The Dark Knight

[Kino]-Review

The Dark Knight

Was war das für ein Marketing! Spätestens als Heath Ledger, der neue Darsteller des Joker, im Januar an einer Überdosis Tabletten starb, war der Hype perfekt. In nie dagewesener Perfektion pushte das Studio durch virales Marketing, welches das von Cloverfield alt aussehen ließ, den Titel The Dark Knight in die Welt. Teaser, Trailer, Poster, Szenenbilder, Clips, TV-Spots, Interviews, Specials – nichts wurde dem Zufall überlassen, alles war bis aufs kleinste Detail durchgeplant. Das Zentrum des geplanten Marketings war zwar tot, aber dies wirkte sich auf keinen Fall negativ auf die Kampagne aus. Vielmehr wurden Heath Ledger und sein Joker so heldenhaft beworben, dass schon lange vor dem Kino-Start aus dem einstigen Sonny-Boy eine Legende wurde. Einen guten Film macht aber mehr aus als ein toter Darsteller und perfektes Marketing. Ob Christopher Nolan aus seinen Fehlern, die er bei Batman Begins noch reihenweise säte, gelernt hat, kann  man nun endlich im Kino begutachten.

Schon am Ende von Batman Begins war klar, dass es Batman (Christian Bale) bei einer etwaigen Fortsetzung mit seinem bekanntesten Widersacher, dem Joker zu tun hat. Die Geschichte von The Dark Knight setzt auch direkt an seinen Fortgänger an. Der Joker tritt auf den Plan und verbreitet Chaos in Gotham City. Dazu raubt er mit einer Truppe als Clowns verkleideter Kleinkrimineller in einer perfekt inszenierten Show eine Bank aus. Als er nach und nach seine Komplizen ausschaltet und am Ende alleine mit dem Geld davonkommt, ist sein Kalkül klar. Das Geld gehört den Bossen der Unterwelt von Gotham City. Der Joker ist keinesfalls daran interessiert, seine Beute für sich zu beanspruchen. Vielmehr hat er die Gangster nun in seiner Hand. Er zwingt sie förmlich in die Knie, um mit ihm zusammenzuarbeiten.

The Dark Knight beschreibt dabei keinesfalls nur den Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Batman und dem Joker, sondern glänzt wie sein Vorgänger durch eine tiefgehende, komplexe Geschichte. Gotham City wird regiert von den Bossen der Unterwelt. Alles war herrscht ist Korruption, Gewalt und Hass. Die mafiösen Strukturen der Gangster reichen dabei bis in die höchsten Gefilde der Politik und der Polizei, so dass kein Bürger mehr sicher sein kann. Unmut macht sich breit, nicht nur über die Missstände, sondern auch über Batman, der nicht viel anders ist als die, die er bekämpft. Als in Harvey Dent (Aaron Eckhart) ein junger Staatsanwalt von sich Reden macht, der das System gänzlich von allen Ratten säubern will, sieht auch Bruce Wayne eine Chance, sein Alter Ego Batman endlich hinter sich zu lassen. Doch Dent braucht Batman. Zusammen mit Lieutnant Gordon (Gary Oldman) arbeiten sie an einem Plan, der die endgültige Säuberung allen Abschaums in Gotham City vorsieht. Dass sie dabei gefährlich leben und stets der Gefahr unterlaufen, in eigenen Reihen verraten zu werden, ist ihnen klar. Trotzdem sehen sie in ihrem Handeln die einzige Chance für eine Rettung der Stadt.

Schon am Drehbuch erkennt man, dass Christopher Nolan die Schwächen von Batman Begins erkannt hat und sie hier auszumerzen versucht. Denn wo den Zuschauer bei Nolans erstem Batman noch eine komplexe Geschichte erwartete, die sich auf Grund wenig origineller Antagonisten und fortwährender Eintönigkeit zog wie ein Kaugummi, darf er sich hier auf zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung freuen. Das liegt sicherlich nicht nur am Joker, sondern an mehreren Faktoren. Zum einen sind da die messerscharfen Dialoge, die von abstruser Genialität bishin zu perfekt getimten Wortwitz reichen. Dies geschieht alles auf einem derart hohen Niveau, dass man von Comic-Verfilmung eigentlich gar nicht mehr sprechen kann und sollte. Außerdem konstruiert Nolan mit seinem Bruder Jonathan, der schon beim Erstling mitschreiben durfte, einen derart verflechteten Plot, dass in jeder Sekunde des Films eine enorme Spannung erzeugt wird, die so dicht ist, dass man sie mit einer Schere zerschneiden könnte. Man weiß nie, was als nächstes passiert, wohin das Handeln der Figuren letztendlich führt. Genau dies macht The Dark Knight so vielschichtig und hebt es von der standardisierten Ware aus Hollywood ab.

