Hancock

[Kino]-Review
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Er ist der Superstar unserer Zeit. Er ist erfolgreich, witzig, charmant und irgendwie jedem sympathisch. Er kann sogar schauspielern. Seine Filme haben alleine in den USA mehr als 2,5 Milliarden Dollar eingespielt. Seine letzten 5 Filme haben weltweit die 300 Millionen Dollar-Grenze geknackt. Dieser Mann ist nur in Superlativen zu beschreiben. Grund genug, dass Will Smith in Hancock endlich einen Superhelden mimen darf – ganz nach eigenen Vorstellungen.

John Hanckock (Will Smith) ist ein Superheld. Er hat nur ein Problem: alle Menschen hassen ihn. Warum? Er ist obdachlos, Alkoholiker, runtergekommen, dazu wenig freundlich zu seinen Mitmenschen und verantwortlich für Sachschäden in Millionenhöhe. Glück für ihn, dass er den PR-Manager Ray Embrey (Jason Bateman) vor dessen sicheren Tod bewahrt und dieser sich in Form einer kostenlosen Beratung revanchieren will. Hancock lässt sich auf Embrey ein, zum Ärger von dessen Frau Mary (Charlize Theron). Der Plan für eine Aufbesserung von Hancocks Image ist einfach: er soll eine geforderte Haftstrafe antreten. Während er im Knast sitzt, wird die Kriminalitätsrate steigen und die Bürger werden um Hancocks Entlassung flehen. Genau so kommt es dann auch – und die neue Situation bringt so einige Überraschungen mit sich…

Ein gehasster und abgefuckter Superheld? Die Grundidee des Films ist wirklich interessant und originell. Dazu kommt ein Riesenaufgebot an Stars, das kaum zu überbieten ist. Auf dem Regiestuhl sitzt Peter Berg, der im letzten Jahr mit Operation:Kingdom gezeigt hat, dass er Filme drehen kann. Als Produzenten fungieren unter anderem Michael Mann, seines Zeichens Regisseur von so großartigen Filmen wie Heat oder Collateral sowie Jonathan Mostow (Terminator 3). Neben Will Smith konnten mit Charlize Theron und Jason Bateman 2 weitere Stars  für den Cast verpflichtet werden. Viel kann da nicht schiefgehen, oder?

So fängt der Film auch an und schlägt ein wie eine Bombe.  Action, Witz und coole Sprüche – der Zuschauer bekommt genau das, was der Trailer versprach. Man merkt, dass Smith die Rolle auf den Leib geschustert wurde. Wer kann diesen Typen so lässig, so cool darstellen wie er? Genau, niemand. Deshalb ist er Will Smith, der godfather of hollywood. Der Höhepunkt des Films wird dann erreicht, als Hancock im Gefängnis aufräumt – und so manchen Kopf in andere Ärsche verschwinden lässt. Danach verliert die Story und damit auch der ganze Film an Fahrt und versinkt schließlich in einem hoch peinlichen Endtwist. Plötzlich entsteht der Eindruck, einen ganz anderen Film zu sehen. Weg ist der abgefuckte Hancock, der auf alles und jeden scheißt. Jetzt hat Hancock auf einmal Gefühle, wirkt zutiefst menschlich und verletzlich. Weg ist der vor Optimismus und Ehrgeiz sprühende Ray Embrey. Jetzt sieht man nur noch ein naives Stückchen Elend. Weg ist die toughe, hocherotische Allerweltsfrau Mary. Jetzt ist sie zwar immer noch hocherotisch, aber auf einmal so etwas wie der Antagonist? Nein, der Bruch in der Mitte des Films ist ärgerlich. Vielmehr hätte man die Figur des Hancock konsequenter weiterführen müssen und einen wirklichen – wie im Genre üblich – Gegenspieler auflaufen lassen müssen.

Was bleibt ist die Erkenntnis, zumindest einen halben guten Film gesehen zu haben. Aber gerade deshalb sitzt der Ärger über die verkorkste zweite Hälfte tief. Wo um Himmels Willen holt man auf einmal diese Schmalspur-Dramatik her? Mit der peinlichen Auflösung des Rätsels um Hancock fällt der Film als Kartenhaus zusammen, da ihm mit seinem Protagonisten der wichtigste Eckpfeiler genommen wurde. Smith wird es kaum stören, denn sein Geld hat er an dem Film verdient. Wie aber eine Charlize Theron bei diesem Skript zusagen konnte? Es kann nur das liebe Geld sein, denn ihre Figur ist maßgeblich beteiligt am Abfall der zweiten Hälfte. Da kann die sichtlich genervte und unterforderte Theron auch nichts dran ändern. Lediglich Bateman, der schon in Juno glänzte, dürfte nach diesem Film als Sieger vom Platz gehen, da er seine Stellung in Hollywood durch gute Leistungen immer mehr untermauert.

Mein Fazit:

Was hätte Hancock für ein Film werden können. Ein etwas anderer Superheldenfilm, den wir in Zeiten fast eintöniger Marvel-Vorherrschaft so dringend gebraucht hätten. Am Ende ist es aber das Drehbuch, welches den hohen Anforderungen nicht gerecht werden kann. Was am Anfang alles richtig gemacht wurde, wurde in der zweiten Hälfte des Films komplett falsch gemacht. Bleibt zu hoffen, dass bei einer etwaigen Fortsetzung, die man wohl in Erwägung zieht, aus seinen Fehlern lernt. Nur wegen der starken ersten Hälfte: (6/10)

★★★★★★☆☆☆☆

BLOGSPIEGEL

Equilibrium: 5/10

Symparanekronemoi: 6/10

MoviezKult: 6/10

Durchschnittwertung: 5,7/10

3 Responses to “Hancock”

  1.   TheRudi (135)
    July 25th, 2008 | 1:05 pm

    Der Höhepunkt des Films wird dann erreicht, als Hancock im Gefängnis aufräumt – und so manchen Kopf in andere Ärsche verschwinden lässt. Danach verliert die Story und damit auch der ganze Film an Fahrt und versinkt schließlich in einem hoch peinlichen Endtwist.

    Word.

    Bleibt zu hoffen, dass bei einer etwaigen Fortsetzung, die man wohl in Erwägung zieht, aus seinen Fehlern lernt.

    Naja, dazu müsste man sich ja weg von der 2. wieder hin zur 1. Hälfte orientieren – was m.M.n. nicht mehr möglich ist. Besser keine Fortsetzung drehen.

  2.   Kaltduscher (373)
    July 25th, 2008 | 5:05 pm

    Das meinte ich ja mit “aus den Fehlern lernen”- weg von der 2ten Hälfte und hin zum starken Ansatz aus der 1sten.

    Eine Fortesezung soll sogar im Gespräch sein, deshalb habe ich das kurz mal angesprochen. MMn wäre ein Prequel super, zum Beispiel wie Hancock so ein Asi geworden ist. Dazu könnte man einen wirklichen Antagonisten einbauen, z.B. einen Dritten Superhelden, der böse geworden ist oder sowas.

  3. November 10th, 2008 | 4:38 pm

    Kramer auto Pingback[...] komplette Kritik lesen 6.0 Patrick Wurster indiskretion ehrensache 463 Bewertungen 243 Kritiken [...]

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