Burn After Reading

Kurzkritik

Nachdem sich die Coen-Brüder im letzten Jahr mit ihrem 4-fach Oscar gekrönten Neo-Western No Country For Old Men fulminant zurückgemeldet haben, präsentieren sie nun im Fahrwasser ihres massenkompatiblen Erfolgs die Komödie Burn After Reading als Kontrastprogramm zu der staubtrockenen Romanadaption. Bunt, durchgeknallt und dank George Clooney, Brad Pitt und Co. mit einem immensen Staraufgebot, katapultierte sich der Streifen am Startwochenende mit einem Einspiel von mehr als 19 Millionen Dollar auf Platz 1 der US-amerikanischen Kinocharts. Die Idee für den Film bekamen Joel und Ethan Coen, als sie sich über eine erneute Zusammenarbeit mit ihren Stammschauspielern Gedanken machten. Das Ergebnis ist eine episodenartige Agentenkomödie, rabenschwarz, bitterböse und extrem lässig. Trotzdem will der Funke an keiner Stelle des Films so recht überspringen. Zu konstruiert wirken Plot und Dialoge, zu uninspiriert die Regie, zu lustlos die Darsteller. Man hat das Gefühl, die Coens seien so naiv, dass sie den Zuschauern einen auf ihre unabstreitbaren Stärken aufbauenden Film präsentieren könnten, ohne jegliche Innovationen, ohne jegliche Frische. So funktioniert Burn After Reading zwar in einem gewissen Rahmen, aber man wird das beschleichende Gefühl nicht los, alles schon einmal in der Form von den Ausnahmeregisseuren gesehen zu haben.

Dabei besitzt die Komödie ein Potential, das, wenn es besser ausgenutzt worden wäre, Burn After Reading zu einem Highlight des Jahres hätte machen können. Die Stärke des Films liegt nämlich nicht in der Story oder den Dialogen, sondern in den Figuren, mit denen die Schauspieler jeweils ihr eigenes Image und damit auch das gesamte Hollywood-Business aufs Korn nehmen. So mimt George Clooney den Frauenheld Harry Pfarrer, der sich trotz einer scheinbar funktionierenden Ehe in eine Affäre nach der anderen flüchtet. Brad Pitt gibt den ewig jung gebliebenen Schönling Chad Feldheimer, einen Hohlkopf, der mit seiner naiv aufdringlichen Art jeden auf die Palme bringt. Frances McDormand parodiert ihre Stellung im adulten Hollywood als reife Frau, die mit ihren Problemzonen zu kämpfen hat. Tilda Swinton hingegen unterstreicht mit der Rolle als intrigantes Miststück Katie Cox ihr Image als eisige und undurchschaubare Frau. Dieser Ansatz, die Schauspieler sich selbst persiflieren zu lassen, geht im Verlauf der Geschichte aber leider völlig unter. Nicht lustig und scharfzüngig genug, zu verkrampft und routiniert. Auch die Dialoge, ein prägendes Markenzeichen der Brüder, erreichen nie die Stärke ihrer großen Filme. Hoffentlich ist Burn After Reading nur die Ruhepause vor dem großen Sturm, die Einstimmung auf etwas großes, was in Zukunft in Form von A Serious Man und Hail Cesar auf uns zukommt. Und hoffentlich passen Joel und Ethan Coen auf, nicht durch weitere Filme wie diesen in Zukunft selbst ein Teil der parodierten Hollywood-Welt zu werden. Es wäre ihnen, aber auch uns Zuschauern zu wünschen. (5/10)

★★★★★☆☆☆☆☆

BLOGSPIEGEL

Symparanekronemoi: 5/10

Marcus Kleine Filmseite: 9/10

Zeitverschwender: 6/10

MoviezKult: 5/10

Durchschnittwertung: 6.3/10

8 Responses to “Burn After Reading”

  1.   Kaiser_Soze (5)
    October 22nd, 2008 | 7:11 pm

    Der schneidet ja echt überall nur mittelmäßig ab. Ich muss den trotzdem sehen. :)

  2.   Kaltduscher (373)
    October 22nd, 2008 | 7:56 pm

    Mach ruhig, vielleicht gefällt er Dir ja. Mich ärgert es halt bei dem Talent der Coens und bei dem Potential der Geschichte :fall:

  3.   tumulder (54)
    October 22nd, 2008 | 8:31 pm

    Ich finde die Coens erliegen ihren eigenen Narzismus. Ich habe ihm immerhin noch 6 Punkte gegeben.

  4.   Kaltduscher (373)
    October 22nd, 2008 | 8:40 pm

    Da geb ich Dir voll und ganz Recht :wink:

    Habe Dein Review übrigens gleich mal verlinkt :smile:

  5.   TheRudi (134)
    October 22nd, 2008 | 10:38 pm

    Von den Coens kommt nur noch Scheißdreck :saege:

  6. October 23rd, 2008 | 9:15 am

    Kramer auto Pingback[...] copy + paste, du alter kaltduscher [...]

  7.   Kaltduscher (373)
    October 23rd, 2008 | 10:05 am

    Von den Coens kommt nur noch Scheißdreck

    Neien :fall:

    Kopf oder Zahl, Friend-o? :lol:

  8. October 24th, 2008 | 8:08 am

    Kramer auto Pingback[...] komplette Kritik lesen 5.0 M. Phillips Chicago Tribune 35 Bewertungen 35 Kritiken [...]

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