Bei aller Komplexität ist es vordergründig natürlich aber der Joker, der die Menschen ins Kino treibt und den Zuschauern alles abverlangt. Was Heath Ledger hier in dieser Rolle abliefert, ist nicht minder sein schauspielerisches Vermächtnis vor seinem Abgang gewesen. Dabei ist es schade, dass er es nicht mehr miterleben darf, wie er auch dem schärfsten Kritiker zeigt. Was ist im Vorfeld nicht berichtet wurden, Nolan besetzte einen Schauspieler wie ihn als Joker? Nicht wenige haben dem Australier diesen Job nicht zugetraut. Ihm, der zwar in Brokeback Mountain eine Oscar nominierte Performance ablieferte, sonst aber eher durch seichte Unterhaltung auffiel. Fans hatten Angst, dass er der Figur nicht den nötigen Schliff für Nolans Universum geben könnte, dass er gegen Schauspieler wie Bale, Freeman, Oldman und Caine schlichtweg untergehen würde. Doch Nolan hielt an Ledger, seiner ersten Wahl fest. Ledger dankte es ihm mit einer akribischen Vorbereitung im Stile eines Robert de Niro. Er arbeitete alle Facetten seiner Figur bis ins kleinste Detail aus, recherchierte, übte. Erst als er sein diabolisches Spiel selbst als perfekt ansah, war Ledger bereit für den Dreh. Er legte seine ganze Kraft und Energie in diese Rolle, wollte es sich und seinen Kritikern beweisen. Er steigerte sich hinein in den Wahnsinn seiner Figur. Dies führte zu großen psychischen Problemen, die er nur noch mit Tabletten in Schach halten konnte. Seine Drehzeit wurde rapide verkürzt, doch sein Spiel war letztendlich grandios. Sein Joker ist ein psychopathischer Terrorist, ein Wahnsinniger im Gewand eines verrückten Punks. Sein Joker ist eine tiefgründige, verletzliche Persönlichkeit. Sein Joker ist kompromisslos und intelligent – und genau das macht ihn gefährlich. Ihn interessieren keine eigennützigen Interessen, kein Geld, keine Macht. Alles, was ihn interessiert, ist Chaos und Zerstörung. Vielen fordern schon den postmortalen Oscar für diese Leistung. Oscarreif ist sie, da kann man drehen und wenden, was man will. Letztendlich will ich mich dem Unken aber (noch) nicht anschließen, denn das Kino-Jahr ist noch lang.

Auch Christian Bale überzeugt diesmal mehr in der Rolle des Milliardärs Bruce Wayne, die nachts zu Batman “mutiert”. Wo sein Spiel bei Batman Begins oftmals noch hölzern und aufgesetzt wirkte, ist Bale nun nach glorreichen Auftritten in Filmen wie Werner Herzogs Rescue Dawn oder Todeszug Nach Yuma gereift. Bale strahlt nun diese Leinwandpräsenz aus, die den Film von Anfang an nach vorne peitscht. In The Dark Knight kann er auch seine Fähigkeiten als Action-Schauspieler stärker unter Beweis stellen als im Vorgänger-Film. Diesmal geht es gleich zur Sache, ohne langes Vorgeplenkel. Batman packt an, auch wenn ihn innere Zerwürfnisse plagen. Da ist es auch nicht gerade hilfreich, wenn seine große Liebe Rachel Dawes (Maggie Gyllenhaal) mit seinem Mitstreiter Harvey Dent liiert ist. Doch Batman stellt das Wohl seiner Stadt über seine eigenen Bedürfnisse.

