Der Vorleser

Filmkritik
thereader

Ein Film, der die deutschen Medien so polarisiert, kann eigentlich nur unsere Zeitgeschichte thematisieren. Da wird geredet von einer „Geschichte für das gute Gewissen“ (From Beyond), von „Nazi-Porno und Revensionismus“ (artechock) oder von „emotionalen Missbrauch“ (Süddeutsche Zeitung). Stephen Daldry’s Adaption des Weltbestsellers von Bernhard Schlink beschönige die Verbrechen der Nazis, rücke Täter in ein viel zu gutes Licht und hinterfrage keinerlei Gründe und Intentionen für den systematischen Massenmord an sechs Millionen Menschen. Ohne das Buch jemals gelesen zu haben, unterschreiben könnte man diese Thesen sofort, wenn das Buch respektive der Film überhaupt den Anspruch erheben würden, eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Geschichte zu bieten. Das tun sie aber auf gar keinen Fall. Vielmehr behandelt Der Vorleser ein Einzelschicksaal, das sich gar nicht auf den Makrokosmos Deutschland übertragen lässt. Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte in der Nachkriegszeit, die ein abruptes und überraschendes Ende findet in der Schande eines Volkes, in einem Meer aus Lügen und der Angst vor der Aufbereitung der Schuld jedes eigenen. Diese Geschichte rückt keine Täter in ein schlechtes Licht, sondern demaskiert das Dilemma einer ganzen Generation, das nur von einer Frage geprägt ist und prekärerweise nie eine vollständige Antwort auf sie erhalten wird.

Ende der 50er Jahre in einer fiktiven deutschen Stadt. Der 15-jährige Michael Berg (David Kross), erkrankt an Gelbsucht, erleidet auf dem Schulweg einen Schwächeanfall. Eine ältere Frau (Kate Winslet) findet den Jungen, hilft ihm und bringt ihn nach Hause. Nach Monaten, die Gelbsucht ist inzwischen geheilt, sucht Michael die Frau mit einem Dankeschönsgeschenk auf. Nach anfänglicher Scheu beginnen die beiden eine Affäre. Nahezu jeden Tag treffen sie sich und haben dabei ein festes Ritual: erst muss Michael ihr aus Büchern vorlesen, danach haben sie Geschlechtsverkehr. Ihre Beziehung ist auf magische Art und Weise gleichzeitig intensiv, doch auch geprägt von Geheimnissen. So verrät sie zum Beispiel Michael auch auf Nachfrage nie ihren Namen. Eines Tages jedoch ist seine Geliebte verschwunden. Weg, nicht mehr auffindbar, ob in ihrer Wohnung oder ihrem Arbeitsplatz. Jahre später, Michael studiert mittlerweile Jura, kreuzen sich ihre Wege auf tragische Weise. Zusammen mit seiner Seminargruppe besucht er einen Kriegsverbrecher-Prozess, bei dem Hanna Schmitz, seine ehemalige Affäre, eine der Hauptangeklagten ist. Und sie trägt ein Geheimnis in sich, das nur Michael kennt.

Erzählt wird Der Vorleser unchronologisch in Rückblenden, die Rahmenhandlung bildet dabei Michael Berg (Ralph Fiennes), der quasi als Ich-Erzähler im Berlin der 90er Jahre auf den Pfaden seiner Geschichte wandelt. Durch diesen konsequenten Schnitt auf zwei beziehungsweise drei Zeitebenen entwickelt der Film schon von Anfang an eine große Portion Intensität, macht er doch den Stoff greifbarer, weil menschlicher für den Zuschauer. Michael wird eine Art Identifikationsfigur, der treibende Pol, an den sich der Zuschauer bis zum Ende stets zu halten hat. Dadurch enthält der Film auch Anleihen einer coming of age-Geschichte, denn der Zuschauer erlebt die Reifung, das Erwachsenwerden einer Figur innerhalb von 30 Jahren. Am Anfang ist Michael ein unsicherer Typ, ein Junge, der es sichtlich genießt, erste Erfahrungen im Schoße einer attraktiven älteren Frau zu sammeln. Der erste Sex, das erste verliebt sein – Michael macht Erfahrungen, eher als die meisten seiner Altergenossen, und vor allem intensiver. Dies lässt ihn auch eher reifen, er wird selbstbewusster, aber auch verletzlicher. Denn als seine Geliebte fort ist, bricht für den Teenager eine Welt zusammen. Acht Jahre später dann, als Student, bricht diese für ihn erneut zusammen. Michael überkommt eine innere Leere, ein Gefühl der totalen Entfremdung und auch ein Gefühl der Schuld. Das Unvermögen, Hannas entlastenden Hinweis vorzutragen, belastet ihn sehr. Er zieht sich zurück, wird nachdenklich, hat Angst vor jeglicher Bindung, die ihn verletzen könnte. So scheitert dann in den 70ern eine kurze Ehe und er beginnt, Kontakt mit Hanna über Kassetten aufzunehmen, auf denen er ihr aus Romanen vorliest. Es beginnt eine Phase der Selbstreflexion und Selbstheilung, die auch in den 90ern noch nicht abgeschlossen ist. Michael ist da immer noch ein gebrochener Mensch, wehleidig, moralisch desillusioniert. Die Geschichte hat ihn geprägt, nachhaltig. Doch er nimmt es mit der Geschichte auf und befindet sich am Ende des Films an einer Art Höhepunkt seiner Konfliktbewältigung.

