Wall-E

[Kino]-Review

Pixar hat es wieder getan! Nur ein Jahr, nachdem das Traditionsstudio aus Kalifornien mit Ratatouille neue Maßstäbe in punkto Animation und Story setzte, bringt es mit Wall-E einen Film in die Kinos, der seinem Vorgänger zumindest technisch weit überlegen ist. Regisseur Andrew Stanton (Findet Nemo) hat gut daran getan, mit der Realisierung des Projektes 13 Jahre zu warten, denn erst die moderne CGI-Technik machte es möglich, den blechernen Figuren eine derartige lebensechte Emotionalität einzuhauchen, wie es noch kein Animationsfilm vorher vermag. Wer einmal in die treuen Augen der kleinen Müllpresse gesehen hat, wird dieses einmalige Kinoerlebnis nie wieder vergessen.

Seit nunmehr 700 Jahren geht der fleißige Roboter Wall-E seiner Aufgabe nach, die Erde von riesigen Mengen Abfall zu befreien, sammelt den Müll und presst ihn in kunstvolle Würfel. Er ist der letzte seiner Art, die die Menschheit vor langer Zeit ausgesandt hat, um wieder Ordnung auf den einst blauen Planeten zu bringen. In seiner Einsamkeit entwickelte der kleine Roboter nach und nach eine eigene Persönlichkeit, richtete sich ein gemütlichen Unterschlupf ein und sammelte bei seiner täglichen Arbeit so allerlei Accessoires und Kleinkram. Nur eine kleine Kakerlake leistete ihm Gesellschaft. Eines Tages jedoch kommt Bewegung in sein eremitenhaftes Leben. Vor seinen Augen landet ein riesiges Raumschiff, welches den weiblichen Roboter Eve ausspuckt. Angetan von der Schönheit und Eleganz Eves verliebt sich Wall-E sofort in das neue Wesen. Nach einigen Startproblemen kommen sich die 2 näher und tauchen ein in das von Wall-E erschaffene romantische Universum. Ihre Zweisamkeit endet jedoch abrupt, als das Raumschiff Eve wieder abholt. Wall-E sieht nur eine Chance für die Liebe und folgt Eve in die Weiten des Weltalls.

Die erste Idee zu Wall-E kam Andrew Stanton schon 1994, als ein potentieller Nachfolger für den Hit Toy Story gesucht wurde. Die Zeit für den kleinen Roboter war aber noch nicht reif und so realisierte Pixar vorerst andere Projekte wie Das Große Krabbeln (1998) und Toy Story 2 (1999). Jahre später, mit einer enorm gestiegenen Bandbreite an technischen Möglichkeiten und dem weltweiten Erfolg von Findet Nemo (2003) im Rücken, dachte Stanton wieder über den Roboter nach. Er sah das Potential dieser Figur und entwickelte zuerst ein vorläufiges Design. Nach den ersten gesammelten Eindrücken holte er Jim Reardon mit ins Boot, der von 1990 bis 2004 35 Episoden der Simpsons inszeniert hatte. Zusammen entwickelten sie das Drehbuch, welches sich nach und nach immer mehr zu einer romantischen Liebesgeschichte entwickelte. Großen Einfluss darauf hatte das Musical Hello, Dolly!, ein Schlüsselelement im Film. Daraus zogen sie auch die Geste des Händchenhaltens als Zeichen der Zuneigung und Liebe, eine Geste, die für Wall-E alles bedeutet. Ein großes Risiko gingen Stanton und Reardon ein, die erste Hälfte des Films außer einem Mini-Dialog zwischen Wall-E und Eve gänzlich dialogfrei zu gestalten. Sie setzten sich dadurch immens unter Druck, die Geschichte später allein durch die Animationen und Figuren zu tragen.

Dementsprechend musste das Visuelle als Kernstück des Films auf einem ganz hohen Level realisiert werden. Vor allem Wall-E als Hauptfigur musste alle nötigen Emotionen tragen, so menschlich wie möglich daherkommen. Die Fehler, die man 2006 mit Cars machte, wo die Maschinen emotional noch sehr hölzern agierten, durften nicht wiederholt werden. So ließ man sich viel Zeit, verwarf einige Konzepte und optimierte die Animationen nach und nach. Inspiriert wurden die Animatoren dabei ganz klar von Johnny aus Nummer 5 Lebt!. Aufbauend auf dessen Design erschuf man einen detailgetreuen Roboter, dessen Aussehen hauptsächlich von seiner Aufgabe als Müllpresse bestimmt wird. Am wichtigsten war Stanton dabei die Animation der Augen als Spiegel der Seele, denn Wall-E hat weder einen Mund noch andere Gesichtszüge. Seine Augen sollten ganz im Mittelpunkt stehen und die Emotionalität und das Lebendige der Figur vermitteln.