Mit Aaron Eckhart fand Christopher Nolan eine weitere passende Besetzung für seinen Cast. Eckhart spielt den charismatischen Saubermann Harvey Dent, den Staatsanwalt, der alles Unrecht besiegen will. Dent gerät dabei nicht nur in den Kampf gegen die Mafia, sondern auch zwischen Batman und Joker. Dabei ist Dent stets der Mann aus dem Volk, der Verfechter für Recht und Gerechtigkeit. In dem dunklen Szenario der Stadt wirkt er oftmals wie ein Engel, der die drohende Apokalypse fernhalten will. Dass er letztendlich daran scheitert und als Two Face eine ganz andere Richtung einschlägt, ist schließlich nicht nur pure Ironie, sondern eine logische Konsequenz. Der Kampf eines Einzelnen gegen eine Übermacht ist hart, steinig und zum Scheitern verurteilt. Hier macht Nolan dem Zuschauer nichts vor, ist direkt und grausam. Er ist dabei aber auch dich dran an der Realität und verzichtet auf Schönmalerei. Auch die weiteren Nebenrollen sind bis ins Detail perfekt besetzt. Mit Morgan Freeman, Gary Oldman und Michael Caine besetzen 3 Hochkaräter die zweite Reihe und sorgen allein durch ihre Leinwandpräsenz für ein außerordentliches Feeling.

Doch nicht nur die Schauspieler liefern eine grandiose Leistung ab. Auch Christopher Nolan hat sich bei seinem Sequel enorm gesteigert. Nicht nur, dass er schon die angesprochenen Fehler des Skriptes von Batman Begins vermied, so ist er auch handwerklich gereift. Allein die Action-Sequenzen spielen hier in einer ganz anderen Liga, sind gespickt mit Elan und Spannung. Dass Nolan zum größten Teil auf CGI verzichtet, hebt ihn sowieso von seinen Kollegen ab. Auch sein Kameramann hat einen großen Anteil daran, dass The Dark Knight so groß gewurden ist. Manche Einstellungen sind so virtuos fotografiert, wie man es nur aus Arthaus-Filmen kennt. Dabei beweist man auch Freude zu Experimenten, zu außergewöhnlichen Bildern mit enormer Aussagekraft. Diese werden dann unterstrichen durch einen der besten Scors des Jahres. Hans Zimmer und James Newton Howard liefern wieder einmal eine musikalische Meisterleistung im Doppelpack ab, die Gänsehaut garantiert. Mit rasselnden Synthie-Klängen (Zimmer) und musikalischen Sequenzen (Howard) entsteht eine musikalische Symbiose, die sich nahtlos auf das Visuelle überträgt.

Bei aller Stärke ist The Dark Knight dann aber trotzdem kein Kandidat auf den Titel drittbester Film aller Zeiten, wie es bei IMDb derzeit propagiert wird. Auch ist Nolans Film nicht der Beste, der in diesem Jahr in unseren Kinos lief. Dagegen sprechen einfach Punkte, die nicht so ganz stimmen und die sein Sequel nicht ganz perfekt machen. Zum einen wäre da die Besetzung von Maggie Gyllenhaal als Rachel. Die Figur der Rachel ist von Grund auf wenig aussagekräftig, ohne Gesicht und ohne große Bedeutung. Trotzdem schafft es Gyllenhaal nicht, ihre Figur auszureizen. Sie ist und bleibt nur Beiwerk und geht gegen die anderen Charaktere fast unter. Selbst den Zweck als eye candy kann Gyllenhaal nicht erfüllen. Auch ist die Verwandlung von Dent zu Two Face zu abrupt dargestellt. Hier wäre etwas Spielraum gewesen, um die inneren Zerwürfnisse von Dent mehr zu beleuchten. Die Darstellung des Two Face tut dasihr Übriges, denn sie ist einem 180 Millionen Dollar-Projekt nicht würdig. Außerdem hätte Nolan, wie bei Batman Begins vielleicht gut getan, die Laufzeit etwas zu kürzen. Nichtsdestotrotz ist The Dark Knight das Kino-Spektakel des Jahres, da gibt es nichts zu rütteln.

Mein Fazit:

Was die groß angelegte Marketing-Kampagne versprach, konnte Christopher Nolans Batman-Sequel The Dark Knight halten. Verpackt in eine komplexe Geschichte zeigt er das Verhältnis zwischen Gut und Böse und das zwischen Beiden keine Welten liegen. Dazu liefern alle Schauspieler eine enorme Leistung ab. Allen voran Heath Ledger sorgt mit seiner Darstellung des Jokers für sein Vermächtnis. Auch handwerklich überzeugt der Film auf ganzer Linie und ist audiovisuell das Highlight des bisherigen Kino-Jahres. (9,5/10)