Technisch ist der Film brillant, wie man es von Regisseur Stephen Daldry gewohnt ist. In rauen Farbtönen fängt er die Fotografien ein, ausgewaschen, passend zur Erzählstruktur des Films. Man sieht die Geschichte durch Michaels Augen, wehleidig und trostlos. Und genau dies spiegelt sich in den Bildern wieder. Untermalt werden diese durch einen wunderschönen Score von Nico Muhly, der das Gefühlsleben der Protagonisten wunderbar unterstreicht. Das Glanzstück des Films sind aber seine Darsteller. Kate Winslet gewann vergangenen Sonntag für ihre Rolle als Hanna Schmitz den verdienten Oscar, zeigt sie doch eine Frau, die gleichzeitig besessen ist von Ordnung, Regelmäßigkeit und Fleiß, aber auch ein tiefes Geheimnis ins sich birgt. Sie überzeugt nicht nur durch einen enormen physischen Einsatz, sondern durch eine intensive Darstellung einer gebrochenen Frau, die Schuld auf sich genommen hat und freiwillig Schuld auf sich nimmt. David Kross, der für seine Rolle erst Englisch lernen musste, brauch sich da gar nicht vor der grandiosen Winslet verstecken. Sicherlich gelingt ihm die ein oder andere Szenen nicht so perfekt, wie man es von einem erfahreneren Kollegen erwartet hätte, doch er schafft eines: die inneren Zerwürfnisse seiner Figur glaubhaft darzustellen. Kross hat Talent und bietet sich mit seiner Performance für weitere (Groß)Projekte an. Ralph Fiennes als dritter Hauptdarsteller reiht sich da perfekt ein. Er skizziert einen melancholischen Mann, gebrochen durch die eigene Geschichte, mit einer wehleidigen Miene, die zwar an manchen Stellen arg aufgesetzt wirkt, doch seine Wirkung auf den Zuschauer nicht verfehlt. Die zweite Reihe der Darsteller ist nahezu ausschließlich mit deutschen Schauspielern besetzt. Ob die wunderbare Hannah Herzsprung als Michaels Tochter, Karoline Herfurth als Kommilitonin, Bruno Ganz als Professor oder Burghart Klaußner als Richter: alle Akteure setzen der Größe ihrer Rolle entsprechend Akzente, lediglich Alexandra Maria Lara als ehemaliger KZ-Häftling ist total falsch besetzt.

Um abschließend noch einmal auf die Eingangsgedanken zu sprechen zu kommen: Der Vorleser hat gar nicht den Anspruch, eine gesamtdeutsche Geschichte zu erzählen. Hier geht es um ein Einzelschicksal, das sich in keinster Weise auf den Makrokosmos übertragen lässt. Der Film romantisiert keine Naziverbrechen und rückt auch keine Täter in ein rechtes Licht. Im Stillen setzt er sogar kleine Akzente, wenn zum Beispiel in den Szenen im Gericht die Mitangeklagten, allesamt negativ dargestellt, sich in größter Perversion zusammenrotten und gegen Hanna verschwören. Sie tun alles dafür, um glimpflich aus der Situation herauszukommen, um die Schlinge um ihre Halse zu lösen. Ein Sinnbild für ein Deutschland nach dem Krieg. Niemand hat etwas getan, niemand hat von etwas gewusst. Ein Aufarbeitungsprozess hat zum damaligen Zeitpunkt noch nicht stattgefunden. Vielmehr war das Volk mit sich im Reinen, wenn es kollektiv ein paar Schuldige gefunden hatte, auf die es alles abladen konnte. „Nazi“ schreien sie erbost und erzürnt im Gerichtssaal zu Hanna. Und Hanna ist in gewisser Weise zu schwach und zu feige, ihre entlastenden Beweise zu offenbaren. Sie nahm Schuld auf sich und nimmt freiwillig noch mehr Schuld auf sich. Für einen Preis, den niemand nachvollziehen kann. Sicherlich deshalb ist die Geschichte, vor allem bei uns in Deutschland, so umstritten. (8/10)

★★★★★★★★☆☆

Operation Walküre

Kurzkritik

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Operation Walküre hat in seiner Intention auf ganzer Linie versagt. Anstatt zu zeigen, dass nicht alle Deutschen Nationalsozialisten waren, glorifiziert der Film Teile des Heeres um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die wagemutig und ohne eigennützige Hintergedanken Hitler zu Fall bringen wollten, während das normale Volk, repräsentiert durch die Sekretärinnen im Vorzimmer, bitterlich um den angeblichen Tod des Führers weint. Aber man nimmt dies dem Film gar nicht übel, denn er hat ganz andere Qualitäten zu bieten. Bryan Singer transformiert den typisch amerikanischen Pathos in die Nazizeit, spielt mit übertriebener Symbolik, zeigt Swastikas in allen möglichen Variationen, ob an preußisch korrekt sitzenden Uniformen, Fahrzeugen oder als geflieste Unterlage eines bombastischen Schwimmbeckens. Berlin geht 1944 quasi nicht im Bombenteppich unter, sondern im Fahnenmeer. Warum nicht. Dazu dreschen die Figuren eine Phrase nach der anderen, so dass das Schweinchen im DSF seine helle Freude gehabt hätte. Der Film tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste und kommt dabei so wunderbar trashig daher, dass man ihn von vornherein nicht ernst nehmen kann und sollte. Wie blass Tom Cruise in seiner Rolle bleibt, ist geradezu unfassbar, fügt sich aber in die nahezu komplett fehlbesetzte Darstellerriege ein. Auffallend ist die hohe Dichte an deutschen Schauspielern in der zweiten und dritten Reihe. Ob Waldemar Kobus, Wotan Wilke Möhring oder Werner Daehn – Deutschlands Glanz und Gloria bekommt dank des Filmförderfonds wieder eine Chance, sich international zu beweisen. Mit Christian Oliver spielt nach Gedeon Burkhard (Inglourious Basterds) sogar der zweite ehemalige Kommissar aus Alarm für Cobra 11 einen deutschen Soldaten in einer amerikanischen Großproduktion. Semir kann man da ja auch schlecht besetzen. Das I-Tüpfelchen ist Matthias Schweighöfer, dessen aufgesetztes Pokerface so lächerlich und verkrampft ist, dass beim Zuschauer fremdschämen angesagt ist. Man muss Operation Walküre nehmen wie er ist. Denn unter der Oberfläche eines soliden und sogar spannenden Thrillers verbirgt sich der wohl unterhaltendste Trashfilm der letzten Jahre. (7/10)

