Zeiten Des Aufruhrs – Revolutionary Road
Kurzkritik

Am Anfang war alles doch noch so unkompliziert. Ende der 40er Jahre lernen sich die aufstrebende Theaterschauspielerin April (Kate Winslet) und der Kriegsveteran Frank Wheeler (Leonardo Di Caprio) kennen und lieben. Sie leben den liberalen Traum, selbstbewusst, abseits des erzkonservativen bürgerlichen Trotts, schwärmen von moderner Kunst, von Freiheit und von fernen Ländern. Doch eine ungewollte Schwangerschaft reißt das Paar aus allen Illusionen. Sie ziehen in eine kleine Vorstadt nach Connecticut, in die Revolutionary Road, einem spießigen Wohngebiet mit quadratischen Rasenflächen und einheitlichen Vorgärten. Sie wissen, sie sind anders als die Bewohner hier. Sie wollen frischen Wind in die angestaubte Region bringen. Doch als Jack einen Bürojob in der ehemaligen Firma seines Vaters annimmt und April hochschwanger mit einem zweiten Kind ihren häuslichen Pflichten nachkommt, scheinen ihre Träume in weite Ferne gerückt zu sein. Beide hassen ihre Aufgaben und ehe sie es merken, sind sie schon längst ein Teil der bourgeoisen Gesellschaft. Ihre Ehe verkommt mit den Jahren zu einer reinen Zweckgemeinschaft, einzig und allein zusammengehalten von den beiden gemeinsamen Kindern und dem bürgerlichen Wertesystem. Mit dem Ziel, nach Paris auszuwandern, wollen sie ihrer Liebe und damit ihrer gemeinsamen Zukunft eine letzte Chance geben. Doch eine ungewollte Schwangerschaft zerreißt das Band zwischen April und Frank endgültig.
Für die Adaption des gleichnamigen Romans von Richard Yates hat sich Regisseur Sam Mendes (American Beauty) etwas ganz besonderes einfallen lassen. Elf Jahre nach dem Megaerfolg Titanic vereint er seine Ehefrau Kate Winslet wieder mit Leonardo Di Caprio als Liebespaar. Ein guter Schachzug, denn schon in James Cameron’s Schiffsepos stimmte die Chemie zwischen den beiden Darstellern. Mittlerweile sind sie aber auf ein derart hohes schauspielerisches Level gereift, dass sie auch den Verfall der Ehe glaubwürdig interpretieren können. Vor allem Di Caprio überzeugt als Büroangestellter wider Willen, der letztlich vor sich selbst in eine Affäre mit einer Kollegin flüchtet, und der nach einer überraschenden Beförderung merkt, dass Geld und Macht vielleicht doch mehr wiegen als Träumereien. Dagegen wirkt Kate Winslet in weiten Teilen des Films blass, sie geht nicht auf in ihrer Rolle, was sich vor allem in einer intensiveren Szene zeigt, in der ein gewöhnlicher Ehestreit der Wheelers in eine Mobiliarschlacht ausartet. Dass sie letzten Endes nicht für diese Rolle Oscar nominiert wurde, ist völlig gerechtfertigt. Gerechtfertigt ist aber auch die Nominierung von Michael Shannon als bester Nebendarsteller. Shannon spielt den psychisch labilen Sohn der Vermieterin der Wheelers (Kathy Bates), der unter Missachtung aller Konventionen dem Ehepaar ungeniert den Spiegel vorhält, der ihren nach außen hin postmodernen Lebensstil auch Heuchlerei enttarnt. Dass Zeiten Des Aufruhrs trotz aller Lobhudelei letztlich doch ein kleines bisschen enttäuscht, ist dem Drehbuch geschuldet, welchem die letzte Konsequenz fehlt. Man hätte gerne mehr erfahren über das Leben der Familie Wheeler, nicht nur des Ehepaars Wheeler. Die Kinder, die inhaltlich mehr zur Geschichte beitragen als vordergründig angenommen, werden so gut wie gar nicht beleuchtet. Auch die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche der Nachkriegszeit werden trotz ihrer Relevanz nicht präzise genug erläutert. Der Film konzentriert sich mehr oder weniger auf den Mikrokosmos der Familie, ohne ihn passend in den Makrokosmos einzuordnen – und das kann Mendes mit seiner schlichten Regie ohne Experimente nicht mehr ausgleichen. (6,5/10)










5 Comments




Mhm, ich fand die Winslet gut. Stärker auf jeden Fall als in READER, hätte sie auch eher für den Mendes als den Daldry nominiert. Shannon war okay, hat mich aber nicht umgehauen. Den Film selbst fand ich recht gut, Makrokosmos hin oder her.
Makrokosmos
Sehe ich ein wenig Anders. Erstens kann man das imho voraus Setzen (Gerade bei dem Publikum, dass sich den Film ansieht) und zum Anderen ist der Fokus auf eine spezifische Persiode in diesem Fall nicht so wichtig, weil die Intention universell ist.
Dem Kritikpunkt mit der fehlenden/untergegangenen Rolle der Kinder würde ich im Übrigen durchaus zustimmen. Ist mir im Kino auch aufgefallen.
Und: Kate Winslet hat mir in der Rolle wie gesagt, sehr gut gefallen.
Den Film selbst fand ich recht gut, Makrokosmos hin oder her.
Recht gut fand ich den Film auch, nur hat mir noch einiges gefehlt bzw. man hätte mehr aus dem Stoff herausholen können.
zum Anderen ist der Fokus auf eine spezifische Persiode in diesem Fall nicht so wichtig, weil die Intention universell ist.
Da hast Du natürlich recht. Aber eine geeignetere Einordnung in den zeitlichen Rahmen hätte mir trotzdem besser gefallen.
Und: Kate Winslet hat mir in der Rolle wie gesagt, sehr gut gefallen.
Ich fand sie wie gesagt sehr blass, mit Di Caprio, Shannon und Bates waren gleich drei Schauspieler, die ich viel besser fand in dem Film.