★★★★★★★★★½

BLOGSPIEGEL

Equilibrium: 9/10

Symparanekronemoi: 6/10

From Beyond: 6/10

Blockbuster Entertainment: 10/10

Intermoviession: 9,5/10

Kino, TV & Co: 10/10

Marcus Kleine Filmseite: 10/10

Moviescape: 8/10

MoviezKult: 9,5/10

Durchschnittwertung: 8,7/10

13 Responses to “The Dark Knight”

  1.   C.H. (54)
    August 28th, 2008 | 6:38 pm

    Na so schwer haben sich ja die Macken anscheinend bei dir in der Wertung auch nicht bemerkbar gemacht. Hast ja auch nur 0,5 Punkte abgezogen ;-)

  2.   Kaltduscher (373)
    August 28th, 2008 | 6:51 pm

    Ne, ich meinte nur dass auf Grund der Macken die Höchstwertung pfutsch war. Sonst passts ja schon :mrgreen:

  3. August 28th, 2008 | 7:07 pm

    an der wandlung von dent zu two-face kritteln ja nicht wenige rum. ich fand es dennoch logisch und nachvollziehbar. da hat mich schon eher die fast zu perfekten schachzüge des jokers gestört (wobei das jetzt auch das falsche wort ist).

    aber insgesamt ist das alles ein herummäkeln auf sehr, sehr hohem niveau, weshlab dem film auch nicht die höchswertung vorentahlten wollte!

  4.   Kaltduscher (373)
    August 28th, 2008 | 7:42 pm

    Klar, dass herummäkeln ist auf allerhöchstem Niveau. Aber das sollte es, wenn es um die 10er-Wertung geht, auch sein. Im Endeffekt kann ichs nachvollziehen, wenn jemand die 10/10 rausrückt. Für mich gabs aber mehrere Mini-Abstriche, die eine 9,5er gerechtfertigen. :cool:

  5.   fincher (60)
    August 28th, 2008 | 7:58 pm

    Cooles (lang erwartetes) Review, dem ich – bis auf die Mängel – vollstens zustimmen möchte. :smile:

    Was die Sache mit den hohen Bewertungen angeht: Wir sind halt (fast) alle Batman-Fanboys. :D Da schaut man mal über kleinere Mängel drüber hinweg. :wink:

  6.   Kaltduscher (373)
    August 28th, 2008 | 8:02 pm

    Cooles (lang erwartetes) Review, dem ich – bis auf die Mängel – vollstens zustimmen möchte.

    Danke :smile:

    Wir sind halt (fast) alle Batman-Fanboys.

    Schlimm, schlimm :boese:

    :mrgreen:

  7.   C.H. (54)
    August 29th, 2008 | 12:56 am

    Was die Sache mit den hohen Bewertungen angeht: Wir sind halt (fast) alle Batman-Fanboys.

    Das wollte ich schon die ganze Zeit mal bei passender Gelehenheit raus hauen (Hätt ich eig. auch in meiner Review mal machen können):

    Mir geht Batman im Allgemeinen mal sowas von am Arsch vorbei und ich habe trotzdem die 10/10 gezückt :cool:

  8.   bullion (12)
    August 29th, 2008 | 9:34 am

    Da fehlt im Blogspiegel aber eindeutig eine 8/10! :boese:

    Ansonsten kann ich dir über weite Teile nur zustimmen, wenngleich ich die ganze Sache nicht so euphorisch sehe. Mal sehen, ob sich bei der DVD-Sichtung etwas ändert. Und im Zusammenhang mit dem Vorgänger.

  9.   Kaltduscher (373)
    August 29th, 2008 | 11:15 am

    Oha, dass tut mir aber Leid, werde ich gleich noch hinzufügen :oops:

    War keine Absicht :cry:

  10.   bullion (12)
    August 29th, 2008 | 11:27 am

    Dankeschön! :fall:

  11. September 23rd, 2008 | 3:34 pm

    Kramer auto Pingback[...] komplette Kritik lesen 9.5 Kommentare zum Film The Dark Knight trudi 304 Bewertungen 17 Kommentare [...]

  12.   bukmacher (2)
    October 31st, 2008 | 8:20 pm

    Ciekawy post, dodalem twoj blog do ulubionych, bede tu teraz wpadal czesciej, pozdrawiam

  13.   kat (1)
    September 25th, 2009 | 10:27 am

    einem meisterwerk wie “citizen kane” gibts du nur 7 punkte, während überschätztes und überhyptes massenkompatibles mainstreamkino wie TDK fast die höchstwertung bekommt? traurig traurig.

Leave a reply