Abbitte

Kurzkritik

Dearest Cecilia, the story can resume. The one I had been planning on that evening walk. I can become again the man who once crossed the surrey park at dusk, in my best suit, swaggering on the promise of life. The man who, with the clarity of passion, made love to you in the library. The story can resume. I will return. Find you, love you, marry you and live without shame.

Bestseller-Verfilmungen sind oft so eine Sache. Beim Lesen taucht der Rezipient ein in eine niedergeschriebene Welt, erschafft sich sein eigenes Universum auf Grundlage einer spezifischen, mit der Umwelt korrelierenden Figurenkonstellation. Dieses Universum, ein individuelles Bollwerk, kann durch eine filmische Umsetzung eigentlich nur zerstört werden, denn jeder liest ein Buch mit anderen Augen, findet unterschiedliche Interpretierungsansätze. Trotzdem gibt es immer wieder Filmemacher, denen das Kunststück gelingt, in ihren Adaptionen die größtmögliche Schnittmenge zu vereinigen. Einer von ihnen ist der erst 36-jährige britische Regisseur Joe Wright, der schon 2005 Fans und Kritiker gleichermaßen mit seiner Verfilmung von Jane Austens Klassiker Stolz Und Vorurteil begeisterte. Im letzten Jahr nahm er sich Ian McEwans Roman Abbitte vor, eine Geschichte, in der ein Moment, eine falsche Aussage eines Mädchens im Jahr 1935 das Leben mehrerer Charaktere nachhaltig und schlagartig verändert, wieder mit Keira Knightley in der Hauptrolle. Eine gute Entscheidung, betrachtet man allein die 7 Oscar-Nominierungen, unter anderem für den Besten Film.

Für die Umsetzung des Romans engagierte Wright den vielfach ausgezeichneten Autoren Christopher Hampton (Gefährliche Liebschaften). Dieser erschuf, in Zusammenarbeit mit McEwen, ein Drehbuch, welches das Gefühl, das Kernstück des Romans in eine wunderbare Geschichte verpackte, die sich stark an das Original hält. Großartige Dialoge wechseln sich mit sentimentalen Szenen ab, die jedoch niemals kitschig werden. Geschuldet ist dies auch dem stark aufspielenden Darstellerensemble. Keira Knightley unterstreicht mit einem intensiven Schauspiel und einer enormen Leinwandpräsenz ihre Entwicklung zu einer ernst zu nehmenden Künstlerin. Wichtig und prägend für den Film ist dabei auch die passende und funktionierende Chemie zwischen ihr und James McAvoy, der zuletzt als Actionheld in Wanted zu sehen war. Die größte Entdeckung ist aber die 14-jährige Saoirse Ronan. Ihr Charakter Briony ist die zentrale Figur des Films, ihre Lüge ist der Anstoß der Geschichte. Ronan überzeugt dabei durch ein überraschend erwachsenes Schauspiel, tiefgründig und überzeugend. Nicht umsonst bekam sie für diese Rolle eine Oscar-Nominierung als Beste Nebendarstellerin. Abbitte glänzt aber nicht nur schauspielerisch und inhaltlich, sondern hat auch auf der technischen Ebene so einiges zu bieten. Die wunderbar fotografierten und durch einen Zeitsprung in den Zweiten Weltkrieg unterschiedlichen Bilder werden von einem der besten Scores der letzten Jahre untermalt. Dario Marianelli erschuf eine prägende, von dem Geräusch einer tippenden Schreibmaschine begleitende Klaviermelodie, mit so viel Kraft, so viel Gefühl. Highlight des Films ist dann schließlich ein fast fünfminütiger steadycam shot am Strand von Dünkirchen, der den Zuschauer mit seiner emotionalen Aussagekraft überwältigt und GoodFellas klar in den Schatten stellt. (9,5/10)

★★★★★★★★★½

5 Responses to “Abbitte”

  1.   fincher (60)
    September 26th, 2008 | 3:06 pm

    “GoodFellas klar in den Schatten stellt”

    Reine Blasphemie – wenn das auf die Kamerafahrten bezogen sein soll. :boese: ;)

  2.   Kaltduscher (372)
    September 26th, 2008 | 3:28 pm

    Ist natürlich nur bezogen auf die Kamerafahrt :cool:

    Dieser shot hier an dem Strand ist aber imho zig mal besser, da er extrem viel zum Zuschauer transportiert.

  3.   The-Duke (32)
    September 28th, 2008 | 11:11 am

    Den hab ich letzt auch erst angesehen. Meine Bewertung war 8,5/10. Vor allem die von dir gelobte Kamerafahrt am Strand war wirklich traumhaft schön. Was mich aber störte, war das der Film im Mittelteil zu arg durchhang, sich mit den drei Handlungssträngen überwarf und unter dem Gewicht einknickte. Das Ende jedoch hat mich sprachlos zurückgelassen, damit hatte ich absolut nicht gerechnet.

  4.   Kaltduscher (372)
    September 28th, 2008 | 5:22 pm

    Was mich aber störte, war das der Film im Mittelteil zu arg durchhang, sich mit den drei Handlungssträngen überwarf und unter dem Gewicht einknickte.

    Empfand ich irgendwie nicht so :fall: :mrgreen:

  5.   moviepilot (253)
    December 8th, 2008 | 12:02 am

    Kramer auto Pingback[...] komplette Kritik lesen 9.5 [...]

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