★★★★★★★☆☆☆

Milk

Filmkritik
milk

Freiheit und Gerechtigkeit sind zwei der wichtigsten Grundprinzipien der heutigen Gesellschaft. Prinzipien, die sich Randgruppen und Minderheiten in den letzten Dekaden hart erkämpfen mussten. „I have a dream“ sprach der afroamerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King am 28. August 1963 vor 250.000 Menschen bei einer friedlichen Demonstration in Washington D.C.. Worte, die den Kampf der unterdrückten Schwarzen in einem Amerika der Rassentrennung bis heute symbolisieren. Und Worte, die eine schwierige, jedoch stetige Progression der Gleichberechtigung nach sich zogen, bis hin zum ersten farbigen amerikanischen Präsidenten. Ein Fortschritt, von dem die Lesben-/ und Schwulenbewegung nur träumen kann. Im letzten Jahr verabschiedete der Bundesstaat Kalifornien den so genannten „Antrag 8“, der es Homosexuellen untersagt, gleichgeschlechtliche Ehen einzugehen. „Antrag 8“ ist für das freie Amerika ein derber Rückschlag – erwirkte doch 30 Jahre zuvor der erste demokratisch gewählte schwule Stadtrat von San Francisco, Harvey Milk, eine Ablehnung des von Erzkonservativen initiierten „Antrag 6“, der Homosexuelle prophylaktisch aus dem Schulwesen entfernen wollte. Milk war ein Vorkämpfer für Toleranz und Gleichberechtigung, ein Mann, der für seine Ideale letztlich den Tod sterben musste. Und diesem Mann setzt Regisseur Gus Van Sant mit seinem gleichnamigen Biopic ein filmisches Denkmal. Zwei Oscars bei acht Nominierungen sprechen für sich – in einem ambivalenten Amerika, geprägt vom Wandel und von „Antrag 8“, ist das Thema so aktuell wie nie.

Dabei sollte schon 1991 mit der Produktion an einem Film über Harvey Milk begonnen werden. Oliver Stone schrieb das Drehbuch zu The Mayor Of Castro Street, dass von Gus Van Sant mit Robin Williams in der Hauptrolle verfilmt werden sollte. Andere Kandidaten für die Rolle des Harvey Milk waren Daniel Day-Lewis, Richard Gere und James Woods. Doch Van Sant überwarf sich wegen kreativer Differenzen mit dem Studio. Es dauerte sechzehn Jahre, bis Van Sant 2007 das Projekt wieder ins Auge fasste und in Dustin Lance Black’s Drehbuch eine geeignete Vorlage fand. Zur gleichen Zeit begann Regisseur Bryan Singer die Arbeit an einer Verfilmung von Oliver Stones ursprünglichem Drehbuch. Das Projekt verschwand aber im Zuge des Autorenstreiks in der Versenkung. Nun war für Van Sant der Weg endgültig frei, Milk zu realisieren. Er besetzte die Hauptrollen mit Sean Penn und Matt Damon, der auf Grund von Terminproblemen später durch Josh Brolin ersetzt wurde. Van Sant drehte fast ausschließlich an Originalschausplätzen. Eine Tatsache, die dem Film ein großes Stück Authentizität verleiht und seinen dokumentarischen Anspruch unterstreicht. Kameramann Harris Savides, der mit American Gangster oder Zodiac schon ein großes Gespür dafür bewies, die 60er und 70er Jahre lebendig auf die Kinoleinwand zu zaubern, gelingen außergewöhnlich schöne Fotografien, die einen ganz besonderen Zeitgeist einfangen. Diese Kulisse bildet Rahmen für ein extraordinäres Darstellerensemble, das im Verlaufe der Geschichte genügend Freiraum bekommt, seine ganze Stärke auszuspielen.

Allen voran Sean Penn als Dreh-/ und Angelpunkt des Films liefert seine wohl bis dato beste Karriereleistung ab und hätte zu Recht den Oscar gewonnen, wenn Mickey Rourke nicht gewesen wäre. Er porträtiert einen mutigen und sympathischen Mann, der für Zivilcourage und Toleranz kämpft, mal wunderbar ironisch, mal gefühlvoll mitreißend. Es sind eine erstaunliche physische Präsenz Penns, seine Mimik und seine Gestik, die eine ungeheure Faszination auf den Zuschauer ausüben. Hervorzuheben ist neben Penn aber auch Josh Brolin, der als Milks konservativen Amtskollegen Dan White seine derzeitige Position als Garant für beständig gute Leistungen unterstreicht. Es ist schon erstaunlich, wie Wandlungsfähig sich Brolin in seinen letzten Filmen gezeigt hat, vom durchgeknallten Doktor in Planet Terror über einen gewieften Polizisten in American Gangster bis hin zum ehemaligen US-Präsidenten Bush in W.. Er ist auf dem besten Weg, sich in die erste Garde Hollywoods zu spielen, und das ist dem sympathischen Mann gegönnt. Auch in der zweiten Reihe überzeugt Milk durch gute bis sehr gute Darstellerleistungen von Emile Hirsch, James Franco oder auch Alison Pill, die als lesbische Wahlkampfbetreuerin Milks die wohl coolste Performance des Films hinlegt.

