Speed Racer
[Kino]-Review

Mit so niedrigen Erwartungen bin ich noch nie an einen Film gegangen. Eine Adaption einer amerikanischen Cartoon-Serie (die im Original auf das japanische Anime Mach GoGoGo beruht), dazu noch von den Regisseuren Wachowski, die außer dem ersten Matrix noch nichts gescheites zu Stande gebracht haben. Die ersten Bilder und Trailer verstärkten den eher negativen Eindruck, denn außer quietschbunten Farben hatten die nichts zu bieten. Somit war es keine Überraschung, das Speed Racer von den Kritikern abgewatscht wurde und an den Kino-Kassen gegen Konkurrenz wie Iron Man und Love Vegas gnadenlos unterging.
Familie Racer hat Benzin im Blut. Während sich Vater Pops (John Goodman) um die Technik im eigenen Rennstall kümmert, fährt sein ältester Sohn Rex (Scott Porter) jegliche Rekorde aller Rennklassen ein. Dessen jüngerer Bruder Speed (Nicholas Elia) träumt davon, später genau wie Rex für den familieneigenen Rennstall fahren zu können. Doch darunter leiden jetzt schon seine schulischen Leistungen. Während Mutter Racer (Susan Sarandon) dies ein Dorn im Auge ist, ist Speeds Klassenkameradin Trixie (Ariel Winter) von dem Sonderling hellauf begeistert. Eines Tages jedoch scheint die Familienidylle zu zerbrechen: Rex steigt aus und wechselt zu einem größeren Rennstall. Bei einem Cross-Rennen verliert er wenig später sein Leben. Erst nach Jahren kann sich Familie Racer von diesem Schicksalsschlag erholen, als Speed (nun: Emile Hirsch) in die Fußstapfen seines Bruders tritt. Bei seinem ersten Auftritt zeigt er seine fahrerische Klasse, als er alle Konkurrenten deklassiert. Schon bald klopfen große Rennställe an, um das Talent abwerben zu können. Darunter der schmierige Geldhai und mächtige Industrielle Royalton (Roger Allam). Der will Speed um jeden Preis. Speed jedoch lehnt das Angebot ab, was ihn in einen Strudel aus Korruption und geschmierten Rennen zieht. Um den Rennsport endlich wieder von diesen Machenschaften zu säubern, muss Royalton gestürzt werden. Dies gelingt Speed nur mit der Hilfe des Inspektors (Benno Führmann) und dem berüchtigten Racer X (Matthew Fox)…
Was ich als erstes loswerden will: Speed Racer hat mich positiv überrascht. Sehr überrascht! Was die Wachowski-Brüder hier abliefern, ist klassisches Hollywood-Familienkino, was (abgesehen von den Pixar-Filmen) schon sehr lange keine Leinwand mehr beglückt hat. Klar, was die Visualisierung angeht, da werden sich die Geister scheiden. Wenn man aber den Film sieht, merkt man, dass die Visualisierung Teil eines Gesamt-Konzeptes ist, welches voll und ganz aufgeht.
Das besondere an Speed Racer ist für mich der “Flashback-Effekt”. Viele Einstellungen, viele Szenen und die optische Umsetzung lassen einen in Erinnerungen schwelgen an Serien und Filme vergangener Tage. So sorgte das kleine Dickerchen (Speeds kleiner Bruder Spritle) stets für Lacher, nicht zuletzt wegen seiner Ähnlichkeit zum kleinen Dickerchen der Superstrolche. Der Affe Chim Chim, seines Zeichnes treuer Begleiter des Dickerchens, erinnerte an die gute alte ZDF-Serie Unser Charly – wer hat die nicht gemocht und geliebt? Übrigens schauen Spritle und Chim Chim in einer Szene kurz einen Ausschnitt aus der Serie! Weiter gehts mit den Flashbacks: als Familie Racer in den Produktionshallen von Royalton umherfährt, konnte ich immer wieder Parallelen zu Tim Burtons Charlie Und Die Schokoladenfabrik erkennen um so gleich mal mitzukriegen, dass ich diesen genialen Streifen schon sehr lange nicht mehr gesehen habe. Die Rennen erinnerten mich immer an eine Cartoon-Serie, die früher auf Super RTL lief. Leider fällt mir der Name nicht mehr ein und eine Internet-Recherche hat nichts gebracht, ich weiß nur noch, dass der Mechaniker Mechanic hieß. Wer mir helfen kann, schreibt gefälligst einen Kommentar
