Hitman (Extended Cut)
[DVD]-Review

Neben Comic-Adaptionen sind Videospiel-Verfilmungen in den letzten Jahren sehr stark im Kommen. Diese haben jedoch meist eins gemeinsam: sie floppen an den Kassen und werden von Fans und Kritikern gleichsam kritisiert. Alleine der Name Uwe Boll löst bei vielen Cineasten Schweißausbrüche ungeahnten Ausmaßes aus. Dabei scheinen manche Video-Spiele wie gemacht für eine Verfilmung. Sie besitzen prägnante Charaktere, eine spannende Geschichte und eine einzigartige Atmosphäre. Ich rede von Spielen wie Max Payne (auf dessen Verfilmung mit Mark Wahlberg ich mich wie ein kleines Kind freue) oder auch Hitman.
Agent 47 (Timothy Olyphant) ist einer der kaltblütigsten und präzisesten Auftragskiller der Welt. Schon als Kind wurde er als Waise von der “Organisation” adoptiert und als Killer ausgebildet. Einen Namen besitzt er nicht, lediglich einen tätowierten Strichcode und die Zahl 47, die ihn von den anderen Killern unterscheidet. Sein neuester Auftrag führt in nach Russland, wo er den amtierenden Präsidenten Mikhail Belicoff (Ulrich Thomsen) eliminieren soll. Mit einem gezielten Kopfschuss führt er wie immer seinen Auftrag aus. Jemand scheint ihn jedoch verraten zu haben, denn nach der Tat hängen ihm sowohl der russische Geheimdienst wie auch InterPol an den Fersen. Auch eine Augenzeugin soll es in der Prostituierten Nika (Olga Kurylenko) geben. Als bei einem öffentlichen Auftritt der Präsident trotz Kopfschusses wieder auftaucht, merkt 47, dass er in eine Falle getappt ist und sich mitten in einem politischen Machtspiel befindet.
Die Hitman-Reihe ist bekannt für seine perfiden Gewaltmethoden und auch Gewaltdarstellungen. Die Spiele sind nichts für sanfte Gemüter und verdienen mehr als Counter Strike & Co. den Namen “Killerspiel”. Nicht umsonst landete schon der eine oder andere Teil auf dem Index. Nur gut, dass Regisseur Xavier Gens sich (zumindest im Extended Cut) an die Maßgabe der Vorlage hielt und den Bodycount auf unüberschaubare Höhe trieb. Da werden hier Körperteile abgehackt, dort Frauen ausgepeitscht, ehe Agent 47 eine Party im wahrsten Sinne des Wortes sprengt. Fans des Spiels und des Genres hätten es dem Regisseur auch nicht verziehen, hätte er die rosarote Brille aufgesetzt und einen “Kinderfilm” gedreht.
Mit Regisseur Xavier Gens haben die Produzenten des Films sowieso eine sehr gute Wahl getroffen. Er schafft es, Hitman optisch richtig gut durchzustylen. Die Visualisierung ist sehr modern und braucht sich nicht vor der Action-Konkurrenz zu verstecken. Gens gelingen starke Bilder, die durch einen der besten Scores, die ich in letzter Zeit hören durfte, noch weiter verstärkt werden. Alleine das “Ave Maria” am Anfang des Films sorgte für einen großen Gänsehaut-Schub bei mir. Trotzdem hat Gens ein Problem, welches er durch sein perfekt abgestimmtes Konzept nicht mindern kann: das Drehbuch. Skip Wood, der unter anderem schon das Skript für Passwort:Swordfish schrieb, versucht einfach zu stark, die Geschichte nicht wie eine simple Videospiel-Verfilmung aussehen zu lassen. Er baut deshalb eine Geschichte auf, die leider schon im Ansatz stark unglaubwürdig klingt und sich am Ende sogar zu weit vom Original entfernt. Auf Kosten der Story verzichtet Woods leider auch auf einen Ausbau der Charaktere – und sorgt so, dass vor allem Zuschauer, die das Spiel nicht kennen, sich in keinster Weise mit den Protagonisten identifizieren können.
Die Besetzung der Hauptrolle mit Timothy Olyphant ist aus der Not heraus entstanden. Eigentlich sollte ein gewisser Vin Diesel den Part als Agent 47 übernehmen, doch der lehnte ab. Auch Kandidaten wie Jason Statham wollten die Rolle nicht spielen. So lag es an dem eigentlich nur durch Stirb Langsam 4 bekannten Darsteller, den Killer zu interpretieren. Das gelingt ihm phasenweise sehr gut, sogar den typischen Hitman-Gang hat er drauf. Leider merkt man aber, vor allem in Szenen, in denen es kracht, dass Olyphant kein Action-Darsteller ist. Er sorgt leider auch dafür, dass unpassende und unfreiwillige Komik in die Rolle kommen – und die Asexualität von 47 nimmt Olyphant jawohl niemand ab. Zum Glück fanden die Macher in Olga Kurylenko, einem der nächsten Bond-Girls, einen optischen Leckerbissen, der von mancher Stumpfheit in Olyphants Darstellung ablenken kann.
Mein Fazit:
Hitman ist ein visuell stark durchgestylter Actioner mit einem richtig guten Score. Leider kommt der Film auf Grund von Drehbuch-Schwächen nicht aus dem Mittelmaß heraus. Die Story wirkt zu komplex und entfernt sich damit zu weit vom Original. Für Genre-Fans ist Hitman jedoch trotzdem eine Empfehlung, da es keine Verschnaufpause gibt und es an allen Ecken bumst und kracht. (7/10)










BLOGSPIEGEL
Equilibrium (Kino-Cut): 7.5/10
Symparanekronemoi (Kino-Cut): 6.5/10
MoviezKult: 7/10
Durchschnittwertung: 7/10