Wenn man dem Film etwas vorwerfen will, dann sein unausgereiftes Drehbuch, das ungerechter Weise den Oscar einheimsen konnte. Zum Es gelingt ihm nicht, einen adäquaten Einstieg in den Film – und damit in die Hauptfigur zu vermitteln. Der Film startet mit dem 40. Geburtstag des Protagonisten und bläst bis zu dessen Entscheidung, politisch aktiv zu werden, den Schnelldurchlauf. Das familiäre Umfeld, seine gesellschaftliche Integration – das Buch verwehrt dem Zuschauer tiefere Einblicke in die Person Harvey Milk, kratzt lediglich an dessen wenn auch zugegeben faszinierender Oberfläche. Auch im weiteren Verlauf des Films bleibt das Gefühlsleben der Figuren außen vor. Doch Van Sant schafft es mit einer starken Regie, die Schwächen des Drehbuchs zu überspielen. Das Gespür für große Bilder, das Timing für intensive Szenen, für eine starke Symbolik: man bemerkt, dass Van Sant sehr viel an dem Projekt liegt und er jede Kameraeinstellung, jede Szene bis ins Detail geplant hat. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er dabei auf Klischees verzichtet und mit viel Witz und Ironie die gesellschaftliche Randgruppe im brisanten Kampf um Gleichberechtigung und Toleranz zeigt. Gerade die Vermischung der großartigen Bilder mit Archivmaterial und grobkörnigen, gar dokumentarisch anmutenden Szenen ist sehr gelungen und verstärkt die wichtige Intention des Films.

Mein Fazit:

Milk ist ein wichtiger Film. Ein Film, der für Freiheit, Toleranz und Gleichberechtigung von gesellschaftlichen Randgruppen kämpft und dem Vorreiter der amerikanischen Schwulenbewegung, den ersten demokratisch gewählten Stadtrat Harvey Milk, ein großes Denkmal setzt. Neben den schönen Bildern und dem wuchtigen Soundtrack von Danny Elfman überzeugt vor allem der Cast um Sean Penn, der innerhalb der zwei Stunden Laufzeit zu Hochform aufläuft. Und auch wenn das Drehbuch nicht frei von Schwächen ist, ist Milk wohl einer der wichtigsten Filme des Jahres mit einer eindeutigen, klaren und essentiellen Intention. Gerade in Zeiten von „Antrag 8“. (8/10)

★★★★★★★★☆☆

BLOGSPIEGEL

Symparanekronemoi: 8/10

From Beyond: 9/10

Marcus kleine Filmseite: 10/10

Kino, TV & Co.: 8/10

MoviezKult: 8/10

Durchschnittwertung: 8.6/10

Terminator 2 – Limited Skynet Fan Edition

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Eigentlich war es mir keine Meldung wert, da man aber nichts über eine womögliche Limitierung weiß und die Box heute kurzfristig bei Amazon schon ausverkauft war, weise ich hiermit auf ein ganz besonderes Schmankerl hin, dass Kinowelt den Fans der Terminator-Reihe pünktlich zum deutschen Blu-ray-Release am 22. Mai präsentiert: die “Limited Skynet Fan Edition”. Diese kommt mit einem 35cm hohen und 18cm breiten “T2 Endoskull” mit leuchtenden Augen und eingebautem Soundchip. Die Blu-ray selbst verfügt über alle drei Schnittfassungen des Films, die per seemless branching angewählt werden können. Wem das immer noch nicht genügt, der bekommt neben einer zusätzlichen DVD mit dem Director’s Cut massig Bonusmaterial:

  • Audiokommentar von Cast & Crew
  • Audiokommentar von James Cameron und Co Autor William Wisher
  • Deleted Scenes mit Audiokommentaren
  • Interaktive Features:
  • Picture-in-Picture-Mode
  • Produktionsdaten- und Triviadaten-Modul parallel zum Film
  • Exklusive Behind-the-Scenes-Kommentare zum Film (ca. 100 Min.)
  • Original-Drehbuch und Original-Storyboard parallel zum Film
  • Interaktiver T2-Quiz-Mode
  • Interaktive Spiele zum Film
  • Restaurierte T2-HD-Trailer
  • Bookmarks, BD-Live
  • D-Box Motion Codes
  • THX Optimizer (Bild und Ton sind THX zertifiziert)

Für den im Vergleich zu anderen Head Editions wie von I,Robot angemessenen Preis von 66,99€ kann man die Edition bei Amazon vorbestellen. Man sollte sich jedoch beeilen, den derzeit sind nur noch knapp 850 Exemplare verfügbar!

T2 – Limited Skynet Fan Edition bei Amazon vorbestellen!

81st Annual Academy Awards – Die Gewinner

Der Abend fing schon gut an. Das reichliche überforderte Pro Sieben-”Expertenteam” um Annemarie Warnkross und Steven Gätjen erklärt Brangelina zu den offiziellen Topfavoriten auf den Zwillings-Oscar (wie lustig) und zeigt, dass es auch so wenig Ahnung von der Materie hat. So wird Der Baader Meinhof Komplex mal schnell zum Baader Meinhof concept (nur echt auf Denglisch) und am roten Teppich gibt es Interviews nur mit echten Stars wie Michael “Bully” Herbig (wtf?), Heidi Klum & ihrem Göttergatten und Schmusekater Seal sowie David Kross, den man anscheinend nur auf Englisch anreden kann. Die anschließende Oscar-Verleihung, in Szene gesetzt in einem neuen Modus, der die Nebenkategorien quasi im Schnelldurchlauf abhandelt, war dann auch nicht besser. Jackman als ewig tanzender und blödelnder Host war gänzlich überfordert und seine Witzchen eher gequält als lustig. Lediglich eine handvoll Laudatoren um Will Smith und Jack Black lockerten das Treiben etwas auf. Die Krönung waren dann die Werbepausen im Zehn-Minuten-Takt, die immerhin dafür gesorgt haben, dass ich jetzt weiß, wo ich Finding Neverland günstig auf DVD bekomme. Herrlich. Preise wurden übrigens auch vergeben, hier die Gewinner und ein kleines Fazit dazu (Idee geklaut von Flo, aber was solls?):

BESTER FILM

Slumdog Millionaire – Der verdiente Gewinner, weil der beste Film unter den Nominierten.