!
Neben der Umsetzung, die neben der perfekt durchgestylten Visualisierung auch durch einen schönen Soundtrack zu gefallen weiß, glänzt der Film durch überraschende inhaltliche Tiefe. Unter dem Gewand des Familienfilms entpuppen sich nämlich Themen wie Freundschaft, Familie, Loyalität und Manipulation im Sport, welche mehr als aktuell sind, betrachtet man zum Beispiel die Machenschaften im Radsport oder auch in der Formel 1 in den letzten Jahren. Auch überraschend war das Ende, was für Hollywood und auch für einen Familienfilm mehr als ungewöhnlich ist und dadurch an Stärke gewinnt.
Natürlich reißt Speed Racer nicht nur ernste Themen an, sondern ist vordergründig ein Rennfilm. Dementsprechend ist die Dichte an Rennen sehr hoch und die sind, auf Grund der Gestaltung, niemals langweilig. Auf Realismus wird gänzlich verzichtet, lieber präsentiert man dem Zuschauer Autos, die alles können: springen, sich drehen, mit Spezialwaffen ausgestattet angreifen oder verteidigen und und und…
Die Besetzung des Films ist genau so bunt geworden wie seine Optik. Sicherlich ist man ein Risiko eingegangen, keinen Hollywood-Superstar zu engagieren, aber für den Film zahlt es sich aus (auch wenn es sich für den Box Office schlecht ausgewirkt hat). Mit Emile Hirsch, Christina Ricci & Matthew Fox vertrauen die Wachowskis ihr 100 Millionen Dollar-Projekt der jungen Hollywood-Riege an und sorgen so für eine zusätzliche Frische. Spaßig auch die Besetzung des guten alten John Goodmans und Susan Sarandon als Ehepaar. Da der Film fast ausschließlich in Deutschland gedreht wurde, fällt er auch durch eine hohe Dichte an einheimischen Darstellern auf. Die größte Rolle hat sicherlich Benno Führmann inne, der als Inspektor eine richtig coole Performance abliefert. Neben ihm spielen aber auch Cosma Shiva Hagen, Moritz Bleibtreu, Ralph Herforth, Christian Oliver oder Waldemar Kobus, der übrigens als dümmlicher Handlanger mehr als glänzt.
Mein Fazit:
Speed Racer ist schönes Familien-Kino, welches aber auch sehr großen Kindern zu empfehlen ist. Wem die Optik nicht abschreckt, der bekommt für seinen Eintritt coole Rennen, einen Film mit inhaltlicher Tiefe und einer starken Visualisierung. Unbedingt sollte man die Lichtspielhäuser aufsuchen, um diese Perle zu sehen. Die Blu-Ray ist sowieso schon gekauft… (8/10)










BLOGSPIEGEL
Equilibrium: 6/10
Symparanekronemoi: 8/10
From Beyond: 4/10
MovieKult: 8/10
Durchschnittwertung: 6,5/10
4 Comments




Die Blu-Ray ist sowieso schon gekauft…
Dachte ich mir auch
Schön, dass der Film noch jemand gefiel.
Ja, wundert mich auch, warum der so zerrissen wurde/wird
Echt erstaunlich, dass mir ein quietschebunter Film a la Tim Burton, der von unrealistischen Sequenzen und Special Effects nur so überhäuft wird, trotzdem gefällt. Eigentlich ist sowas bei mir ein no-go.
Nur Emile Hirsch fand ich als Hauptdarsteller zu “farblos” – ich kann mir nicht recht vorstellen, dass der sich als Jungdarsteller schon einen Namen gemacht hat.