Citizen Kane
Kurzkritik

You’re right, I did lose a million dollars last year. I expect to lose a million dollars this year. I expect to lose a million dollars *next* year. You know, Mr. Thatcher, at the rate of a million dollars a year, I’ll have to close this place in… 60 years.
Kein anderes Werk außer Francis Ford Coppola’s Der Pate taucht so regelmäßig in internationalen Listen auf, die den besten Film aller Zeiten suchen, wie Citizen Kane. Von Amerika bis Europa, von Asien bis Australien gilt das Gesellschaftsdrama von Orson Welles als zeitloser Klassiker, was schon erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass der Film mittlerweile 67 Jahre auf dem Buckel hat. Dementsprechend waren meine Erwartungen enorm. Enttäuscht wurde ich nicht, auch wenn ich Citizen Kane den Status als Meisterwerk absprechen würde.
Der Film beginnt mit dem Tod des Wirtschaftsmagnaten Charles Foster Kane (Orson Welles), der kurz vor seinem Einschlafen das mysteriöse Wort “rosebud” aushaucht. Sein Exitus polarisiert die Amerikaner und führt zu einer Medienschlacht zwischen Zeitungen und TV-Stationen, die um die beste Story kämpfen. Der Reporter Jerry Thompson (William Alland) bekommt den Auftrag, für einen Bericht nach der Bedeutung von “rosebud” zu suchen. So sucht er Zeitzeugen Kanes auf und forscht in alten Tagebüchern. Stückchenweise wird so in Rückblenden das Leben von Kane beleuchtet. Alles beginnt mit einem kleinen Jungen, der 1871 von seiner zu Reichtum gekommenen Mutter fortgeschickt wird, um eine angemessene Ausbildung zu genießen. Mit Vollendung seines 25. Lebensjahres bekommt er die Verfügungsgewalt über sein Vermögen, welches er in die Zeitung New York Inquirer investiert. Aus dem seriösen Blatt wird schnell eine Boulevardzeitung, in der Kane seine linke Gesinnung publik macht. In kurzer Zeit entwickelt sich der Inquirer zur auflagenstärksten Zeitung in New York und Kane wird als Meinungsmacher einer der mächtigsten Männer seiner Zeit. Sein Einflussbereich vergrößert sich später mit der Heirat Emily Nortons (Ruth Warrick), der Nichte des US-Präsidenten. Die Ehe jedoch steht durch Kanes Arbeitswut von Anfang an unter einem schlechten Stern. So lernt er 1916 die arbeitslose Sängerin Susan Alexander (Dorothy Comingore) kennen und beginnt mit ihr eine Affäre. Als diese Liebschaft publik wird, sind Kanes politische Ambitionen, als Gouverneur gewählt zu werden, mit einem mal zunichte gemacht. Nach und nach beginnt sein Imperium zu bröckeln und es folgt sein wirtschaftlicher und menschlicher Abstieg.
Orson Welles fungierte bei Citizen Kane als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller. Erstaunlich, dass er mit damals 24 Jahren quasi im Alleingang diesen Film realisiert hat. Dabei verstand er sein Handwerk, denn Citizen Kane baut durch seinen narrativen Stil, der stark dem von Martin Scorsese ähnelt, von der ersten Sekunde an eine große Spannung auf. Wie ein Puzzle fügen sich nach und nach die Einzelteile zusammen, man erlebt den Aufstieg und Fall von Kane, taucht ein in seine Welt und versteht sein Handeln. Welles inszenierte den Film mit damals hochmodernen Methoden, angefangen mit dem Einsatz von verschiedenen Objektiven, über wegweisende Make-up-Effekte bis hin zu visuellen Spielereien. Dadurch erschuf er einen eigenen Stil, der die Filmwelt nachhaltig prägte. Trotzdem gibt es einige Kritikpunkte, die Citizen Kane die Höchstwertung und damit den Status als bester Film aller Zeiten verwehren. So schafft es Orson Welles als Hauptdarsteller nicht, die Besessenheit seiner Figur nach Macht und Anerkennung gründlich auszuarbeiten. Viel zu oft wirkt Kane als Gutmensch, dessen Prinzipien nicht hinterfragt werden. Auch wird sein Machtmissbrauch nicht kritisch genug betrachtet, die Gefahr, die von einem Medienmogul ausgeht nicht detailliert geschildert. Kleinere Logikfehler tun da ihr Übriges. Dessen ungeachtet ist Citizen Kane ein für damalige Verhältnisse inhaltlich und technisch bahnbrechender Film, den es sich auch heute noch auf Grund seiner zeitlosen Kernaussage, der Hinterfragung des amerikanischen Traums, lohnt zu sehen. (7/10)










9 Comments




auch wenn ich Citizen Kane den Status als Meisterwerk absprechen würde
Ketzer!
Jaja
Übrigens hoffe ich inständig, nicht als Kultur-Banause dazustehen
Zu spät!
Wobei ich mich nach meinem “Star Wars Outing” eher besser schweigend ins Glashaus zurückziehen sollte.
Dem STAR WARS-Outing schließe ich mich übrigens nahtlos an
Diese Jugend von heute. Die rennen halt nur noch in so “Schund” wie UNDERWORLD oder WANTED und dann haben sie noch nie so Meilensteine wie STAR WARS gesehen und schreiben vernichtende Kritiken auf Meisterwerke der Filmgeschichte.
Von DREI TAGE DES CONDORS sicher auch noch nie was gehört und für Shias EAGLE EYES dann wieder die 9er Bewertungen springen lassen
Diese Vorurteile auf die Jugend
STAR WARS kann man halt unter ‘einmal gesehen, muss nicht wieder sein’ abhaken. Sicher hat es die Filmwelt nachhaltig geprägt, aber dafür muss es mir/uns ja nicht gefallen
Von DREI TAGE DES CONDORS habe ich sicher schon was gehört, gesehen habe ich ihn aber tatsächlich noch nicht. Und EAGLE EYE bekommt NIEMALS 9 Punkte, allein schon wegen LaBeouf
Also Schnauze da, sonst komm ich hin
LOL
Im Übrigen bekommt “Eagle Eye” von mir auch keine 9 Punkte und das ist völlig unabhängig von LaBeouf zu sehen…