BESTER HAUPTDARSTELLER

Sean Penn (Milk) – Der Treppenwitz des Abends. Nicht, das Penn schlecht gewesen wäre, ganz im Gegenteil. Aber gegen Rourke kann er anstinken. Hier siegt political correctness und nicht die Leistung.

BESTE HAUPTDARSTELLERIN

Kate Winslet (The Reader) – Wie erwartet und völlig verdient.

BESTER NEBENDARSTELLER

Heath Ledger (The Dark Knight) – Auch wie erwartet, in Ermangelung der Konkurrenz gerechtfertigt.

BESTE NEBENDARSTELLERIN

Penelopé Cruz (Vicky Cristina Barcelona) – Gewinnt mit dezentem over acting gegen starke Konkurrenz aus Doubt und The Curious Case Of Benjamin Button – ungerechtfertigt.

BESTE REGIE

Danny Boyle (Slumdog Millionaire) – Dreht den besten Film des Jahres und gehört sowieso zu Kritikers Liebling. Passt.

BESTES ORIGINAL DREHBUCH

Dustin Lance Black (Milk) – Unverständlich. Zum einen hatte das Skript die eine oder andere Schwäche, zum anderen ist es in meinen Augen nicht wirklich “original”, da basierend auf wahre Begebenheiten.

BESTES ADAPTIERTES DREHBUCH

Simon Beaufoy (Slumdog Millionaire) – Passt.

BESTE KAMERA

Anthony Dod Mantle (Slumdog Millionaire) – Changeling überzeugte in Sachen Kamera mehr, aber der Oscar geht durch.

BESTER SCHNITT

Chris Dickens (Slumdog Millionaire) – Völlig in Ordnung.

BESTES KÜNSTLERISCHES DESIGN

Donald Graham Burt & Victor J. Zolfo (The Curious Case Of Benjamin Button) – Auch hier wäre Changeling der verdientere Sieger gewesen.

BESTE KOSTÜME

Michael O’Connor (The Duchess) – Keine große Überraschung. Hat ja quasi als Kostümfilm seine Daseinsberechtigung.

BESTES MAKEUP

Greg Cannom (The Curious Case Of Benjamin Button) – Völlig verdient. Ob der alte Brad Pitt oder die alte Cate Blanchett – das Makeup war state of art.

BESTER SOUNDTRACK

A.R. Rahman (Slumdog Millionaire) – Hier gewinnt Exotik gegen Konvention. Keine große Überraschung, obschon es gleichwertige Konkurrenz gab.

BESTER SONG

A.R.Rahman – “Jai Ho” (Slumdog Millionaire) – Siehe oben. “Down to Earth” sowie “The Wrestler” wären die bessere Wahl gewesen.

BESTER TON

Ian Tapp und andere (Slumdog Millionaire) – “Man konnte Mumbai riechen” (O-Ton Steven Gätjen). Naja, zumindestens hören konnte man es.

BESTER TONSCHNITT

Richard King (The Dark Knight) – Wer den Film im Kino sehen durfte, wird dem Oscar zustimmen. Satte Bässe, gute Toneffekte. Ein rundes Erlebnis.

BESTE VISUELLE EFFEKTE

Eric Barba und andere (The Curious Case Of Benjamin Button) – So sicher und verdient wie der Oscar in der Makeup-Kategorie.

BESTER ANIMATIONSFILM

Wall-E - …what else?

BESTER NICHTENGLISCHSPRACHIGER FILM

Okuribito - Hatte wohl keiner auf der Rechnung. Aber letztlich haben wohl der kürzliche Gaza-Krieg und die letzten zwei deutschsprachigen Gewinner den Ausschlag gegeben.

BESTER KURZFILM

Spielzeugland - Nazis + deutsche Filmproduktion = zieht immer.

Countdown to Oscars 2009

Heute Abend ist es endlich soweit: zum 81. mal werden in Los Angeles die Oscars, der wichtigste Filmpreis der Welt verliehen. Wie auch schon im letzten Jahr möchte ich daher an dieser Stelle die Oscar-Gewinner tippen und meinen eigenen Oscar verleihen. Es wird auf jeden Fall eine spannende Kiste, denn die nominierten Filme, die ich nun alle gesehen habe, geben sich weitesgehend die Waage. Aber wie Flo es schon sagte: ein starkes Oscarjahr ist es nicht. Morgen gibt es dann hier die Gewinnerliste inklusive eines kleinen Fazits.

