Brügge Sehen … Und Sterben?

[Kino]-Review
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Nach einem vergeigten Auftrag müssen die Berufs-Killer Ray (Collin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson) in der belgischen Stadt Brügge untertauchen, um dort auf weitere Instruktionen ihres Bosses Harry (Ralph Fiennes) zu warten. Während der Kulturfreund Ken sich schöne Tage in dem mittelalterlichen Ambiente macht, ist Ray nur gelangweilt von dem Städtchen. Bei einer abendlichen Tour durch den Stadt-Kern lernt Ray jedoch die hübsche Chloe (Clémence Poésy) kennen. Nach einem höchst kuriosem Date landen die beiden im Bett. Dort werden sie jedoch von Chloes wütendem Ex-Freund Eirik (Jérémie Regnier) überrascht. Währenddessen bekommt Ken einen Anruf von Harry und den Auftrag, Ray am nächsten Tag zu erschießen…

Klingt nach einem interessanten Gauner-Film mit deftigem Humor und so manchen Überraschungen – und genau das ist Brügge Sehen … Und Sterben?. Im Stile eines Quentin Tarantino oder Guy Ritchie (dem alten Guy Ritchie, dem Prä-Madonna Guy Ritchie, der in diesem Film primär zitiert wird) erzählt Regisseur Martin McDonagh ohne Rücksicht auf Verlust. Es wird sich über Kleinwüchsige lustig gemacht genau so wie über adipöse Menschen oder ethnische Minderheiten. Typisch britisch halt. McDonagh gelingt es aber, den Film nie ins Satirische abdriften zu lassen. Vielmehr bettet er die gut pointierten und dosierten Gags ein in eine Geschichte mit dramatischem Tiefgang. Eine Geschichte, dominiert von perfekt geschriebenen Dialogen. Und vor allem eine Geschichte, die den Darstellern Räume lässt, wirklich zu spielen, was leider immer mehr eine Seltenheit wird.

So sind es auch die Darsteller, die den Film primär tragen. Collin Farrell darf nach langer Zeit wieder zeigen, dass er wirklich schauspielern kann. Er ist genau die richtige Besetzung, um dem Auftrags-Killer Ray den passenden Feinschliff zu geben. Ray ist ein Kindskopf, ein einfacher und aggressiver Ire, mit dem Hang zum Alkohol. Passend zu Farrell also. Dabei trumpft er im Original wohl auch mit einem herrlichen irischen Akzent auf – leider habe ich nur die deutsche Version gesehen, in der dies überhaupt nicht transformiert wurde, so wie das zum Beispiel bei Brad Pitt in Snatch noch geklappt hat. Brendan Gleeson als Ken bildet das perfekte Gegenstück zu seinem jungen Kollegen. Ken ist ein Ruhepol, ein Mensch getragen von Liebe zu Kultur und dem Schönen im Leben. Kaum zu glauben, dass dieses Individuum ein Berufs-Killer sein soll. Zu kurz ist leider der Auftritt von Ralph Fiennes. Er mimt den Gangster-Boss Harry, einen zwiespältigen Mann zwischen Familie und Beruf mit knallharten Prinzipien. Nur darum geht es in seinem Leben – Prinzipien. Er ist der Meinung, dass jeder für sein Handeln verantwortlich ist und dementsprechend Rechenschaft zu tragen hat.

Auch optisch kann sich Brügge Sehen .. Und Sterben? (dessen deutscher Titel inhaltlich vielleicht passend, aber total bescheuert ist) sehen lassen. Allein der Handlungsort, von dem es zahlreiche schöne Aufnahmen in dem Film gibt, verdient ein paar Zeilen. Brügge ist mal eine etwas Location für einen Film. Im krassen Gegensatz zu zum Beispiel London, wie es in David Cronenbergs Eastern Promises – Tödliche Versprechen dargstellt wird, wirkt belgische Stadt freundlich, heiter, ja familiär. Brügge ist eine Stadt, getrieben von Geschichte und Tradition. Genau das sorgt für diese malerisch romantische Atmosphäre. Abgerundet wird das ganze durch einen schönen Soundtrack zwischen Pop und klassischen Tönen.

Mein Fazit:

Brügge Sehen … Und Sterben? ist eine kleine Perle des Ganoven-Kinos. Gekonnt erzählt Regisseur Martin McDonagh eine tiefgründige Geschichte mit zahlreichen bitterbösen Gags. Die Schauspieler, die sichtlich Spaß am Dreh hatten, können dabei ein ganz hohes Niveau abrufen. Im Eintrittspreis inbegriffen ist auch noch eine kostenlose Sightseeing-Tour durch die malerische belgische Stadt Brügge (da will ich auch mal hin :D ). Wer auf Filme wie Snatch, Bube Dame, König, GrAS oder auch Pulp Fiction steht, ist hier genau richtig. Trotzdem finde ich You Kill Me einen Tick besser. (8/10)

★★★★★★★★☆☆

BLOGSPIEGEL

Equilibrium: 8,5/10

Symparanekronemoi: 8,5/10

Isinesunshine: 9/10

From Beyond: 7/10

MoviezKult: 8/10

Durchschnittwertung: 8,2/10

4 Responses to “Brügge Sehen … Und Sterben?”

  1.   isinesunshine (40)
    June 17th, 2008 | 4:34 pm

    Im Original kommen die Akzente der Darsteller (der irische bei Farrell und Gleeson, der englische bei Fiennes, der französische bei Poésy, …) super rüber. Wie ma ja am Ende deines Beitrags sieht, hab ich 9 Punkte vergeben, weil ich die Inszenierung wirklich grandios fand. Dass Ralph Fiennes On-Screen-Time kurz ist stimmt schon (nur im letzten Drittel) andererseits ist er ja aber vorher schon präsent – über Telefon. Zumindest im O-Ton kann er so allein durch seine Stimme überzeugen, was ich auch recht beeindruckend fand.

  2.   Kaltduscher (373)
    June 17th, 2008 | 5:01 pm

    Naja dafür gibts dann die DVD/BR mit O-Ton :)

  3. October 7th, 2008 | 9:21 pm

    [...] Kaltduscher (8/10) [...]

  4. December 22nd, 2008 | 10:13 am

    Kramer auto Pingback[...] komplette Kritik lesen 8.0 J. Christopher Times, BBC, Daily Mirror 11 Bewertungen 11 Kritiken [...]

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