Parallel zur Arbeit der Animatoren wurde mit Ben Burtt der beste Sound-Designer Hollywoods engagiert, der dem visuellen Konzept mit seiner Arbeit den Feinschliff geben sollte und dadurch die Figuren, gerade weil sie fast gänzlich ohne Dialoge auskommen, zum Leben erweckt. Mit seiner Arbeit an Filmen wie Star Wars und E.T. – Der Außerirdische bewies er, dass er das nötige Gespür besitzt, durch richtige Töne Maschinen so menschlich wie möglich zu gestalten. Der perfekte Mann für Wall-E also. Für den Animationsfilm sammelte Burtt fast 2500 Sounddatein, die er in zahlreichen Situationen des täglichen Lebens mit einem handelsüblichen Mikrofon aufnahm. Am Computer verfremdete er dann die Töne und formte sie zu unnachahmlichen Geräuschen und Soundcollagen zusammen. Das Ergebnis der engen Zusammenarbeit zwischen den Animatoren und Burtts ist eine perfekte Symbiose zwischen Bild und Ton, die dem Film seinen Stempel aufdrückt und das menschliche in den Maschinen erst möglich macht. Es ist die Seele der Figuren, die Burtt so feinfühlig auf die Leinwand zu katapultieren vermag.

Das überraschendste an Wall-E sind aber nicht die perfekten Animationen und Sounds, die ja schon im ersten Teaser zu erkennen waren, sondern die gesellschaftskritische Aussage des Films. Die Menschheit der Zukunft musste die Erde verlassen, da der Planet vor Überschmutzung und Verwüstung unbewohnbar geworden ist. Pflanzen starben, wie auch Tiere und andere Lebewesen. Aus diesem Grund wurden Roboter beauftragt, die Erde von dem Unrat zu befreien. Die letzten Menschen flohen in einem riesigen Raumschiff in die Weiten des Weltalls, darauf bedacht, so schnell wie möglich zurückzukehren. Das Leben in der “Ersatzwelt” wurde aber so stark von großen Firmen beeinflusst, dass die Bewohner Generation für Generation immer mehr manipuliert wurden sind, verdummten, das eigene Denken abschafften und lieber dem diktatorisch geregelten Alltag nachkommen. Sie verloren ihre Mündigkeit, auch gegenüber den Maschinen, was im Verlauf des Films weitreichende Konsequenzen nachziehen wird.

Bei aller Kritik, die in Wall-E aufkommt, stehen jedoch die Liebesgeschichte und die komödiantischen Anteile im Vordergrund. Die Einsamkeit der kleinen Müllpresse kommt am Anfang des Films sehr stark zum Vorschein, wenn er zum Beispiel an seinen toten Kameraden vorbeifährt und sich täglich wehmütig ein Video des romantischen Musicals Hello, Dolly! ansieht. Umso erfreulicher ist es dann, als Eve in sein Leben tritt und sich beide nach anfänglichen Startproblemen näher kommen. Als Zuschauer fühlt man mit mit Wall-E, der eine enorme Sympathie ausstrahlt. Er ist wie ein gewöhnlicher Mensch, der um die Liebe und Anerkennung anderer kämpft. Sein Werben, sein Streben nach Zärtlichkeit ist dabei nicht nur romantisch, sondern erzeugt in Verbindung mit der Grobmotorik Eves einige hochkarätige Lacher. So richtig in Fahrt kommt der Film dann ab Minute 35, wo Eve wieder von ihrem Raumschiff abgeholt wird und Wall-E ihr ins Weltall folgt. Im Mutterschiff erwartet den kleinen Eindrinling dann ein Abenteuer nach dem anderen und er begegnet den ungewöhnlichsten Robotern, wie zum Beispiel einen neurotischen Wachmann oder durchgeknallte Maschinen in einer Robo-Psychatrie (!). Ab hier treten dann auch Menschen auf, die den Film dialogreicher gestalten, auch wenn diese weiter nicht im Vordergrund stehen.