BESTER FILM

Tipp: Slumdog Millionaire

Mein Oscar: The Wrestler

BESTER HAUPTDARSTELLER

Tipp: Mickey Rourke (The Wrestler)

Mein Oscar: Mickey Rourke (The Wrestler)

BESTE HAUPTDARSTELLERIN

Tipp: Kate Winslet (The Reader)

Mein Oscar: Kate Winslet (The Reader)

BESTER NEBENDARSTELLER

Tipp: Heath Ledger (The Dark Knight)

Mein Oscar: Heath Ledger (The Dark Knight)

BESTE NEBENDARSTELLERIN

Tipp: Penelopé Cruz (Vicky Cristina Barcelona)

Mein Oscar: Amy Adams (Doubt) oder Taraji P. Henson (The Curious Case Of Benjamin Button)

BESTE REGIE

Tipp: Danny Boyle (Slumdog Millionaire)

Mein Oscar: Danny Boyle (Slumdog Millionaire)

BESTES ORIGINAL DREHBUCH

Tipp: Dustin Lance Black (Milk)

Mein Oscar: Martin McDonagh (In Bruges)

BESTES ADAPTIERTES DREHBUCH

Tipp: Simon Beaufoy (Slumdog Milionaire)

Mein Oscar: Simon Beaufoy (Slumdog Millionaire)

BESTE KAMERA

Tipp: Claudio Miranda (The Curious Case Of Benjamin Button)

Mein Oscar: Tom Stern (Changeling)

BESTER SCHNITT

Tipp: Chris Dickens (Slumdog Millionaire)

Mein Oscar: Chris Dickens (Slumdog Millionaire)

BESTES KÜNSTLERISCHES DESIGN

Tipp: James J. Murakami & Gary Fettis (Changeling)

Mein Oscar: James J. Murakami & Gary Fettis (Changeling)

BESTE KOSTÜME

Tipp: Michael O’Connor (The Duchess)

Mein Oscar: Michael O’Connor (The Duchess)

BESTES MAKEUP

Tipp: Greg Cannom (The Curious Case Of Benjamin Button)

Mein Oscar: Greg Cannom (The Curious Case Of Benjamin Button)

BESTER SOUNDTRACK

Tipp: A.R. Rahman (Slumdog Millionaire)

Mein Oscar: Hans Zimmer & James Newton Howard (The Dark Knight)

BESTER SONG:

Tipp: Peter Gabriel & Thomas Newman – Down To Earth (Wall-E)

Mein Oscar: Bruce Springsteen – The Wrestler (The Wrestler)

BESTER TON

Tipp: Ed Novick, Lora Hirschberg & Gary Rizzo (The Dark Knight)

Mein Oscar: Ed Novick, Lora Hirschberg & Gary Rizzo (The Dark Knight)

BESTER TONSCHNITT

Tipp: Richard King (The Dark Knight)

Mein Oscar: Richard King (The Dark Knight)

BESTE VISUELLE EFFEKTE

Tipp: Eric Barba, Steve Preeg, Burt Dalton & Craig Barron (The Curious Case Of Benjamin Button)

Mein Oscar: Eric Barba, Steve Preeg, Burt Dalton & Craig Barron (The Curious Case Of Benjamin Button)

BESTER ANIMIERTER FILM

Tipp: Wall-E

Mein Oscar: Wall-E

BESTER NICHTENGLISCHSPRACHIGER FILM

Tipp: Waltz With Bashir

Mein Oscar: Der Baader Meinhof Komplex

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The Wrestler

Filmkritik

Man kann ihn mögen oder nicht, doch eines ist sicher: Darren Aronofsky zählt zu den talentiertesten Regisseuren in Übersee. Ob sein audiovisuell hervorragendes Technik-Lehrstück Requiem For A Dream oder sein unterschätztes Meisterwerk The Fountain – Aronofsky inszeniert so ästhetisch wie sonst nur ein Park Chan-wook und schafft dabei den schwierigen Spagat zwischen ernstzunehmender Filmkunst und Prätention, ein gutes Drehbuch vorausgesetzt. Doch bei aller Anerkennung, die dem Ehemann von Rachel Weisz entgegenströmt: viel Geld spielen seine Filme nicht ein im Kino. Ein Film von Aronofsky ist immer ein finanzielles Risiko. Gerade nach dem Flop mit The Fountain, der bei geschätzten Produktionskosten von 35 Millionen Dollar in den Staaten nur etwa ein Drittel wieder einspielen konnte, war kein Produzent bereit, das Budget für einen Film mit Mickey Rourke in der Hauptrolle zu stemmen. So sprang Nicolas Cage ein, der freundlicherweise nach Beginn der Vorproduktion wieder Platz gemacht hat für Aronofskys ursprüngliche erste Wahl. Aronofsky wusste, dass Rourke immer ein potentielles Risiko für einen Film sein könne. Doch er riskierte es und machte alles richtig.

Denn Mickey Rourke spielt die Rolle seines Lebens als Randy „The Ram“ Robinson, einen ehemaligen Profi-Wrestler aus den Achtzigern, ein körperliches und seelisches Wrack, isoliert in einer Welt, die den alten Star schon längst vergessen hat. Für seinen Lebensunterhalt kämpft er noch immer in einer viertklassigen Liga, aufgeputscht von Steroiden, die seinen körperlichen Zerfall zumindest mittelfristig stoppen sollen. Randy ist ein Versager, zwar von den alten Fans immer noch verehrt, doch privat auf ganzer Linie gescheitert. Er lebt in einem Trailer Park in einer Gegend, in der man die Bewohner gelegentlich auch als white trash bezeichnet und hat zu seiner mittlerweile erwachsenen Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood) keinen Kontakt mehr. Er ist ein gebrochener Mann, der ironischerweise nur noch durch seinen Sport am Leben erhalten wird. Denn sein Sport ist es auch, der für sein Leben die größte Bedrohung darstellt. Nach einem so genannten no disqualification match, also einem Kampf, bei dem alle Mittel von Glasscherben bis Stacheldraht erlaubt sind, erleidet Randy einen Herzinfarkt. Nur mit Glück überlebt er diesen und bekommt striktes Wrestling-Verbot von seinen Ärzten. In dieser Situation scheint Randy alles verloren zu haben, doch er versucht, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Er verliebt sich in die Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) und baut ganz behutsam den Kontakt zu seiner Tochter wieder auf. Doch irgendetwas fehlt in diesem Leben: das Wrestling. Randy muss deshalb die Entscheidung treffen, ob er entgegen aller Verbote wirklich zu einem Match gegen Ayatollah, seinen größten Widersacher aus den Achtzigern, antreten soll.

