Network
Kurzkritik

“I’M AS MAD AS HELL, AND I’M NOT GOING TO TAKE THIS ANYMORE!”
Auf Grund seiner Entlassung kündigt der arrivierte Nachrichtensprecher Howard Beale (Peter Finch) vor laufenden Kameras seinen baldigen Selbstmord an. Die Reaktionen darauf sind so überraschend wie beschämend. Die Einschaltquoten der angestaubten Nachrichtensendung schnellen in ungeahnte Höhen und die aufstrebende Karrierefrau und Programmdirektorin Diana Christensen (Faye Dunaway) erkennt das Potential dieses Mannes. Als “zorniger Prophet”, der mit seinen wüsten Beschimpfungen und Hass-Predigten den Nerv einer von Vietnam und der Ölkrise gebeutelten Gesellschaft trifft, soll Beale den Sender UBS wieder an die Spitze der TV-Stationen der USA katapultieren. Zusammen mit dem Leiter der Nachrichtenabteilung, Max Schumacher (William Holden), verwandelt sie die Sendung in eine Unterhaltungsshow, in der Beale zur besten Sendezeit auf dem Bildschirm erscheint. Die Zuschauer sind begeistert und die TV-Chefs, allen voran Frank Hackett (Robert Duvall), freuen sich über den daraus resultierenden Geldregen. Alles läuft gut, bis der an immer stärker werdenden psychischen Problemen leidende Beale anfängt, nicht mehr zu funktionieren…
Es ist erschreckend zu sehen, dass sich Sidney Lumets Mediensatire Network nach über 30 Jahren immer noch auf unsere heutige Gesellschaft übertragen lässt. Da sind auf der einen Seite die Fernsehsender, denen es nicht etwa um investigativen und freien Journalismus geht, sondern nur um Einschaltquoten. Aus diesem Grund schlachten sie Galathemen und Sensationen aus, verdrängen ihre eigentliche Hauptaufgabe als Meinungsbildner in einem Land. Sie sind “Nuttenhäuser”, die das nehmen, was sie bekommen. Auf der anderen Seite sind die Fernsehzuschauer diejenigen, die mit ihrem Verhalten, ihrer Sensationsgeilheit die skrupellosen Sender unterstützen und antreiben. Lumet karikiert beide Seiten sehr drastisch, lässt so UBS mit einer Terrorgruppe zusammenarbeiten, um an exklusives Bildmaterial von Überfällen und Morden zu kommen und skizziert gleichzeitig den Zuschauer als nicht hinterfragendes, williges und unterwürfiges Medium. Dabei kann er auf ein Darstellerensemble der Extraklasse bauen, das nicht umsonst 3 Oscars bei 5 Nominierungen für diesen Film einstrich, unter anderem posthum für Peter Finch. Das Problem von Network ist, dass Lumets bissiges Abbild einer TV-Gesellschaft zu oft durch Nebenhandlungen, etwa der Liebesbeziehung zwischen Max und Diana oder internen Grabenkämpfen bei UBS, gestört wird. Dadurch wirkt die Geschichte, trotz der gemächlichen Erzählweise des Regisseurs, oftmals zu komplex und unverständlich. Nichtsdestotrotz ist Network ein kleines satirisches Meisterwerk, in dem die Intention der Macher an jeder Stelle zu erkennen ist und das sich perfekt auf unsere heutige Zeit übertragen lässt. Zeitlos, bissig & anregend. (8,5/10)










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