Filmfans erfreuen sich außerdem an den vielen kleinen Anspielungen und Referenzen auf große Filmklassiker. So erinnert das Mutterschiff der Menschen, in dem sich der zweite Teil der Handlung abspielt,  ein wenig an Das Fünfte Element. Der Autopilot Otto, rechte Hand des Kapitäns, ist ohne Zweifel angelehnt den Computer HAL 9000 aus Stanley Kubricks Meisterwerk 2001: Odysee Im Weltraum. In manchen Dialogen wird weiteren SciFi-Klassikern wie Star Trek, Star Wars und Blade Runner gehuldigt. In einem Pixar-Film dürfen natürlich auch Anspielungen auf eigene Werke nicht fehlen. So hortet Wall-E in seinem Unterschlupf eine Plüsch-Figur von Rex dem Dinosaurier aus Toy Story, und auch der berühmte Pizzatruck wurde wieder in den Film eingebaut.

Mein Fazit:

Mit Wall-E ist Pixar ein weiteres Fest für die Sinne gelungen, welches alle Altersgruppen ansprechen wird. Vor allem optisch ist der Film allererste Sahne und durch die grandiose Darstellung der Roboter und ihrer menschlichen Gefühle eine neue Referenz im Genre. Die Liebesgeschichte zwischen Wall-E und Eve als Aufhänger des Films begeistert den Zuschauer bis zum Schluss und rührt den einen oder anderen sogar zu Tränen. Leider ist die Story, trotz der beachtlichen Kernaussagen, nicht ganz so kompakt wie bei seinem Vorgänger, so dass dem Film die Höchstwertung versagt bleibt. Trotzdem ist und bleibt Wall-E eines der intensivsten und schönsten Kinoerlebnisse der letzten Jahre. (9/10)

★★★★★★★★★☆

BLOGSPIEGEL

From Beyond: 9/10

MoviezKult: 9/10

Durchschnittwertung: 9/10

9 Responses to “Wall-E”

  1. September 21st, 2008 | 7:05 pm

    Kramer auto Pingback[...] wieder abholt. Wall-E sieht nur eine Chance für die Liebe und folgt Eve in die Weiten des Weltalls.[WEITERLESEN] __________________ Bestellt in nächster Zeit jemand bei amazon.co.uk und würde etwas für [...]

  2. September 21st, 2008 | 7:09 pm

    Kramer auto Pingback[...] gibts hier: KLICK Pixar hat es wieder getan! Nur ein Jahr, nachdem das Traditionsstudio aus Kalifornien mit [...]

  3.   TheRudi (135)
    September 22nd, 2008 | 12:10 am

    Was wie wo – was geht denn hier ab? Wie kommst du (keine Beleidigung) denn bitte schön so früh an WALL-E?!? Ist das lediglich Wiki, die ganzen Infos, oder hast ne PV besucht?

  4.   Kaltduscher (373)
    September 22nd, 2008 | 11:01 am

    Keine Angst, nichts Illegales :mrgreen:

    Der kam doch in jeder Sneak, hatte ich mal Glück :smile:

  5.   TheRudi (135)
    September 22nd, 2008 | 11:13 pm

    So, vorhin auch in der Sneak gesehen. War durchaus ganz nett, aber jetzt nicht unbedingt ein Meisterwerk. Aber du bist bei Digi-Filmen (s. KUNG FU PANDA) eh immer sehr gnädig.

  6.   Kaltduscher (373)
    September 23rd, 2008 | 10:26 am

    Wie, war ganz nett? Du hast das Potential nicht erkannt, lass ihn noch ein paar lange Tage wirken :fall:

    Übrigens: beim Panda habe ich die Sympathieboni erklärt :mrgreen:

  7. September 25th, 2008 | 7:25 pm

    Kramer auto Pingback[...] komplette Kritik lesen 9.5 Batzman moviepilot / Fünf Filmfreunde 2135 Bewertungen 762 Kritiken [...]

  8.   isinesunshine (40)
    October 7th, 2008 | 9:04 pm

    Also “ganz nett” kann ich auch absolut nicht nachvollziehen…
    Der Film hat neue Maßstäbe im Bereich der Gesichtsanimation von Objekten gesetzt und diese erneut zu steigern wird verdammt schwer werden. (Review)

  9. October 8th, 2008 | 12:12 am

    [...] (10/10) bullion (9/10) Kaltduscher [...]

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