Zwischen dem Leben von Randy „The Ram“ Robinson und Mickey Rourke gibt es zahlreiche Parallelen. Beide waren gefeierte Stars, von den Fans und der Presse vergöttert. Doch vor allem kennen beide die Kehrseite der Medaille. Das Leben als gefallener Held, verspottet, gebrochen und nicht mehr wahr genommen. Nach fatalen Rollenentscheidungen von Rourke Anfang der Neunziger, der Angebote für Filme wie Rain Man oder Platoon ablehnte und dafür einen Flop nach den anderen drehte, war auch er auf dem Boden der Realität angekommen. Das Geld versoffen, den Ruhm verspielt. Rourke war ganz unten und startete deshalb eine Karriere als Profi-Boxer, die er aber nach nur acht Kämpfen vorzeitig beendete. Körperlich nahm ihn diese Phase seines Lebens zu sehr mit und so verschwand er gezeichnet von Brüchen und Narben im ganzen Gesicht von der Bildfläche. Erst Robert Rodriguez verhalf Rourke 2005 wieder zu einem Comeback mit einer Rolle in seiner Comic-Adaption Sin City. Aronofsky schließlich schliff den Rohdiamanten Rourke und verhalf ihm zu seiner besten Karriereleistung und zum, da brauchen wir uns wohl nichts vormachen, Oscar als Bester Hauptdarsteller. Und niemand hat den Oscar in diesem Jahr mehr verdient als Rourke, der in seiner Rolle aufgeht, der es genießt, dieser Figur seinen Stempel aufzudrücken, der physisch wie auch psychisch die Glanzpunkte des Filmes markiert. Rourke ist so stark wie noch nie – und wird in Anbetracht der Umstände wohl auch nie mehr so stark werden. Dabei sind es vor allem die kleinen und stillen Momente, die Rourke in einer Intensität herüberbringt, dass Gänsehaut garantiert ist. Schade nur, dass der Trailer schon recht viele Szenen gespoilert hat.

Aber auch neben dem großartigen Rourke lässt der Film einigen anderen Darstellern Zeit, ihr Talent abzurufen. Marisa Tomei spielt die Stripperin Cassidy, die im Verlauf der Geschichte behutsam eine Beziehung zu Randy entwickelt. Tomei setzt dabei vor allem in der ersten Hälfte des Films Akzente auf körperlicher Ebene, schafft es aber, trotz einer vergleichsweise geringen screentime, ein eindeutiges Charakterprofil zu erstellen. Sie ist im Kern eine verletzliche Person, eine junge Mutter, die um den Lebensunterhalt ihres Sohnes bemüht ist, eine Person, die sich unter der Maskerade der starken Stripperin versteckt. Sie hat mehr gemein mit Randy, als gedacht. Gerade deshalb verstehen sich die zwei von Anfang an, kann sich aus dem Verhältnis Kunde-Stripperin eine ernstere Beziehung entwickeln. Die zweite Frau in Randys Leben ist seine Tochter Stephanie. Stephanie hat mit ihrem Vater gebrochen, hat seine ewigen Eskapaden, seine ewigen Ausflüchte und seine ewigen Ausreden satt. Sie ist geflohen in eine eigene Welt und lebt zusammen mit ihrer Lebenspartnerin in einer feineren Wohngegend als ihr Vater. Gerade Randys erste Versuche der Kontaktaufnahme machen es ihr schwer, sie blockt ab, hat Angst vor einer erneuten Enttäuschung. Doch Randy gibt nicht auf und fleht um eine letzte Chance. Evan Rachel Wood ist ein den Punkt genau besetzt, man fühlt regelrecht das Knistern zwischen ihr und Mickey Rourke. Ihr Charakter ist ganz ähnlich dem von Marisa Tomei: verletzlich, gefühlvoll, geflüchtet unter eine harte und abweisende Oberfläche. Diese Beziehung hat Substanz. Umso ärgerlicher ist es da fast, dass Aronofsky sich nicht mehr Zeit für sie genommen hat. Er legt den Fokus klar auf Cassidy und spart so einige garantiert emotionale Szenen aus.

Aronofsky selbst ist glücklicherweise einem Reifungsprozess unterlaufen. The Wrestler ist sein erster Film, in dem nicht die virtuose Ästhetik seiner Bilder und der Musik von Clint Mansell im Vordergrund steht, sondern eine Geschichte. Er inszeniert seinen Film nicht mit extravaganten und manipulativen Schnitttechniken, sondern nimmt sich Zeit, Figuren und Charaktere fast dokumentarisch aufzubauen. Dafür wechselte er erstmals seinen Stammkameramann aus und ersetzte ihn durch Maryse Alberti, eine erfahrene Dokumentarfilmerin. Ein Wechsel, der sich bezahlt macht. Die Bilder, dominiert von Handkameras, vermitteln mit ihren ausgewaschenen Farben den Eindruck, als nehme der Zuschauer direkt Teil an Randys Leben. Sie sprühen eine Intensität aus, die den Film im ersten Moment für manche vielleicht gar nicht greifbar lassen lässt. Denn die Bilder vermitteln vordergründig eines: Hoffnungslosigkeit, Trostlosigkeit, das Gegenteil des amerikanischen Traums. Bei der offensiven Darstellung von Gewalt-/ und Sexszenen bleibt Aronofsky hingegen seiner Linie treu. Das no disqualification match zeigt er ohne Kompromisse, hält die Kamera da drauf, wo selbst schon manche Regisseure aus dem torture porn-Fach ausgeblendet hätten. Doch wie auch schon bei Requiem For A Dream dienen die exzessiven Darstellungen der Intention des Regisseurs, sind keineswegs sinnlos und deplatziert.

