Young@Heart

Kurzkritik

1982 entstand aus einer wöchentlichen Gesangsgruppe des “Walter Salvo”-Altenheims in Northampton, Massachusetts unter Leitung von Bob Cilman der Rentner-Chor Young@Heart. Hier ging es nicht um perfekte Töne und Choreografien, sondern um Spaß und Freude an der Musik, mit der die über 70-Jährigen ihren Lebensabend versüßten. Gestartet mit einem Repertoire an Swing-/ und Jazzsongs, erweiterte sich das musikalische Spektrum der Gruppe im Verlaufe der Jahre mit Liedern von David Bowie, OutKast, Limp Bizkit oder James Brown. Das Konzept ging auf, die erfrischenden Neuinterpretationen bekannter Songs begeisterten das Publikum und zogen einen ernormen Medienrummel nach sich. 25 Jahre später, mit neuer Besetzung natürlich, begleitete der britische Filmemacher Stephen Walker Young@Heart für die gleichnamige Dokumentation bei den Proben zu ihrem neuen Programm “Alive And Well”. Herausgekommen ist ein feinfühliges, dichtes und durch den typischen britischen Humor aufgelockertes Porträt der Gruppe, das nicht nur auf allerhöchsten Niveau unterhält, sondern unserer dem Jugendwahn verfallenen Gesellschaft auch noch zeigt, dass man mit über 70 mehr kann als Bingo spielen und Rollator schieben.

Stephen Walker war während der siebenwöchigen Proben ganz dicht dran an der Gruppe, begleitete deren Mitglieder sogar ins Private und erschuf so einen realitätsechten Film, der ohne Skript auskommt und so von der Lebensfreude der rüstigen Rentner, von ihrer Spontanität, aber auch von ihren Sorgen und Leiden lebt. Chronologisch erzählt er den Ablauf des Einstudierens neuer Songs bis zum finalen Auftritt und würzt die Dokumentation mit Interviews und Musikclips. Seine dezenten Zwischenmoderationen sorgen dabei stets für eine ironische und humoristische Auflockerung und tragen zum positiven Gesamtbild bei. Den Zuschauern erwartet bei Young@Heart ein Wechselbad der Gefühle. Die 27 Chormitglieder sind einem von der ersten Sekunde an sympathisch, wenn sie zum Beispiel wie der 77-jährige Stan Goldman bei “I Feel Good” von James Brown ständig den Text vergessen oder wie der 87-jährige Lenny Fontaine als mobiles Taxi mit dem Kleinwagen die Straßen unsicher machen. Walker verzichtet bei der Darstellung der alten Menschen auf Kitsch und zeigte blühende und vor Lebensfreude strotzende Individuen, die sich trotz altersbedingter Wehwehchen mit ganzer Energie in das Projekt stürzen. Es ist aber auch klar, dass der Tod vor den Mitgliedern keinen Halt macht. So erfährt die Gruppe kurz vor einem Auftritt vor Strafgefangenen in einem Gefängnis vom Verscheiden des langjährigen Sängers Bob Salvini. Ihm zu Ehren stimmen sie den Song “Forever Young” an – der berührendste Moment im Film, bei dem nicht nur die Insassen, sondern auch die Zuschauer den Tränen freien Lauf lassen. Persönlich kann ich nur hinzufügen, dass ich so stark und intensiv wegen eines Films noch nie geweint habe. Young@Heart ist eine absolute Empfehlung von mir, einer der schönsten Kinomomente aller Zeiten, eine Dokumentation, die sich kein Filmfan entgehen lassen sollte! (10/10)

★★★★★★★★★★

BLOGSPIEGEL

Dukes Movieblog: 9,5/10

Marcus Kleine Filmseite: 7/10

MoviezKult: 10/10

Durchschnittwertung: 8.8/10

5 Responses to “Young@Heart”

  1.   Kino, TV und Co (243)
    October 23rd, 2008 | 2:04 pm

    links from TechnoratiYoung@Heart

  2. October 23rd, 2008 | 3:43 pm

    Kramer auto Pingback[...] Weiter gehts Young@Heart – 10/10 [...] Das Original gibts hier [...]

  3.   TheRudi (124)
    October 23rd, 2008 | 8:15 pm

    Oha.

  4.   Kaltduscher (359)
    October 23rd, 2008 | 8:38 pm

    Dachte ich auch beim Sehen :mrgreen:

  5. November 2nd, 2008 | 1:58 am

    Kramer auto Pingback[...] komplette Kritik lesen 10.0 The-Duke Dukesmovieblog/Zelluloid/DVDB 145 Bewertungen 37 Kritiken [...]

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