Wanted
[Kino]-Review

Der Kasache Timur Bekmambetov begeisterte 2004 und 2006 die Filmwelt mit seinen visuell perfekt durchgestylten Actionern Wächter Der Nacht und Wächter Des Tages. Mit jeweils 4 Millionen Dollar drehte er Filme, die technisch großen Hollywood-Blockbustern die Stirn boten konnten. Damit verhalf er nicht nur dem neuen russischen Kino zu Ruhm, sondern machte auch die großen Studios auf sich aufmerksam. Als Universal 2006 die Idee kam, die Wanted-Comicreihe des Zeichners Mark Millar zu verfilmen, bot sich Bekmambetov mit seinem außergewöhnlichen Stil förmlich an. Das Studio riskierte es, dem Kasachen für seinen ersten Hollywood-Film 75 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen. Der Regisseur nahm das Geld dankend an und liefert nun mit Wanted einen der besten und durchgedrehtesten Actioner des Jahres ab.
Wesley Gibson (James McAvoy) ist ein Versager. Geplagt von Neurosen erträgt der Büroangestellte die täglichen Schikanen seiner Vorgesetzten. Seine Freundin betrügt ihn mit seinem besten Freund und sein Kontostand tendiert gegen Null. Sein tristes Leben nimmt aber bald ein Ende. In einer Apotheke spricht ihn die mysteriöse Fox (Angelina Jolie) an, die behauptet, seinen verschollenen Vater zu kennen, der am Vortag erschossen wurde. Kurz darauf geraten beide in eine wilde Schießerei mit Cross (Thomas Kretschmann), dem angeblichen Mörder seines Vaters. Nachdem sie ihn abgeschüttelt haben, liefert Fox den verstörten Wesley in der Zentrale der Bruderschaft, einer Geheimorganisation von Assassinen, ab. Dessen Anführer Sloan (Morgan Freeman) kann ihn davon überzeugen, Teil der Gesellschaft zu werden, um Rache für seinen Vater zu üben. So lässt sich Wesley ausbilden und begeht bald seinen ersten Mord. Sein eigentliches Ziel, die Liquidierung von Cross, rückt dabei immer näher…
Da ist sie nun, die heiß erwartete Comic-Adaption mit einem ernormen Aufgebot an Superstars. Fans forderten nicht minder einen Mix aus wilden shoot outs á la Shoot Em Up und Crank gepaart mit der visuellen Stärke von Matrix. Bekmambetov zeigt sein Talent, in dem er die Fans nicht enttäuscht und genau das abliefert. Von der ersten Sekunde an gibt er Vollgas, braucht nicht lange Zeit, um die Fronten zu klären. In einem immensen Tempo folgt eine Action-Szene der nächsten, von wilden Schießereien über waghalsige Sprünge von Hochhäusern bishin zu halsbrecherischen Verfolgungsjagden. Da kommen zwar Dialoge und Story etwas zu kurz, aber wer sich auf einen no brainer eingestellt hat, und die Trailer ließen schon nichts anderes vermuten, wird nicht enttäuscht.
Dafür sorgen allein schon die Optik und die visuellen Effekte. Bekmambetov zieht alle Register und liefert ein Action-Spektakel der Superlative ab. In nahezu jeder Szene kommt CGI zum Einsatz, man will die Reize des Zuschauers bis aufs Letzte beanspruchen. Dabei wird getrost auf Realismus verzichtet, wenn zum Beispiel Menschen in Kurven schießen , aus Hochhäusern springen oder in bester Alarm Für Cobra 11-Manier über fahrende Hochgeschwindigkeitszüge spazieren können. Auch moderne Stilmittel bringt der Regisseur zum Einsatz, von schnellen Cuts bishin zu slow motions und langen Kamerafahrten. Bekmambetov versucht alles, um seinen Film technisch auf ein neues Niveau zu hieven. Dafür bringt er Unmengen von wahnwitzigen Ideen ein, die niemals fade werden. Er beweist Mut, auch beim Gewaltpegel. Wo andere Filme für eine PG-13-Einstufung regelrecht verstümmelt werden (Hitman, Stirb Langsam 4.0, Max Payne), hält der Kasache erst recht mit der Kamera hin. Blut fließt in Unmengen, am liebsten durch Kopfschüsse, die durch Zeitlupen sehr explizit dargestellt werden. Auch sterben bei Explosionen und Crashs schon mal gut und gerne zig unschuldige Zivilisten, was aber nicht weiter schlimm ist, denn Bekmambetov macht eines richtig: er überzieht das Dargestellte so extrem und überspitzt es noch durch lustige Dialoge, so dass sich der Film niemals selbst ernst nimmt.
Für den letzten Schliff sorgen die durch die Bank stark besetzten Schauspieler. James McAvoy, bisher bekannt eher für Produktionen mit Anspruch (Abbitte, Der Letzte König Von Schottland), zeigt, dass er auch das Action-Fach beherrscht. Er gibt der recht dünn gezeichneten Haupt-Figur ein Gesicht und macht sie für den Zuschauer sympathisch. Dabei glänzt er sogar überraschend mit einem perfekt durchtrainierten Körper. Ihm gegenüber steht Angelina Jolie. Selten habe ich diese Frau so erotisch gesehen wie in diesem Film. Als Killer-Amazone gibt sie vollen Körpereinsatz und zeigt nach Lara Croft und Mr. & Ms. Smith mal wieder, dass sie das Genre liebt. Morgan Freeman spielt den Anführer routiniert und souverän wie immer, auch wenn er etwas unterfordert wirkt. Eine große Leinwandpräsenz strahlt Thomas Kretschmann aus, der wie in fast jeder seiner Filme den Bösewicht spielen muss. Unser Hollywood-Export hat zwar keine große screen time, bleibt dem Publikum durch eine coole Performance aber in Erinnerung.
Mein Fazit:
Wanted erfüllt voll und ganz seine Erwartungen, eines der größten Action-Spektakel des Jahres zu sein. Optisch eine Wucht, krachen ständig geniale CGI-Effekte und große Action-Szenen durchs Bild. Dafür zieht Regisseur Bekmambetov alle Register des modernen Films, von Zeitlupeneffekten bishin zu wahnsinnigen Cuts. Leider nutzt sich die Optik zum Ende hin etwas ab, etwas mehr Story oder mehr Dialoge hätte dem Film gut getan. (7/10)










BLOGSPIEGEL
From Beyond: 7/10
MoviezKult: 7/10
Durchschnittwertung: 7/10
8 Comments




Wir haben us den gestern auch angesehen und man wurde in der Tat ausgezeichnet unterhalten. Schöner, schneller Film. Werde demnächst dann auch mal ein paar Zeilen zu verlieren, die Wertung dürfte bei mir auch so um die 7 Punkte liegen….
Und die 7 Punkte hat er auch wirklich verdient. Wahrlich ein optisches Sahnestück, auch wenn die Story etwas besser hätte sein können
Ich schau den Film am Di., bin mir aber sicher keine großen Sprünge bzw. keine würdige Umsetzung des brillianten Comics zu erhalten. We’ll see…
bin mir aber sicher keine großen Sprünge bzw. keine würdige Umsetzung des brillianten Comics zu erhalten
Dein Problem ist echt, dass du immer die ganzen Comics viel zu gut kennst…
Ich kenne immer gar keine…
Hey Kaltduscher!
Der Link von der Review-Übersicht auf diesen Beitrag stimmt nicht (da ist ein “wanted” zu viel in der Adresse)…
LG!