Mein Fazit:

Mit The Wrestler erreicht Darren Aronofsky eine neue Stufe auf seiner Karriereleiter. Seine visuellen Spielereien opfert er der ruhigen Entwicklung einer intensiven Geschichte, die von Mickey Rourke nicht nur getragen, sondern brilliert wird. Intensiv, schonungslos, melancholisch – The Wrestler will keine gute Laune verbreiten, sondern demaskiert auf seine Weise den amerikanischen Traum. Ein großartiger Film, und wichtiger: die Auferstehung eines gefallenen Helden. (9/10)

★★★★★★★★★☆

BLOGSPIEGEL

Symparanekronemoi: 8/10

Equilibrium: 10/10

MoviezKult: 9/10

Durchschnittwertung: 9/10

Inglourious Basterds: 3 Neue Poster

So langsam beginnt das Marketing zum erst kürzlich abgedrehten WWII-Spektakel Inglourious Basterds von Quentin Tarantino. Nach dem ersten Teaser hat Empire heute exklusiv die ersten 3 Poster – und die rocken gewaltig!

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[via:Affenheimtheater]

The Expendables: Ist Arnold Schwarzenegger Dabei?

So langsam entwickelt sich Sylvester Stallones The Expendables zu einem meiner Lieblingsprojekte. Denn wie Harry Knowles von AICN erfahren haben will, soll Arnold Schwarzenegger für ein kleines Cameo in die Rolle von Gouverneur Arnold Schwarzenegger schlüpfen. Er und Barney Ross, der Charakter von Stallone, sollen sich angeblich vom gemeinsamen Dreh zu Conan, Der Barbar kennen. Klingt echt krank, aber diese Besetzung wäre ein riesiger Coup. Auch bei der weiteren Besetzung hat sich so einiges getan. Sir Ben Kingsley ist wohl raus aus dem Projekt und wird durch Eric Roberts ersetzt. Mickey Rourke hingegen hat endlich unterschrieben und auch Danny Trejo soll eine Rolle ergattert haben. Ein “Ensemblefilm á la Oceans 11, nur mit hässlichen Typen” (O-Ton Stallone)? Kann definitiv kommen.

Freitag Der 13. (Remake)

Kurzkritik

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Sechs Jahre nach dem großartigen Horror-Vehikel Freddy Vs. Jason bringen die Remake-Erprobten Michael Bay und Markus Nispel mit ihrer eigenen 2009er-Version von Freitag Der 13. endlich wieder die Slasherikone Jason Voorhees ins Kino. Wie auch bei ihrer ersten Zusammenarbeit, dem Aufguss von Texas Chainsaw Massacre im Jahr 2003, erwartet den Zuschauer eine auf Hochglanz polierte Mainstreamproduktion, die vordergründig das amerikanische Publikum von 16 bis 30 Jahren ansprechen soll. Da dieses im Allgemeinen nicht für ein breites Intelligenzspektrum bekannt ist, fällt das Drehbuch dementsprechend mager aus. Neben den Metzelszenen gibt es so nur ein Thema, nämlich zwischenmenschlichen Verkehr. Dazu gibt es glorreiche Dialoge wie „Deine Titten sind total saftig, Süße“ oder „Deine Nippel sind perfekt platziert, Baby“. Auch die Figuren sind wenig einfallsreich und total uninteressant. Da hätten wir so zum einen das privilegierte Arschloch, das Papas Ferienhäuschen für ein spritziges Wochenende klar macht, die zwei Silikonpüppchen, den freakigen Nerd, den lustigen Asiaten und den kiffenden Schwarzen. Der Film bedient alle gängigen Klischees des Slashergenres, entgegnet ihnen jedoch nicht mit der Portion Ironie und Einfallsreichtum, der er bitter nötig gehabt hätte.

Auch inszenatorisch weiß Freitag Der 13. nicht wirklich zu gefallen. Dem ehemaligen Werbefilmer Nispel gelingen zwar immer wieder starke Einzelbilder, doch er verpasst es, markante Akzente zu setzen und seinen Film zu einem homogenen Ganzen zu formen. Viel lieber greift er in die Trickkiste, mischt die störende Handkamera zwischen die konventionellen Bilder und versucht so, extrem modern zu wirken. Der desaströse Schnitt, der gerade in den Metzelszenen für einige Verwirrung bei den Zuschauern sorgt, wie auch der aufdringliche Synthie-Soundtrack setzen dem noch die Krone auf. Die Inszenierung ist ein Spannungskiller und entzieht dem Film dadurch eigentlich die letzte Daseinsberechtigung. Lediglich die Slasher-Szenen, in denen sich Jason so allerlei Werkzeug bedient, können gefallen, da sie nicht unbedingt durch einen extremen gore-Effekt auffallen, sondern durch Originalität. Denn auch wenn die Figur Jason einem grundlegenden Wandel hin zum flinken Killer unterzogen wurde – von ihm und seinen Morden geht eine ungeheure Faszination aus. Umso ärgerlicher ist es dann, dass die Figur für einen solch unwürdigen Film missbraucht wurde. (3/10)

★★★☆☆☆☆☆☆☆

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