüche verursachte, entpuppt sich als gut geschriebenes period piece mit starken Darstellern, obschon sich mir der mediale Hype und die Oscar-Nominierung als „Bester Film“ nicht erschließen. Frost/Nixon erzählt die Geschichte eines der wohl berühmtesten Interviews aller Zeiten, in denen der Brite David Frost 1977 dem auf Grund der „Watergate-Affäre“ zurückgetretenen US-Präsidenten Richard Nixon ein vorsichtiges Schuldeingeständis entlocken konnte und basiert auf dem gleichnamigen preisgekrönten Bühnenstück, das in London seit 2006 große Erfolge verbuchen konnte. Howard beauftragte dessen Autor, den oscarnominierten Peter Morgan (The Queen), mit der Adaption des Stoffes und engagierte auch die beiden Hauptdarsteller Michael Sheen (Frost) und Frank Langella (Nixon). Um den eigentlichen Kern, die Interviews, baut Howard eine massentaugliche Geschichte, beginnt seinen Film mit der Abdankung Präsident Nixons und nimmt sich fast eine Stunde Zeit, beide Hauptcharaktere vorzustellen. Eine etwas zu lange Einführung in Anbetracht des Hauptthemas. Eines jedoch muss dem Zuschauer hier klar sein: Frost/Nixon ist nicht das Abziehbild der Originalgeschehnisse. Vielmehr nimmt der Film sich das Recht heraus, Figuren und Tatsachen im Sinne der Dramaturgie zu verändern. Howard legt den Fokus dabei mehr auf David Frost, inszeniert eine Art coming of age-Geschichte, den Aufstieg des naiven, unerfahrenen und gefallen Talkshowmoderators zum schlagfertigen Polittalker. Dabei kann er auf seine Hauptdarsteller bauen, die ihre Rollen mittlerweile in und auswendig kennen und facettenreich und glaubwürdig interpretieren. Der restliche Cast um Kevin Bacon und Rebecca Hall spielt grundsolide, was aber eher den mäßig geschriebenen Nebenfiguren geschuldet ist. Frost/Nixon ist ein guter Film, obschon das Potential aus dem Schlagabtausch der beiden Hauptcharaktere nicht ganz ausgeschöpft wurde. Vielleicht ist die Geschichte aber auch besser auf der Bühne aufgehoben. (7/10)










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